Politik

17.000 bei Montagsdemo gegen "Stuttgart 21": "Unumkehrbar" sollte Unwort des Jahres werden

Stuttgart (Korrespondenz), 15.09.10: An die 17.000 Menschen kamen zur Montagsdemo gegen "Stuttgart 21" vor den Nordflügel des Kopfbahnhofes. Nachdem lautstark "Abriss-Stopp jetzt!" gefordert wurde, sah sich die Polizei genötigt, den provokativ weiter geführten Abriss vorübergehend einstellen zu lassen - ein wichtiger Erfolg der Demonstranten. Entschieden sprach sich der bekannte Architekt Prof. Roland Ostertag für den sofortigen Baustopp aus und beantragte, dass das Wort "unumkehrbar" zum Unwort des Jahres erklärt wird.

Als im Anschluss der Demo bekannt wurde, dass OB Wolfgang Schuster (CDU) in der nicht weit entfernten Staatsgalerie vor geladenen Gästen der Forschungsgesellschaft für Heraldik und Genealogie eine Rede halten wollte, nahmen sich mehr als 1.000 Demonstranten das Recht, ihn dort zu besuchen und ihn entsprechend lautstark zu begrüßen. Demonstranten stiegen aufs Dach der Galerie, entrollten ein Transparent ("Schluss jetzt!") und forderten: "Schuster raus!" Es kam zur Blockade seines Dienstwagens. Wieder einmal musste Schuster durch einen Hintereingang das Weite suchen. "Er ist kein OB der Bürger, sondern ein OB der Banken und Unternehmen", sagte ein Teilnehmer.

In einem Kommentar kritisierte die "Stuttgarter Zeitung" diese Aktion, weil sie "Grenzen überschritten" hätte. Anscheinend wird es bestimmten Redakteuren mulmig angesichts der Tatsache, dass sich der "S21"-Widerstand zunehmend über die von den bürgerlichen Politikern gesteckten Grenzen hinweg setzt. Die Betreiber von "Stuttgart 21" dürfen dagegen ihre Rechtfertigungen grenzenlos verbreiten. Dadurch verlieren die bürgerlichen Medien aber auch mehr und mehr ihren Nimbus von "Unabhängigkeit" und "Objektivität". Ihre manipulative Berichterstattung wird von den "S21"-Gegnern ebenfalls verstärkt ins Visier genommen.