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Junge argentinische Literatur begeistert auf der Frankfurter Buchmesse

10.10.10 - Am heutigen Sonntag endet die 62. Frankfurter Buchmesse. Offenbar sind die Besucherzahlen leicht gesunken, dennoch bleibt die Frankfurter Messe mit annähernd 300.000 Besucherinnen und Besuchern die weltgrößte Leistungsschau rund um das gedruckte und elektronische Buch. Zum Abschluss wurde der israelische Schriftsteller David Grossmann mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geehrt. Grossmann ist nicht gerade ein Unterstützer des palästinensischen Befreiungskampfs, aber er setzt sich ehrlich für eine Zwei-Staaten-Lösung ein, die diesen Namen verdient. Im August 2006 hatte er gemeinsam mit seinen Schriftstellerkollegen Abraham B. Jehoshua und Amos Oz vom israelischen Regierungschef  ein sofortiges Ende der israelischen Aggression im Libanon gefordert. Wenige Tage später starb sein Sohn in diesem Krieg.

Für das literarische Argentinien hat sich der Auftritt als Gastland der Frankfurter Buchmesse voll gelohnt. Mithilfe des staatlichen Übersetzungsprogramms "Sur" waren in den letzten Jahren die Werke von 130 Schriftstellern in mehr als fünfzig Länder gebracht worden. In der deutschen Berichterstattung fand die junge argentinische Literatur ein starkes Echo. Mehr als fünftausend Artikel in den Printmedien sowie gut achthundert Radio- und Fernsehbeiträge waren der argentinischen Kultur, den Autoren und ihrem Buchmarkt gewidmet. Interessant ist, dass sich sehr viele dieser jungen Autoren den sozialen Verhältnissen Argentiniens und politischen Themen widmen. Dazu gehört u.a. auch der fortschrittliche Krimi-Schrifsteller Ernesto Mallo, dessen Comisario Lascano seinen ersten Fall während der argentinischen Militärdiktatur zu lösen hat.

Renate Mast, Leiterin des Verlags Neuer Weg, berichtete für "rf-news" am Samstag life vom Stand des Verlags bei der Frankfurter Buchmesse (Halle 3 A 141): "Anziehungspunkt unseres Stands ist natürlich der vom Verlag vor kurzem neu herausgegebene Roman 'Das Gold von Maniema' von Jean Ziegler. Die meisten Messe-Besucher kennen die Sachbücher des Soziologen und Schriftstellers, darunter 'Wie sich die armen Völker gegen den wirtschaftlichen Weltkrieg wehren'. Man schätzt Jean Ziegler hier - als einen Kritiker der kapitalistischen Verhältnisse, der sich von niemandem den Mund verbieten lässt. 'Das Gold von Maniema' ist Zieglers einziger Roman, zuerst 1996 erschienen, jetzt vom VNW neu herausgegeben – eine vielbeachtete Neuerscheinung. Der Roman spielt in Kongo und handelt über die Erhebung des Volks gegen die reaktionären Söldnertruppen und Machthaber unmittelbar nach der Ermordung von Patrice Lumumba. Jean Ziegler war selbst Anfang der 1960er als UNO-Beamter im Kongo und erlebte die Auflehnung der Bergarbeiter hautnah mit, das merkt man dem Roman an.

Dass 2 Euro von jedem verkauften Buch an die SI-Kongosolidarität  für das Ngenyi-Volksbildungszentrum gehen, erweckt bei vielen Messe-Besuchern einen sehr positiven Eindruck. Bei der Lesung aus dem Buch, die wir am Freitag in Frankfurt veranstaltet haben, wurde der Roman anhand seiner wichtigsten Protagonisten vorgestellt.

'Stuttgart21' und der mutige Widerstand der Bevölkerung gegen das Projekt der Monopole sind immer wieder Gesprächsgegenstand. Der Aufschwungspropaganda der Regierung wird nicht viel Vertrauen entgegen gebracht. 'Der nächste Crash kommt bestimmt' - denken und sagen viele. Mit unseren Veröffentlichungen 'Götterdämmerung über der 'neuen Weltordnung'' und 'Bürgerliche politische Ökonomie vor dem Scherbenhaufen' haben wir gute Argumente. Naturgemäß ist man da in den Diskussionen schnell bei der Frage, wie es weitergehen kann, ob der echte Sozialismus eine Chance hat. Unsere frauenpolitischen Titel, voran die Streitschrift 'Neue Perspektiven für die Befreiung der Frau' werden ebenfalls stark nachgefragt. Eine Bibliotheksleiterin kam vorbei und notierte sich sämtliche frauenpolitischen Titel und zeigte sich - wie viele andere auch - sehr interessiert an der Weltfrauenkonferenz der Basisfrauen nächstes Frühjahr in Venezuela.

Natürlich laden wir zum Internationalen Kulturfest nächste Woche in Berlin ein. Dass so viele verschiedene revolutionäre Kräfte das zusammen auf die Beine stellen, macht Eindruck; vielfach herrscht ja die Meinung, die Linken seien heillos zerstritten. Das gibt Hoffnung, sagen viele."

Mehr zum Roman von Jean Ziegler auf der Webseite des VNW

Internationales Kulturfest am 16. Oktober in Berlin