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Die Weltöffentlichkeit schaut auf die tapferen eingeschlossenen chilenischen Bergleute

02.09.10 - Mit tiefer Anteilnahme verfolgen weltweit die Menschen den Kampf um die Rettung der 33 in 700 Metern Tiefe gefangenen Bergleute, die durch das Grubenunglück am 5. August im Bergwerk San José im Norden Chiles verschüttet wurden. In einem aktuellen Brief in der neuen Ausgabe der Wochenzeitung "Rote Fahne" berichtet Luis Aravena, Mitglied des Zentralkomitees der PC (AP)Chile, dass es vor allem die Bergarbeiter selbst sind, die ihre Rettungsaktion eingeleitet haben: "Das Organisationsniveau der der 33 verschütteten Bergleute in der Mine San José ist typisch und eine typische Eigenschaft der Arbeiterklasse, von Arbeitern die sich nicht fürchten in widrigen Zeiten. Die ohne irgend eine äußere Hilfe es ermöglichten, dass die 33 Bergleute fast 20 Tage überlebten." (die aktuelle "Rote Fahne" berichtet)

Weltweit gibt es eine große Hilfsbereitschaft, alles für die Rettung der eingeschlossenen Kumpel zu tun. Ganz anders jedoch die Verantwortlichen für das Unglück: Der Besitzer der Gold- und Kupfermine San José in Copiapó hat sogar angekündigt, die Löhne der Bergleute nicht weiter zu zahlen. Die Forderung der Gewerkschaften, die Gehaltszahlungen für alle bisherigen Arbeiter der Mine bis zur Rettung der Eingeschlossenen zu übernehmen, lehnte die chilenische Regierung ab.

Dabei trägt sie neben dem Minenbesitzer die Hauptverantwortung: Die Mine war schon 2007 wegen mehrerer Arbeitsunfälle geschlossen worden. Ein Jahr später hatte die Aufsichtsbehörde sie wieder geöffnet. Eine gründliche Untersuchung hatte es aber nie gegeben. So sagte der frühere Vizedirektor der Aufsichtsbehörde, Exequiel Yanes, aus, man habe sich auf "den guten Willen" der Eigentümer verlassen. Nachdem es dann wieder zu einem schweren Unfall kam, bei dem ein Arbeiter durch Steinschlag sein Bein verlor, war die Mine wieder geschlossen worden. Und dann wurde sie am 28. Juli 2010 erneut durch den Beamten des Gesundheitsministeriums freigegeben, ohne dass wirklich ernsthaft Sicherheitsmaßnahmen für die Gesundheit und das Leben der Kumpel getroffen wurden.

Chile wirft ein Schlaglicht auf den weltweiten Bergbau: Während es längst technische Mittel gibt, die Arbeitsunfälle unter Tage auf ein Minimum zu reduzieren, sterben jedes Jahr immer noch tausende Kumpel oder werden schwer verletzt – für die Profitgier der Bergbau- und Energiekonzerne. Das belegen folgende erschütternde Ereignisse und Zahlen:In China kamen zwischen 1992 und 2002 offiziell 59.543 Kumpel ums Leben und in der Ukraine waren es in der selben Zeit 3.700 Todesopfer.

Chile wirft aber vor allem ein Schlaglicht auf die große Kampfmoral und Solidarität unter den Bergleuten. Es ist der große Zusammenhalt unter Tage und unter den Familien, der sich auch hier in Chile zeigt. Und der auch die Bergleute immer wieder zu großen Kämpfen befähigte, die schon manche Regierung zu Fall gebracht haben. Auch die Steinkohle-Kumpel hier stehen vor einer wichtigen existenziellen Frage, die Mut und Tatkraft erfordert. Nur ein Massenkampf kann das endgültige Aus für den Steinkohlebergbau stoppen. Mit einem solchen Kampf stünden die Bergarbeiter in Deutschland nicht allein. Die Solidarität vieler Arbeiterinnen und Arbeiter in allen anderen Branchen wären ihnen sicher und auch die Unterstützung der Kumpel in anderen Ländern.