Kultur

Die "Ruhrkampfrevue" - denkwürdiger Höhepunkt und Abschluss der Kulturwoche "90 Jahre Rote Ruhrarmee"

22.08.10 - Es war ein denkwürdiger Abend mit über 250 Besuchern im Kultursaal "Horster Mitte" in Gelsenkirchen. "Es will schon viel heißen, wenn hier an einem solchen Samstag-Abend nicht über Schalke gesprochen wird", meinte der Kulturhistoriker Roland Günter bei der anschließenden Feier im Foyer. Die zwei Aufführungen der "Ruhrkampfrevue" am Samstag und Sonntag bildeten das kulturelle Highlight dieser Woche, die von der Bergarbeiterinitiative "Kumpel für AUF" organisiert worden war. Die von Yaak Karsunke entwickelte Textfassung wurde von Eberhard Boeck in gelungener Weise erweitert durch szenische Darstellung der herrschenden Industrie, Politiker und Militärs. Die Darsteller - hauptsächlich Laien - boten eine professionelle und engagierte Aufführung des Stücks. Es wird Anfang des nächstes Jahres noch eine Tournee durch Deutschland antreten.

Es zeigt die Geschichte der legendären "Roten Ruhrarmee" von 1920, eine Geschichte, die vom Mut der Arbeiter berichtet, die sich bewaffnet gegen die Reaktion erhoben hatten. Die bestialische Rache der Sieger, des Großkapitals im Verein mit den Militärs beendete mit Hilfe des Verrats der SPD-geführten Regierung ihren Traum einer neuen sozialistischen Welt. Aber – so die Schlussszene – "vergessen ist das nicht".

Im Anschluss an das Theaterstück trugen Vertreterinnen und Vertreter von "Kumpel für AUF" eine Abschlussbilanz mit beeindruckenden Ergebnissen vor. Mit 25.000 Flyern, 1.200 Plakaten, vielen Artikeln in Kleinzeitungen, Internetankündigungen und 20 Artikeln in der Lokalpresse ist es gelungen, das Interesse auf diese alternative Kulturwoche zu lenken.

Die Initiatoren berichteten stolz: "Wir wollten mit unserem breit gefächerten Programm die große Bedeutung einer revolutionären, demokratischen, fortschrittlichen Kultur in unserem Befreiungskampf unterstreichen. Wir haben mit einem vielfältigen dezentralen und zentralen Programmpunkten viele Interessierte erreicht und eine Kultur auf hohem Niveau präsentieren können. Es war eine Kultur, getragen von vielen für die breiten Massen. Mit drei gelungenen Theatervorführungen, einer das Thema vertiefenden Podiumsdiskussion mit Diskutanten aus dem ganzen linken Spektrum, mit bewegenden Gedenkfeiern in sieben Ruhrgebietsstädten, mit informativen Film-, Diskussions- und Infoveranstaltungen, Rad- und Autokorsos wurde das Thema allseitig beleuchtet. Wir haben einen Beitrag gegen die Geschichtsklitterung geleistet. Wir haben eine Aufklärung geleistet, und uns auch durch Verbote und Diskriminierungen nicht aufhalten lassen."

Es ist gelungen, und dem stimmten mit ihrem großen Applaus alle Besucher zu, eine Tradition der revolutionären Arbeiterbewegung wieder aufzugreifen und die Gefallenen der Märzrevolution zu ehren. Es ist gelungen, sich an die Jugend zu wenden und ihr eine positive Haltung zur fortschrittlichen Rolle der Gewalt nahe zu bringen. Es gelang, die Initiative der Bergarbeiterfrauen zu beleben und als einen Beitrag in die Vorbereitung der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen 2011 in Venezuela einzubetten. Es gelang, das eigene Selbstbewusstsein zu stärken, indem durch die Woche deutlich wurde, was diese Bergarbeiterbewegung schon historisch geleistet hat, und worauf sie bei künftigen Kämpfen aufbauen kann.

Es gelang "Kumpel für AUF", im Geiste des Zusammenschlusses der Arbeiter von 1920 über Parteigrenzen hinweg eine breite Trägerschaft zu gewinnen, die sich an den verschiedensten Aktivitäten beteiligt haben: kommunale Wahlbündnisse, MLPD, People to People, Arbeiterbildungszentrum, Vertreter der Linkspartei, der DKP, der ÖDP, der VVN, der Freidenker, des Gelsenzentrum, des Werkbund, Historiker, Courage, Betriebsräte, Kollegen verschiedener Betriebe, Jugendverband REBELL, "Wider das vergessen"-Initiative, Bergarbeiterfrauen-Initiative, "Todo Cambia", Heimatverein Haltern, Courage, Geschichtskreis Herten. Es gelang, die Kultur als politische Waffe einzusetzen.

Die Kulturwoche war nicht nur ein Blick in die Geschichte, sondern gab Lehren aus der Geschichte für heute: "Wir wollten die Kulturwoche nutzen, um einen neuen Kampf zur Verteidigung des Steinkohlebergbaus vorzubereiten. Mit der Bergarbeiterzeitung 'Vortrieb' wurden die Kumpels erstmals vollständig über den Betrug des sozialverträglichen Auslaufbergbaus informiert. Wir haben alle Veranstaltungen mit der aktuellen Situation verbunden."

Und nicht zuletzt ist es auch gelungen, dafür zu sorgen, "dass keiner in ein langweiliges Sommerloch fällt". So meinte abschließend ein Kumpel verschmitzt: "Wir wollten Spaß haben, um der Bergarbeiterbewegung etwas Gutes zu tun! Das ist uns ohne Zweifel gelungen oder etwa nicht?!" Mit der zweiten Aufführung der "Ruhrkampfrevue" heute um 16.00 Uhr im Kultursaal "Horster Mitte" geht die Kulturwoche "90 Jahre Rote Ruhrarmee" zu Ende.