Umwelt

Ein Durchbruch beim Schutz der Artenvielfalt?

Ein Durchbruch beim Schutz der Artenvielfalt?

30.10.10 - In der vergangenen Nacht ging die UN-Artenschutzkonferenz in Nagoya/Japan zu Ende. Vertreter aus 193 Staaten hatten fast zwei Wochen lang darüber verhandelt, wie der Verlust der weltweiten Artenvielfalt bis zum Jahr 2010 gestoppt werden kann. Ausgehandelt wurden unter anderem ein "Strategischer Plan" zum Schutz der Artenvielfalt bis zum Jahr 2020 und ein Vertrag gegen Biopiraterie. Von verschiedenen Seiten wird das Ergebnis von Nagoya gelobt als ein "Durchbruch" für den Umweltschutz. Daran gibt es berechtigte Zweifel.

"Es steht ... zu befürchten, dass das Nagoya-Protokoll ein ähnlicher Papiertiger bleibt wie sein Vorgänger, der 1992 auf dem Gipfel von Rio de Janeiro vereinbart wurde. Das damalige Ziel, das globale Artensterben bis 2010 einzudämmen, verfehlte die Weltgemeinschaft völlig", schreibt z.B. "wissenschaft-online" am 29. Oktober. Tatsächlich ging das Artensterben seither ungebremst weiter.

Eine UN-Studie kommt zu dem Ergebnis, dass sich die jährlichen Schäden, die durch das Überfischen der Meere, die Überdüngung von Böden und Abholzung von Wäldern verursacht werden, auf bis zu 6,6 Billionen Dollar jährlich belaufen - das entspricht elf Prozent des weltweiten Bruttosozialprodukts! Hinter diesem Raubbau steckt überwiegend das Profitinteresse internationaler Übermonopole!

Jetzt wurde beschlossen, dass in den nächsten zehn Jahren weltweit ca. 17 Prozent der Landfläche und 10 Prozent der Meeresfläche unter Schutz gestellt werden sollen - allerdings nicht, wie die einzelnen Staaten dazu beitragen müssen. Die Frage der Finanzierung wurde auf den nächsten Gipfel in zwei Jahren verschoben, nachdem vor allem die EU sich geweigert hat, sich konkret festzulegen. Brasilien z.B. hat dafür die Festlegung auf 200 Milliarden Dollar jährlich gefordert, Bundeskanzlerin Merkel hatte auf der Artenschutzkonferenz in Bonn 2008 dafür ganze 500 Millionen jährlich versprochen - dazwischen liegen Welten. Die USA übrigens gehörten von Anfang an nicht zu den Unterzeichnern der Artenvielfaltskonvention, sind also nicht beteiligt.

Die zweite große Auseinandersetzung bezog sich auf die sogenannte "Biopiraterie". Gemeint ist damit, dass internationale Monopole z.B. der Pharmaindustrie sich der genetischen Ressourcen aus neokolonial abhängigen Ländern bemächtigen, ohne dafür die Erlaubnis zu haben oder zu bezahlen. Es geht dabei um hunderte Milliarden Dollar. Die Entwicklungsländer fordern zu Recht seit langem eine Ende dieser Raubmethoden.

Vereinbart wurde jetzt mit dem "ABS-Protokoll" ("Access an Benefit Sharing"), dass die Gewinne künftig "gerecht" zwischen den Ursprungsländern und den Nutzern geteilt würden. Dies könne auch dadurch geschehen, dass in den Herkunftsländern durch internationale Übermonopole Produktionsfirmen aufgebaut würden - im Klartext: zum Raub der Ressourcen kommt noch die Ausbeutung der einheimischen Bevölkerung in solchen Betrieben. Abgelehnt wurde von den imperialistischen Ländern die Forderung, dass sie rückwirkend für die Biopiraterie bezahlen sollten. 

Alles in allem gab es also bei dieser Konferenz bestimmte Zugeständnisse der Imperialisten an die völlig berechtigten Forderungen der neokolonial abhängigen Länder - aber eine "Gerechtigkeit" zwischen ihnen wurde nicht hergestellt, das ist auch unmöglich zwischen Ausbeutern und Ausgebeuteten. Im Grunde bleiben die meisten Vereinbarungen schwammig, die ganze Finanzierungsfrage ist offen geblieben. So wird sich die Nagoya-Konferenz voraussichtlich in einiger Zeit einordnen lassen in die Reihe der Gipfel-Papiertiger. Der Kampf gegen die Umweltkatastrophe kann erfolgreich nur geführt werden in einer breiten, internationalen Widerstandsfront, die die Rettung der Umwelt vor der Profitgier des allein herrschenden internationalen Finanzkapitals durchsetzt.

Als Literatur empfehlen wir:

* Ist die Erde noch zu retten? (Autorenkollektiv Verlag Neuer Weg)

* Rettet die Umwelt vor der Profitgier! Die umweltpolitische Linie der MLPD