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Pakistan-Hilfe der Regierung entspricht 0,003 Prozent ihrer Hilfe für Banken und Konzerne

18.08.10 - Durch die verheerende Flutkatastrophe in Pakistan sind Millionen Menschen in ihrer Existenz bedroht. Der Fluss Indus ist bis zu 25 Kilometer breit über die Ufer getreten. Etwa 80 Prozent der Nahrungsmittel des Landes sind vernichtet. Es gibt keine aktuellen Zahlen, aber die Schätzung liegt bei mindestens 4.000 Todesopfern und 13 Millionen unmittelbar Betroffenen durch die schlimmste Flut in der Geschichte von Pakistan.

62.000 verloren ihre Häuser und fast 80 Prozent der Nahrungsvorräte wurden durch die Flut zerstört, d.h. auch der Viehbestand, die Straßen und die gesamte Infrastruktur. 400 Dörfer sind in der Region Peschawar komplett zerstört und in Dera Ghazi Khan 50 Dörfer. Viele Überlebende sind durch tödliche Krankheiten bedroht, die sich wegen des verseuchten Bodens und Trinkwassers verbreiten. Am 14. August hat die UN den Ausbruch der Cholera gemeldet. Vor Hunger und Durst verzweifelte und wütende Menschen überfallen Hilfstransporte, teilweise bewaffnen sie sich.

UN-Generalsekretär Ban Kimoon erklärte bei seinem Besuch am Wochenende, mehrere Milliarden seien nötig, damit die Menschen überleben können, "aber wir wissen nicht, wie". Die UN hatten die Staaten zu Hilfen in Höhe von 460 Millionen aufgerufen und kritisiert, dass erst 20 Prozent davon an die UN überwiesen wurden. Von den USA flossen allein 2009 eine ganze Milliarde Militärhilfe an Pakistan. Die Bundesregierung hat ihre Soforthilfe von ursprünglich 10 Millionen nach ersten Kritiken auf 15 Millionen Euro erhöht. Das sind lächerliche 0,003 Prozent der 480 Milliarden, die sie den Banken an Bürgschaften und Kapitalzuschüssen zu Beginn der Weltwirtschafs- und Finanzkrise zu geschustert hat.

Was in diesen Tage für die Massen bittere Realität geworden ist, entspricht der Spekulation des Bundesverbands der Deutschen Industrie, der im Jahr 2008 erklärt hatte, dass der "Klimawandel" zwar seinen Nachteil hätte, weil auf der einen Seite ganze Länder wie Bangladesch (ebenfalls in der Region gelegen) in Fluten verschwinden, dafür aber im Gegensatz durch das Auftauen der Permafrostböden in der Arktis und Antarktis der Zugang zu Bodenschätzen frei werde. 

Das ist Zynismus pur und auch eine Verharmlosung: Wir sind bereits mitten in einer lebensbedrohenden Klimakatastrophe mit Regenfluten, Überschwemmungen, Stürmen, Hitzeperioden mit der Folge von der Vernichtung von Natur und menschlichem Lebensraum auf unserem Planeten. Die fossile Verbrennung ist die Hauptursache. Die Klimakatastrophe stoppen kann nur der weltweite aktive Widerstand.

Die entscheidende Hilfe für die leidenden Menschen ist die Hilfe zur Selbsthilfe, die sich im ganzen Land entfaltet und unsere Solidarität verdient. Die MLPD hat dieser Tage Briefe von zwei Selbstorganisationen in Pakistan erhalten. Darin schrieben der Vorsitzende der Gewerkschaft APTUF und die Präsidentin der Frauenorganisation WWO, Rubina Jamil:

"Vielen Dank für euren ermutigenden Brief in dieser kritischen Situation, wo die Flut alles zerstört hat, mehr als 30 Millionen obdachlos sind und Tausende starben, ihr Getreide, ihre Tiere und ihr ganzer Besitz völlig zerstört sind. Es ist ein großes Unglück, dass die Regierung keine ausreichende Hilfe für die Betroffenen bietet. Die politischen Parteien sind nur damit beschäftigt, Fototermine zu machen, anstatt den armen Menschen zu helfen. Unter diesen schlimmen Umständen arbeiten APTUF und WWO Tag und Nacht für das Wohlergehen und die Hilfe für die Arbeiterklasse und die einfachen Menschen in Pakistan."

Und die  APTUF berichtet in einem Aufruf, wie sie die Selbsthilfe organisieren: "APTUF hat sofort ein Komitee aus 12 Mitgliedern gebildet, das die Überschwemmungsgebiete in der Nordwestlichen Grenzprovinz (NWFP), im Süd-Punjab und Sind besucht hat. (...) Die Selbsthilfe und der freiwillige Einsatz der einfachen Menschen sind wieder aktiv. (…) Wir stellen trockene Lebensmittel zur Verfügung, ebenso Kleidung ..."

Zu verurteilen ist, wenn reaktionäre islamistische Fundamentalisten die Notlage der Menschen für ihre massenfeindlichen Ziele missbrauchen. So wird berichtet, dass vor allem Frauen sterben, weil ihnen von solchen Kräften verweigert wird, sich zusammen mit Männern in die Menschenschlangen nach Hilfsgütern einzureihen.

Wir fordern von der Bundesregierung die drastische Erhöhung der Hilfe für die Flutopfer in Pakistan und unterstützen alle Forderungen und Proteste in dieser Richtung gegen die Regierung. Gleichzeitig gilt es, allen Versuchen entgegenzutreten, diese Hilfe mit Maßnahmen zur Reglementierung, Kontrolle und Unterwerfung des Landes zu koppeln.