Politik

Eindringliche und würdige Gedenkveranstaltung für Ruhrkämpfer in Gelsenkirchen

21.08.10 - Dazu heißt es in einer Pressemitteilung des überparteilichen Kommunalwahlbündnisses "AUF Gelsenkirchen":

Über 130 Gelsenkirchenerinnen und Gelsenkirchener folgten am 21.8.2010 dem Aufruf von AUF Gelsenkirchen, Gelsenkirchener Freidenker-Verband und Kumpel für AUF zur Gedenkfeier für die ermordeten Ruhrkämpfer des März 1920. Angeführt von Kranz und Blumengebinden sowie einem Banner "Nichts ist vergessen - niemand ist vergessen" begab sich der feierliche Zug zum Mahnmal im Friedhof Horst-Süd, das sowohl der Toten der Roten Ruhrarmee als auch antifaschistischer Kämpfer aus Gelsenkirchen gedenkt.

Wort- und Liedbeiträge zeichneten ein eindrückliches, buntes Bild des Gedenkens für die Zukunft. Stefan Engel spannte in seinem Beitrag für Kumpel für AUF den Bogen von der Novemberrevolution 1918 in Deutschland zum faschistischen Kapp-Putsch, dem todesmutigen und erfolgreichen Widerstand der Berg- und Stahlarbeiter in Generalstreik und Roter Ruhrarmee bis zur bitteren Erfahrung, dass viele dieser Kämpfer für Demokratie und Sozialismus sodann unter der Regie von Reichswehr, Freicorps und SPD Spitze ermordet wurden.

Christian Link in festlicher Bergmannskluft und Karl-Heinz Wittmann (Opelaner) verlasen dann feierlich die 22 bekannten Namen der 80 Opfer aus Horst und Hessler, von denen fünf in Horst standrechtlich erschossen wurden. Es folgten Beiträge von Lothar Wickermann (Mitglied der VVN) und Heike Jordan (Gelsenzentrum und Projektleiterin Stolpersteine), die vor allem auf die Verbindung des Gedenkens an die Ruhrkämpfer und die antifaschistischen Widerstandskämpfer abhoben und zur Wachsamkeit gegen (neo) faschistische Umtriebe heute mahnten.

Gerd Labatzki (IGM-Mitglied) sah sich als Gelsenkirchener Gewerkschafter in der Tradition der Ruhrkämpfer im Einsatz für eine lebenswerte Zukunft, insbesondere auch der Jugend; Karl Taefler rezitierte sein Gedicht, Erinnerungen an einen Kumpel, für die Märzkämpfer. Renate Kempmann (Courage) gedachte der Frauen, die als Sanitäterinnen und Köchinnen oft gegen besondere Widerstände Teil der Kämpfenden waren; jugendliche Rebellen betonten das notwendige Geschichtsbewusstsein der Jugend und berichteten von ihren eigenen Recherchen zur Geschichte des Gedenksteins und neu gewonnenen Vorbildern.

Stadtverordnete Monika Gärtner-Engel bekräftigte den Entschluss der Anwesenden, das Andenken der Ruhrkämpfer in der Stadtgeschichte Gelsenkirchens lebendig zu erhalten, prangerte das Verbot der Veranstaltung und des Gedenkens an, während in Gelsenkirchen immer noch Straßennamen von Repräsentanten der Weltkriege bzw. der NSDAP existier(t)en.

Die beeindruckende Veranstaltung war von der Stadt Gelsenkirchen verboten worden. Dass sie dennoch in der ursprünglich geplanten Form sogar rechtmäßig durchgeführt werden konnte, leitet sich ab aus der Begründung des Oberverwaltungsgerichtes Münster: in der Ablehnung der einstweiligen Verfügung betonen sie, dass grundsätzlich keine Genehmigung, sondern nur eine Anmeldung derartiger Veranstaltungen notwendig ist. Das Gericht betonte zugleich, dass die Stadt Gelsenkirchen die Veranstaltung tatsächlich verbieten kann.

Dieses Verbot hat die Stadt Gelsenkirchen ausgesprochen. Das Verbot wird jedoch erst rechtskräftig nach Ablauf der Widerspruchsfrist von einem Monat (somit am 10.9.2010) Die Stadt hätte die Möglichkeit gehabt, den sofortigen Vollzug des Verbots mitzuteilen. Dies hat sie jedoch nicht gemacht. Ob in diesem "Versäumnis" zum Ausdruck kommt, dass sie der Veranstaltung letztendlich doch nicht im Wege stehen wollte oder ob sie den Hinweis des Gerichts schlicht verschlafen hat, sei dahingestellt. In jedem Fall konnten Rechtsanwalt Frank Stierlin und AUF-Vorstandsmitglied Manuela Reichmann sowie Anmelder Günter Wagner zu Beginn der Veranstaltung die Anwesenden über diese positive Rechtslage und die rechtmäßige Durchführung der verbotenen Veranstaltung informieren.

Der AUFrechte Gang bahnt sich in Gelsenkirchen weiter seinen Weg! GLÜCK AUF!!