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Conti-Arbeiter in Ecuador kämpfen mit langem Atem

08.09.10 - In der Conti-Reifenfabrik Erco in Cuenca (Ecuador) streiken die Arbeiter gegen die von Conti geforderte Verlängerung der Arbeitszeit. Conti hat 2009/10 die Mehrheit an Erco übernommen. Die Kollegen haben sich durch das brutale Vorgehen der Geschäftsleitung nicht in die Knie zwingen lassen. Der internationale Dachverband der Gewerkschaften prangert schon länger die Verletzung der Gewerkschaftsrechte durch Conti an.

Bei einem Streik im Jahr 2009 kündigte das Conti-Management alle betrieblichen Gewerkschaftsvertreter. Am 1. Dezember entschied dann das Arbeitsministerium, dass die Kündigungen unzulässig waren und die vorenthaltenen Löhne nach gezahlt werden mussten. Das wurde von Conti unterlaufen. Dagegen nahmen die Arbeiter jetzt erneut den Kampf auf. Die kämpfenden Kollegen von Conti Erco in Ecuador haben an die IG Metall in Deutschland über die aktuelle Entwicklung eine E-Mail geschrieben, die wir in Auszügen wiedergeben:

"Am 19.August haben wir eine juristische Schlappe erlitten. ... Der Streik wurde nicht als rechtmäßig anerkannt. Mit dem Streik sollte Druck auf das Unternehmen ausgeübt werden. Angesichts dessen haben die Unternehmensvertreter ihre bereits gemachten Angebote zurückgeschraubt und warten nur auf das Ende des Streiks am Donnerstag, 26. August. ... Wir haben beschlossen, den Streik auf jeden Fall weiterzuführen, auch gegen die gesetzlichen Vorschriften. Andernfalls wird das Unternehmen die Gewerkschaft kaputt machen.

Glücklicherweise sind 95 Prozent unserer Kollegen kampfbereit und entschlossen, solange zu kämpfen, bis das Unternehmen den gewerkschaftlich organisierten Arbeitern das gibt, was ihnen nach den Gerichtsurteilen zusteht. Wir wissen aus zuverlässigen Quellen, dass das Unternehmen Polizei- und Ordnungskräfte angefordert hat, um das Werk zu räumen. Das zwingt uns zur politischen Intervention gegenüber der Regierung, damit diese so etwas nicht zulässt. ...

Unsere Position dazu als Gewerkschaftsvertreter auf nationaler Ebene ist: Wir sind total dagegen, auf Errungenschaften und Rechte zu verzichten. Wir haben diesen Vorschlag abgelehnt und Änderungen vorgeschlagen, um zu einem Tarifabschluss zu gelangen. ... Aber das Unternehmen hat diese nicht akzeptiert, was zu der geschilderten Situation geführt hat. Sie birgt das Risiko, dass das Unternehmen das Werk im Land schließt. ... Das einzige, was uns bleibt, ist unsere Kampfentschlossenheit und die Überzeugung, dass – wenn wir zusammenstehen – es keine Wirtschaftsmacht geben kann, die uns in die Knie zwingt. Auf bald und auf den Sieg gegen die transnationale Ausbeuterfirma."

Conti hat weltweit über 140.000 Beschäftigte und wurde mit Regierungshilfe und Staatsgeldern in die Schaeffler-Gruppe einverleibt, die heute einer der größten Reifenhersteller der Welt ist. Der Sieg gegen die größten Ausbeuter, die internationalen Monopole, die heute die Weltwirtschaft diktieren, setzt den engen Schulterschluss des internationalen Industrieproletariats voraus. Dafür steht auch das Internationale Kulturfest am 16. Oktober in Berlin. Informationen und Kartenvorverkauf unter: www.internationales-kulturfest.de.