Politik

Wohin die Datenkrake Google ihre Fangarme ausstreckt ...

20.08.10 - Mit der Verlängerung der Widerspruchsfrist für Anwohner und Mieter gegen die Veröffentlichung einzelner Straßen- und Gebäudebilder von einem auf zwei Monate hat der Internet-Konzern Google auf die wachsende Empörung und massive Kritik von Datenschützern an seinen "Street View"-Plänen reagiert. Google-Europachef Philipp Schindler wiegelt ab: "Wir achten die Privatsphäre der Menschen sehr. Etwas Öffentlicheres als Häuserfassaden gibt es jedoch nicht. Zudem bieten wir in Deutschland Regeln für Street View an, die es in anderen Ländern gar nicht gibt." Nur in Deutschland gebe es die Widerspruchsmöglichkeit vor dem Start.

Tatsächlich wird der Internet-Dienst "Street View" bereits in 23 Ländern weltweit angeboten. Das Misstrauen vieler Menschen - nicht nur in Deutschland - gegen die zunehmende Veröffentlichung, Kommerzialisierung und geheimdienstliche Ausforschung persönlicher Daten im Internet ist aber durchaus berechtigt und in der Regel alles andere als übertriebene Panik.

So musste Google vor Monaten nach Protesten bereits eingestehen, das bei den Aufnahmen der "Street View"-Fahrzeuge nicht nur Häuser und Straßen fotografiert, sondern auch WLAN-Netzwerke abgehört und darüber persönliche Daten gesammelt wurden - angeblich "unabsichtlich". Doch fehlt bis heute eine plausible Erklärung von Google dazu, warum auch diese Daten gespeichert wurden.

Google betreibt mittlerweile längst nicht nur die mit Abstand größte Internet-Suchmaschine der Welt. Der Umsatz von Google Inc. betrug im Jahr 2009 etwa 24 Milliarden US-Dollar. Der börsennotierte Marktwert lag am 31.12.2009 bei 150 Milliarden Dollar, womit Google bezogen auf den Marktwert an 26. Stelle der Weltrangliste der Konzerne stand. "Google Mail" hat faktisch die größte Vorratsdatenspeicherung der Welt und aus den Eingaben in die Suchmaschine von Google können exakte Benutzerprofile der persönlichen Daten, Interessen, Bedürfnisse oder auch sexuellen Vorlieben erstellt werden.

Kein Wunder, dass dies insbesondere das Interesse der Staatsapparate und ihrer Geheimdienste weckt. Während über Google "Street View" breit diskutiert wird, bleibt eine Firma, die sich "Recorded Future" nennt, dezent im Hintergrund. Über seine Unterfirma In-Q-Tel hat nicht nur Google, sondern auch der US-Geheimdienst CIA Millionen von Euro in diese Firma investiert. Sie durchforstet Websites, Blogs and Twitter-Accounts, um die gegenwärtigen sowie zukünftigen Beziehungen zwischen Menschen und Organisationen, zwischen ihren Absichten und ihren Handlungen auszuforschen.

Man sei auf der Suche nach "unsichtbaren Verknüpfungen", hieß es in einer Selbstdarstellung, die mittlerweile nicht mehr im Netz steht. Google "Street View" ist ein weiterer Baustein in diesem Netzwerk. Die Untersuchungen erfolgen möglichst zeitnah, um vor allem Prognosen über zukünftiges Verhalten zu erstellen. Um den Anschein eines "öffentlichen Interesses" zu erwecken und nebenbei noch daran zu profitieren, kann sich ab 149 Dollar im Monat angeblich jeder dieser Dienste bedienen. Eine einfache Nutzerversion ist sogar kostenlos, brisante Informationen werden darüber allerdings kaum zu erhalten sein.

Doch die Zusammenarbeit zwischen Google und Geheimdiensten geht darüber hinaus und existiert schon seit längerem. So entwickelt Google spezialisierte Suchmaschinen und Netzwerke für die Geheimdienste. Die Militärgeheimdienste nutzen unter anderen auch den Dienst "Google Earth", wenn sie Drohnen programmieren und Bombenabwürfe dirigieren. Deshalb fallen die Proteste staatlicherseits gegen neue Google-Aktivitäten auch eher verhalten aus, will man diese Möglichkeiten zur umfassenden Ausspionierung des Internet nicht missen.

Die Datensammelwut der Geheimdienste getützt unter anderem auf Dienste wie Google sprengt heute schon längst die Dimensionen der Bespitzelung durch die Stasi der bürokratisch-kapitalistischen DDR, die nicht zuletzt auch daran erstickt ist und zugrunde ging. Es ist unbedingt richtig, entschieden gegen die zunehmende staatliche und kommerzielle Ausforschung der Massen zu protestieren und für den Schutz ihrer Privatspäre einzutreten.