Politik

Neue Studie widerlegt die Hetze von der "sozialen Hängematte" für Hartz-IV-Bezieher

30.08.10 - Eine neu veröffentlichte Studie des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarktforschung (IAB) widerlegt mit eindeutigen Fakten die reaktionäre Hetze, die Mehrheit der Hartz-IV-Betroffenen bemühe sich nicht ernsthaft um Arbeit und ruhe sich in der "sozialen Hängematte" aus. Interessanterweise wurden die Umfragen für die Studie unter 10.000 Hartz-IV-Beziehern bereits 2007 und 2008 durchgeführt. Demnach gingen von den durchschnittlich 5,24 Millionen Männern und Frauen im erwerbsfähigen Alter zwischen 15 und 64, die damals von Hartz-IV-Leistungen leben mussten, rund zwei Drittel (65,5 Prozent) 20 oder mehr Stunden pro Woche einer Tätigkeit nach.

Erfasst wurden für die Studie nicht nur die sogenannten "Aufstocker", die trotz bezahlter Arbeit Hartz IV beantragen müssen, weil ihnen der Lohn zum Leben nicht reicht. Erfasst wurden auch Teilnehmer an Fördermaßnahmen oder Weiterbildung sowie alle diejenigen, die Angehörige pflegten oder ihre Kinder erzogen und aus diesem Grund dem Arbeitsmarkt nicht oder nur eingeschränkt zur Verfügung standen. Wären dazu noch Tätigkeiten unter 20 Stunden pro Woche gerechnet worden, wäre der Anteil noch höher gewesen.

Von den damals etwa drei Millionen Hartz-IV-Empfängern, die zur Arbeitssuche verpflichtet waren, unternahmen laut IAB zwar 810.000 "keine Anstrengungen" zur Jobsuche. 350.000 davon waren aber schon älter oder krank. Andere gaben an, von den vielen Absagen entmutigt zu sein. Nur 113.400 - rund 4 Prozent - sagten, sie wollten nicht arbeiten, weil ihnen das Geld auch so zum Leben reicht.

Bei der übergroßen Mehrheit wurde dagegen eine ganz andere Einstellung zur Arbeit deutlich. So stimmten 76,4 Prozent der Aussage zu, "Arbeit zu haben ist das Wichtigste im Leben", und 80,1 Prozent sagten: "Ich würde auch dann gerne arbeiten, wenn ich das Geld nicht brauchen würde." Obwohl 42,2 Prozent der 15- bis 64-jährigen Unterhaltsempfänger wegen ihrer Tätigkeiten gesetzlich nicht zur Jobsuche verpflichtet waren, suchte auch knapp ein Fünftel von ihnen aus eigenem Antrieb nach einer Arbeit.

Allerdings wird aus der Studie zugleich deutlich, wie die Notlage der Betroffenen rücksichtslos ausgenützt wird, um sie zur Annahme von Arbeitsplätzen mit Niedriglöhnen und schlechteren Arbeitsbedingungen zu erpressen. 80,9 Prozent gaben an, dass sie bereit wären, auch unterhalb ihrer fachlichen Möglichkeiten zu arbeiten – bei regulär Beschäftigten waren dies der Umfrage zufolge nur 53,1 Prozent. 62,6 Prozent waren bereit, einen Arbeitsweg von einer Stunde oder mehr in Kauf zu nehmen – bei den regulär Beschäftigten nur 46,1 Prozent.

Berechtigt lehnt der für die Studie zuständige Bereichsleiters des IAB, Mark Trappmann, es deshalb ab, auf eine "härtere Gangart" gegen Hartz-IV-Bezieher zu drängen. Seine Schlussfolgerung, statt dessen müsse "noch individueller" auf die Situation der Hartz-IV-Bezieher eingegangen werden, ist allerdings vordergründig und lenkt vom eigentlichen Problem ab. Hartz IV wurde ja genau zu dem Zweck eingeführt, die Arbeitslosen zur Durchsetzung eines wachsenden Niedriglohnbereichs zu instrumentalisieren. Eine noch so "individuelle" Beratung ändert das nichts an der Tatsache, dass die Zahl der Hartz-IV-Bezieher inzwischen auf 6,5 Millionen angestiegen ist und Arbeitskräfte zum großen Teil nur für Billig- und Teilzeitjobs, befristete und Leiharbeitsverhältnisse gesucht werden.

Nur im gemeinsamen Kampf von Arbeitenden und Arbeitslosen kann die Schaffung neuer Arbeitsplätze - insbesondere durch eine 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich - auf Kosten der Monopolprofite durchgesetzt werden. Dafür treten unter anderem die bundesweiten Montagsdemonstrationen ein, die - wie auch heute wieder - in zahlreichen Städten ganz Deutschlands statt finden (siehe Website der bundesweiten Montagsdemo-Bewegung).