Wirtschaft

Neue Arbeitsmarktzahlen: "Aufschwung" der Leiharbeit und Niedriglöhne

31.08.10 - Die Bundesagentur für Arbeit (BA) hat heute die offiziellen Arbeitslosenzahlen für August bekannt gegeben. 3,188 Millionen Menschen waren im zu Ende gehenden Monat arbeitslos gemeldet, rund 4.000 weniger als im Juli. Die offizielle Arbeitslosenquote blieb unverändert bei 7,6 Prozent. Gegenüber dem August des Vorjahres verringerte sich die offizielle Arbeitslosenzahl um 283.000, vor einem Jahr hatte die Quote noch bei 8,3 Prozent gelegen. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) verstieg sich angesichts dessen gar zu der Behauptung: "Unser Aufschwung ist ein Beschäftigungsaufschwung."

Tatsächlich hat die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten wieder den Stand von Oktober 2008 - also vor Beginn der Weltwirtschaftskrise - erreicht. Doch wer wird alles zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gezählt? Unter diesen Begriff fallen Leiharbeiter genauso wie befristet Beschäftigte und Teilzeitarbeitskräfte. Tatsächlich verbirgt sich hinter der Gesamtzunahme eine verstärkte Vernichtung von Vollzeitarbeitsplätzen zu Gunsten der Ausdehnung flexibler und niedrig entlohnter Jobs - also der Unterbeschäftigung.

So sind laut BA 30 Prozent der Neueingestellten Leiharbeiter. Von den im Vergleich zum Vorjahr zusätzlichen 284.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten waren 174.000 in Teilzeit und nur 109.000 in Vollzeit beschäftigt. Das geht mit einer enormen Verschärfung der Ausbeutung durch den damit verbundenen Lohnabbau, aber auch eine Erhöhung der Arbeitsintensität aufgrund der höheren Erpressbarkeit der Beschäftigten in solchen Arbeitsverhältnissen einher. Von einem "Beschäftigungsaufschwung" kann also keine Rede sein.

Genauso wenig gibt es allerdings überhaupt einen "Wirtschaftsaufschwung". Die derzeitige Belebung der Wirtschaft in Deutschland geht vor allem auf rasch steigende Exportaufträge zurück, ist deshalb auf einzelne Branchen beschränkt und steht aufgrund der wachsenden Abhängigkeit von der Wirtschaftsentwicklung anderer Länder wie insbesondere Chinas auf äußerst wackligen Beinen.

Gleichzeitig gibt es in den vom "Exportboom" am meisten profitierenden Branchen wie dem Maschinenbau oder die Chemieindustrie durchaus einen zusätzlichen Bedarf an Arbeitskräften. Das zeigt sich auch an der Zunahme der gemeldeten offenen Stellen und am Rückgang der Zahl der Kurzarbeiter um 82.000 im Juni gegenüber dem Mai (zuletzt erfasste Zahlen).

Gleichzeitig bestätigt die BA, dass sich der "Jobabbau im verarbeitenden Gewerbe" fortsetzt. Ein Vorreiter ist dabei gegenwärtig der Bergbau mit der geplanten Stilllegung aller Zechen und Vernichtung Zigtausender Arbeitsplätze. Eine Entwicklung, sie sich bei einem erneuten Krisenabschwung insgesamt rasch wieder verstärken kann.

Für die Arbeiter und Angestellten ist also keine Entwarnung angesagt. Im Gegenteil - notwendig ist der enge Zusammenschluss von Arbeitenden und Arbeitslosen im Kampf gegen Arbeitsplatzvernichtung, Erpressung der Arbeitslosen und Niedriglohnpolitik, wie sie mit Hartz IV betrieben wird. Dafür steht insbesondere die Montagsdemo-Bewegung, die gegenwärtig zu ihrer siebten bundesweiten Herbstdemonstration am 16. Oktober in Berlin mobilisiert (siehe www.bundesweite-montagsdemo.com).