Politik

Im Kampfanzug gegen "Schwabenstreiche"?

Esslingen (Korrespondenz), 16.09.10: Es sprießen die "Schwabenstreiche" hier regelrecht aus dem Boden. Im Kreis Esslingen gibt es bereits mehrere.

In Kirchheim und Nürtingen, zwei Städten mit je ca. 40.000 Einwohnern, wird diese Woche begonnen. In Esslingen gibt's die Initiative bereits seit etwas mehr als vier Wochen. Dienstags und Donnerstags wird um 19 Uhr für eine Minute am Bahnhof laut gelärmt, nach dem Beispiel der kochtopfschlagenden Aufständigen des "Argentinazo" in Argentinien von 2001. Das wiederum hat die Esslinger Verwaltung auf den Plan gerufen, die ihre bürokratische Kleinkariertheit nun durch ein "Vuvuzela-Verbot" und die Beschränkung des Lärmpegels auf 60db(A) unterstreicht. Bei den ersten Malen ließen sie auch Polizei in Kampfanzügen antreten. Das wurde ohne Hinweis dann als Lächerlichkeit begriffen, nachdem die Schar von ca 50 Lärmern keine Anstalten machen wollte, die Straßenkreuzung vor dem Bahnhof zu besetzen. Seitdem hält die Polizei sich dezenter zurück. Ein Stadtrat der Grünen hat inzwischen in einem Brief gebeten, das Ordnungsamt Esslingen nicht weiter dem Spott preiszugeben.
In der inzwischen gegründeten "Esslinger Initiative gegen Stuttgart21" werden Schritte diskutiert, diese Angriffe auf die Demonstrations- und Versammlungsfreiheit in Esslingen zu Fall zu bringen. Erschrocken ist die Initiative über die hohen Kosten für Infotische und es erfüllen sich die Worte Rosa Luxemburgs: "Nur wer sich bewegt, spürt seine Fesseln". Die Hoffnung, es gelingt nun, neue Kräfte zu gewinnen gegen Angriffe auf unsere demokratischen Rechte und Freiheiten, ist bestimmt nicht abwegig.