Politik

Region Stuttgart nimmt die Herausforderung an: Über 40.000 demonstrieren gegen das "S21"-Projekt

Region Stuttgart nimmt die Herausforderung an: Über 40.000 demonstrieren gegen das "S21"-Projekt

Stuttgart (Korrespondenz), 28.08.10: Über 40.000 Demonstranten waren gestern Abend um 19.00 Uhr vor den Stuttgarter Hauptbahnhof gekommen, um lautstark ihren Protest gegen das umstrittene Klimakillerprojekt des Abrisses des Kopfbahnhofes und milliardenschweren Neubaus eines Durchgangsbahnhofs zum Ausdruck zu bringen. Am Mittwoch hatten die "S21-"Verantwortlichen in Stadtverwaltung und Bahnvorstand provokativ die Abrissbagger bestellt und erste Abbrucharbeiten am Nordflügel gestartet.

Diese Maßnahme war planerisch noch gar nicht notwendig, sondern diente lediglich dem vergeblichen Versuch, der  wachsenden Protestbewegung eine Niederlage beizubringen. Doch schon am Mittwoch waren – alarmiert über SMS und Telefonkette – 30.000 gekommen. Es kam zur Besetzung des Fernverkehrsgleises 9 und einer Straßenkreuzung. Sieben Parkschützer besetzten das Dach des Nordflügels des Bahnhofes. Die Besetzung wurde am Donnerstag von der Polizei beendet.

Die "S21-"Verantwortlichen sind in der Defensive und es ist eine offene politische Krise in Stadt und Region Stuttgart ausgebrochen. Die versuchte Demoralisierung der Protestbewegung erzeugte eher noch größere Wut und Entschlossenheit. So zogen die Demonstranten gestern Abend durch Stuttgart zum Landtag und bildeten dort eine Menschenkette. Hier wurde dann, wie schon vorher, immer wieder "Lügenpack, Lügenpack!" skandiert.

Unter den Demonstranten und "S21"-Gegner ist eine Auseinandersetzung entstanden über den weiteren Weg des Widerstands. Insgesamt wird die Aktion als großer Erfolg gesehen. Es wird aber zugleich die Frage aufgeworfen, warum nicht mit den Blockadeaktionen weiter gemacht wird. Stattdessen orientierten die Redner bei der Auftaktkundgebung darauf, dass die Blockade eine "Ausnahmeaktion" war, die man nicht ständig wiederholen könne.

Die MLPD hat mit einem eigenen Transparent und dem offenen Mikrofon an den Aktionen teilgenommen. In vielen Gesprächen und Beiträgen ging es um die Perspektive des aktiven Massenwiderstands gegen das Diktat und Projekt der Monopole, mit dem diese auf Kosten der Bevölkerung, des Stuttgarter Stadtbilds und der Kultur der Stadt einen Milliarden-Reibach machen. Zu diesem Thema findet am 1. September um 20.00 Uhr im ABZ-Süd das nächste Treffen der offenen Initiativgruppe der MLPD statt: "Kein S21 – Wir denken weiter als der Kapitalismus es zulässt!"

Die nächste Druckausgabe der "Roten Fahne", die am 2. September erscheint, wird "Stuttgart 21 - Massenwiderstand gegen das Projekt der Monopole" als Titelthema behandeln. "Rote Fahne" - am besten gleich im Abo!