Betrieb und Gewerkschaft

Stahl: Verhandlungsergebnis wird kritisch beraten

Duisburg (Korrespondenz), 02.10.10: Gestern wurde das Verhandlungsergebnis von 3,6 Prozent Lohnerhöhung, 150 Euro für September, 40 Euro mehr Ausbildungsvergütung und ein Tarifvertrag zur gleichen Bezahlung von Leiharbeitern von 90 Vertrauensleuten auf einer Vollversammlung von ThyssenKrupp Steel Europe in Duisburg diskutiert. Als wichtigen politischen Erfolg wurde der Tarifvertrag zur Leiharbeit begrüßt und dass damit ein Pflock im Kampf gegen Lohndumping durch Leiharbeit gesetzt wurde.

Für viele kam das Verhandlungsergebnis überraschend und die wenigsten hätten so schnell damit gerechnet. In den Betrieben sind die ersten Reaktionen auf das Ergebnis positiv. Auch die 3,6 Prozent liegen eher über den Erwartungen. Dass es jetzt so schnell ging, bewerten viele Kollegen damit, dass die Stahlkonzerne unbedingt Ruhe haben wollten und wir hier mehr durchsetzen können. Das Ergebnis wurde als Zugeständnis an die Kampfbereitschaft der Stahlarbeiter gewertet. 

Eine wichtige Kritik gab es von Vertrauensleuten, dass mit dem Motto "Mehr ist fair, vom Profit profitieren!" Illusionen verbreitet werden und die Arbeiter die Ausbeutung und damit den Kapitalismus akzeptieren sollen. Doch gerade der Kapitalismus und seine Profitgier wird von den Kollegen immer mehr kritisiert. Die Gewerkschaftsführung warnte sogar davor, die Tarifrunde mit der Politik zu verbinden und vertröstete auf die Aktionen im November gegen die Regierungspläne und die Rente mit 67. Notwendig ist, dass zahlreiche Stahlarbeiter am 16. Oktober zur Großdemo nach Berlin gehen und sich natürlich auch aktiv beteiligen an den Herbstaktionen des DGB. Dabei ist es auch wichtig, die Frage auszutragen, welchen Weg die Gewerkschaften gehen. 

Das Ergebnis wird jetzt weiter in den Betrieben diskutiert, am Mittwoch spricht die nächste Vollversammlung der Vertrauensleute von TKSE Duisburg eine Empfehlung aus und am Donnerstag entscheidet die große Tarifkommission über die Annahme oder Ablehnung des Verhandlungsergebnisses.