Politik

Stuttgart: Heute Spontandemo gegen Polizeiaktion - Gestern 55.000 auf der Straße!

19.09.10 - Die Polizei hat am Sonntagmorgen ein Zeltlager von "S21"-Gegnern in Stuttgart geräumt. Demonstranten hatten mehr als hundert Zelte im Stuttgarter Schlossgarten aufgebaut und dort die Nacht verbracht. Mit dem Zeltlager protestierten sie gegen das geplante Fällen von mehr als 200 Bäumen. Die Besetzung von vier Bäumen dauert an. "Man schneidet uns einen Kopf ab und vier wachsen nach", sagte eine Sprecherin der Aktivisten. Gegen die Räumung der Zelte gab es am Vormittag eine Spontandemonstration.

Am Samstag hatten 55.000 Menschen ihren Widerstand auf die Straße getragen. Die Stuttgarter Stadtzeitung der MLPD "tatsach" erschien gestern mit einem Extra unter der Überschrift: "Der Herr-im-Haus-Standpunkt bekommt eins auf die Mütze - Wir sind das Volk!" Hier zum Download

Soeben erreicht ein Bericht aus Stuttgart die Redaktion - "rf-news" dokumentiert:

Protest gegen "Stuttgart 21": Schutz des Schlossparks im Mittelpunkt

Rund 55.000 Demonstranten waren am 18.9.2010 in den Stuttgarter Schlossgarten gekommen, um erneut gegen das Wahnsinnsprojekt "Stuttgart 21", besonders aber gegen die geplante Abholzung von rund 280 alten Bäumen in den Schlossanlagen im Oktober zu protestieren. Dabei gab es von den meisten Rednern massive Kritik an den Äußerungen von Angela Merkel zu "Stuttgart 21", zu denen es in der neuesten Ausgabe der Stadtzeitung der MLPD, der "tatsach'" heißt: "Frech wirft sie den Gegnern vor: 'Erst wollt ihr die Schiene, aber wenn es um einen neuen Bahnhof geht, seid ihr dagegen.'" 

Der Abgang des bisherigen Sprechers des Projekts "Stuttgart 21", Wolfgang Drexler (SPD), wurde von Kundgebungsrednern als Erfolg des nach wie vor anwachsenden Protests angesehen. Die meisten Redner orientierten darüber hinaus auf den dringend notwendigen Schutz des Schlossparks gegen seine geplante Zerstörung. Allerdings weckte ein Vertreter des "Verkehrsclubs Deutschlands" (VCD) auch Hoffnungen in eine eventuelle Abwahl der bisherigen Landesregierung im nächsten Frühjahr als wesentliches Ziel des Widerstands gegen S21. Dieser Gedanke der "Abwahl von S21" bei den nächsten Landtagswahlen hat noch etliche Anhänger. Ein Vertreter der "Baumschützer" wies auf die Zeltstadt im Schlosspark hin, die schon während der Kundgebung entstand.

Reichlich Gesprächsstoff für mich als "tatsach'"-Verteiler! Einerseits fand die Idee von offenen Mikrofonen als Organe des lebendigen Meinungsaustauschs unter den Gegnern von S21 großen Anklang, andererseits fanden verschiedene Gesprächspartner auch die Gründung eines Aktionsrat für richtig. Dazu schlagen wir eine Konferenz vor, "... die auch den Grundstein legen soll für einen demokratisch gewählten Aktionsrat", wie es in der "tatsach'" heißt.