Umwelt

Wieder Bohrinsel explodiert - wird erneut vertuscht?

03.09.10 - Im Golf von Mexiko ist am Donnerstag erneut eine Erdölplattform explodiert und in Flammen aufgegangen. Nach "offiziellen Angaben" seien alle 13 Arbeiter lebend gerettet worden. Die Explosion im Ölfeld "Vermillion 380" geschah rund 320 Kilometer westlich der Stelle, an der am 20. April die Bohrinsel "Deepwater Horizon" von BP explodiert war und die größte Ölkatastrophe der Geschichte ausgelöst hatte. In vier Monaten sind mindestens 800 Millionen Liter Rohöl ins Meer ausgetreten.

Nach Berichten von US-Medien, die seit der Explosion der "Deepwater Horizon" wie bei der Kriegsberichterstattung über Irak und Afghanistan einer strengen staatlichen Zensur unterliegen, seien auf der Ölbohrinsel nur Wartungsarbeiten durchgeführt und kein Öl gefördert worden. Berichte über einen 1,5 Kilometer langen Ölteppich wurden dementiert. Entgegen anderslautenden ersten Meldungen wurde nach Angaben der Behörde für Heimatschutz auf der Plattform zum Zeitpunkt des Unglücks doch produziert. Die Plattform förderte demzufolge rund 225.000 Liter Öl und 25.000 Kubikmeter Erdgas am Tag.

Das Unternehmen "Mariner Energy" ist vor allem im Golf von Mexiko tätig. Die explodierte Ölbohrplattform förderte laut Angaben des Unternehmens im Jahr 2009 rund 31 Milliarden Liter Öl aus dem Ölfeld. Die in dem betreffenden Ölfeld "Vermillion 380" lagernde Menge an Rohöl wurde Ende 2009 auf 940 Milliarden Liter taxiert. Inwieweit die offiziellen Angaben über das Ausmaß des Unglücks der Wahrheit entsprechen, wird wohl die Entwicklung in den nächsten Wochen zeigen.

Die im Auftrag der Ölmultis zensierten Medienberichte über die Katastrophe der "Deepwater Horizon" behaupten, dass die 800 Millionen Liter Röhöl von Mikroben (Bakterien) im Meer zersetzt würden und keine nachhaltige Gefahr für die Umwelt ausgehe. Dies wird nach einer von BP finanzierten Studie des "Lawrence Berkeley National Laboratory" (LBL) der Universität von Kalifornien behauptet. Die LBL-Wissenschaftler untersuchten aber nur die Zersetzung der "leichten" Komponenten des Rohöls, der kurzkettigeren Kohlenwasserstoffe. Sie sind relativ ungiftig und von Natur aus gut abzubauen.

In ca. 1200 Metern Tiefe treibt jedoch eine riesige Schwade aus schweren Bestandteilen (so genannten "aromatischen Verbindungen") des Rohöls, die bereits Ende Juni auf eine Länge von 35 Kilometer bei 2 Kilometer Breite und 200 Metern Höhe geschätzt wurde. Diese schweren Bestandteile des Rohöls enthalten die krebserregenden Stoffe Benzol, Toluol, Ethylbenzol und Xylol.

Dr. Richard Seifert vom Institut für Biogeochemie und Meereschemie der Universität Hamburg erklärt, dass diese Substanzen kaum abgebaut werden, sondern dicke Asphaltschichten am Meeresboden bilden. Es kann also keineswegs davon ausgegangen werden, dass nach einem offensichtlichen Abdichten der sprudelnden Ölquelle die Katastrophe für die Umwelt abgewendet sei. Das wahre Ausmaß wird vor der Weltöffentlichkeit weiter verharmlost und verschleiert.

Sie wollen nicht, dass sich die Wut und weltweiten Proteste über die rücksichtslose und verbrecherische Ausbeutung der Erdöl- und Gasvorkommen durch die internationalen Ölmultis zum aktiven Widerstand weiterentwickeln. Denn dieser ist für sie eine Gefahr für das Sprudeln der Maximalprofite. Das erneute Unglück auf einer Bohrinsel zeigt, dass tagtäglich durch die Offshore-Förderung unkalkulierbare Risiken für die Menschheit ausgehen. Es ist notwendig, den sofortigen Stopp jeglicher Offshore-Förderung und die Nutzung regenerativer Energie durchzusetzen.