Umwelt

200.000 Menschen von Hochwasserkatastrophe in Australien betroffen - Folgen noch nicht absehbar

03.01.11 - Die Überschwemmungen in der australischen Region Queensland nehmen immer verheerendere Ausmaße an. Das Überschwemmungsgebiet ist bereits so groß wie Frankreich und Deutschland zusammen, dabei ist der Wasserhöchststand noch nicht erreicht und der Wetterdienst kündigte weitere Gewitter und Regen an. Mindestens drei Menschen starben bisher in den Fluten, Zehntausende mussten evakuiert werden oder sind selbst vor dem Hochwasser geflüchtet. Über 200.000 Menschen sind von der Katastrophe betroffen.

Ausgelöst wurde die Umweltkatastrophe durch die tagelange heftige Regenfälle über Weihnachten. Ihnen voraus ging eine außergewöhnliche Dürre, deren Folgen jetzt auch das Abfließen des Wassers erschweren. Das ist Teil sprunghafter Veränderungen des regionalen Klimas in Folge des beschleunigten Umschlags in eine globale Umweltkatastrophe. So fiel der Frühling in diesem Jahr in ganz Australien so feucht aus wie nie zuvor seit Aufzeichnung der Daten. Viele Bauern haben dadurch ihre gesamte Ernte verloren.

Zu den unmittelbaren Folgen des Unwetters kommen jetzt die Folgen einer damit einher gehenden Verseuchung durch Gifte, Keime und Ungeziefer. Denn es werden nicht nur Häuser überflutet, sondern auch Tankstellen, Industrie- und Handwerksbetriebe. Das Wasser nimmt dort Chemikalien, Öle usw. auf. Durch die Überflutung der Kanalisation vermischt es sich mit ungeklärtem Abwasser. Rinder und Schafe ertranken in den Fluten. Dadurch besteht eine akute Krankheits- und Seuchengefahr. Außerdem bietet die gigantische Wasserfläche einen idealen Brutplatz für Moskitos und andere Insekten. Gewarnt wird auch vor einer Schlangenplage.

Wegen des Hochwassers mussten mehrere Bergwerke geschlossen werden und sind für die nächsten Monate nicht mehr zugänglich. Die Fluten unterbrachen die für den Bergbau wichtigen Bahnverbindungen, mit denen die Rohstoffe zur Verschiffung an die Küste geschafft werden. Rund 50 Prozent des weltweiten Kokskohleexports stammen aus Qeensland. Die Steinkohle wird dort im Tagebau gefördert und die Folgen, die die Überflutung der Tagebau-Betriebe hat, sind noch gar nicht abzusehen. Die wirtschaftlichen Schäden werden in die Milliarden gehen.

Auf der anderen Seiten Australiens wurde jetzt wegen einer Zyklonwarnung die Ölproduktion ausgesetzt. Schon jetzt steigen die Rohstoffpreise, nicht nur für Kohle, sondern auch für Weizen und Zucker (Australien ist der weltweit viertgrößte Exporteur von Weizen), was durch die damit einher gehende Spekulation noch verschärft werden wird.

Die Hochwasserkatastrophe in Australien zeigt deutlich, dass von einer Abschwächung des Übergangs in die globale Umweltkatastrophe keine Rede sein kann. Solche Thesen haben aufgrund des zeitweise kalten und schneereichen Winters in Europa zur Zeit wieder Hochkonjunktur. Dabei steht auch dieser keineswegs im Gegensatz zur beschleunigten Klimakatastrophe. Weil die Ozeane wärmer sind als früher, enthält die vom Westen eingeführte Luft mehr Feuchtigkeit und Wärme als früher. Aufgrund der zunehmenden Eisschmelze im Nordpolgebiet strömt verstärkt Polarluft nach Süden (siehe "rf-news" vom 2.12.), mit dem Ergebnis, dass sich die warme Luft rasch abkühlt und die Niederschläge als Schnee zu Boden fallen.

Zu den Schlussfolgerungen aus dieser Entwicklung führt der Vorsitzende der MLPD, Stefan Engel, in seinem Interview mit der "Roten Fahne" vom 21.12.10: "Wir sehen wichtige Ansätze einer neu ent­stehenden Umweltbewegung, die eine wachsende Politi­sie­rung und Systemkritik be­inhaltet. Zugleich ist das noch lange nicht die internationale Widerstandsfront, die notwen­dig ist, um in dieser dramatischen Situation wirklich eine Wende zu erzwingen. Auf der heutigen Stufe des Kapitalis­mus, der Neuorganisation der internationalen Produktion, hat sich die Zerstörung der Umwelt von einer Begleit­erscheinung zu einer neuen gesetzmäßigen Erscheinung des Imperialismus gewandelt. Das heißt, dass heute die Zerstörung der Umwelt untrennbar mit der gesamten kapitalistischen Produktions- und Verteilungsweise durchdrungen ist. Dieses Problem kann nur gelöst werden, wenn der Imperialismus beseitigt und durch den Sozialismus ersetzt wird." (hier das gesamte Interview)