Kultur

Eine außergewöhnliche Fahrrad-Tour: Auf den Spuren der Roten Ruhrarmee

Duisburg (Korrespondenz), 21.08.10: Über 40 Menschen trafen sich bei herrlichem Sommerwetter vor dem Eingang der stillgelegten Zeche Lohberg. Ihre Erwartungen auf eine außergewöhnliche Fahrradtour, organisiert von der Bergarbeiterinitiative "Kumpel für AUF", wurden weit überfüllt.

Es war für viele Teilnehmer unfassbar, dass über die Geschehnisse heute der Mantel des Schweigens gehüllt wird: Wie die Vollzugsräte in der Stadt die Herrschaft für einige Tage übernahmen und schier Übermenschliches leisteten, um das Leben zu organisieren; wie sich die späteren "Sieger", die Freikorps- und Reichswehrsoldaten grausam dafür rächten: Junge Frauen, die verwundete Rotarmisten als Sanitäterinnen unterstützt hatten, wurden in den nahen Schlammteich der Zeche getrieben und ertränkt. Das Dinslakener Laienkünsterduo "Frank und Frei" trug das bewegende Lied von Ferdinand Freiligrath "Die Todten an die Lebenden" und musikalisch untermalte Gedichte von Kurt Tucholsky vor.

Anschließend ging es zu einem im Hünxer Wald versteckten Massengrab. Die Besuchergruppe staunte nicht schlecht, wie es hergerichtet war. Kinder von den ROTFÜCHSEN, der Kinderorganisation im Jugendverband der MLPD, hatten es am Tag zuvor gesäubert und liebevoll mit einer Schale mit Blumen geschmückt.

Auf dem Friedhof Dinslaken, beim größten Massengrab gefallener und ermordeter Freiheitskämpfer von 1920, fand eine Gedenkfeier statt. Feierlich wurde von einer älteren Genossin der DKP und einem Mitglied von "Kumpel für AUF" eine Selbstverpflichtung vorgetragen, künftig im Geiste der parteiübergreifenden Aktionseinheit der Arbeiter von 1920 den Kampf gegen das Totschweigen der Geschichte aufzunehmen und ungeachtet aller weltanschaulicher Unterschiede zusammen gegen allen Tendenzen des Faschismus und Rassismus entgegenzutreten.

Der Abschluss fand dann in Walsum vor dem Lokal "Waldschlösschen" statt. Dort, wo sich damals die Rotarmisten versammelten auf ihrem Abmarsch zur Lippefront, wurde dann noch lange bis in die Dunkelheit gemeinsam gefeiert, gegessen, getrunken und geklönt.