Umwelt

Dioxin im Tierfutter - die internationalen Agrarmonopole sind verantwortlich

04.01.11 - Der Dioxin-Giftskandal in Tierfutter, Geflügel- und Schweinemastbetrieben nimmt immer größere Ausmaße an, nachdem vor Weihnachten in Eiern Dioxinwerte festgestellt wurden, die deutlich über den in der EU "zugelassenen" 3 Pikogramm (billionstel Gramm) pro Gramm Fett liegen. Alleine in Nordrhein-Westfalen sind über 120.000 belastete Eier in den Handel geraten und inzwischen verkauft. In Thüringen wurde bekannt, dass eine Schweinezuchtanlage 52 Tonnen belastetes Futter von einem Werk aus Sachsen-Anhalt bekommen und komplett verfüttert hat. Die damit versorgten Ferkel seien bereits verkauft, teilte das Agrarministerium in Erfurt mit. Wohin, sei unbekannt.

Dioxine zählen zu den stärksten nicht radioaktiven Giften, der Mensch nimmt sie zu 95 Prozent über die Nahrung auf. Dioxine reichern sich beim Menschen im Körperfett, der Leber und im Hautgewebe an, und sind krebserregend, Sie führen zu Störungen des Immunsystems, der Nervenleitungen (lösen Depressionen aus), des Hormonhaushalts und der Enzymsysteme. Sie werden auch über die Muttermilch beim Stillen an den Säugling weiter gegeben. Das Dioxin gelangte in das Futtermittel, weil hier überwiegend keine Naturprodukte, sondern in der Agrarchemie erzeugte Stoffe dem Futter für Geflügel, Schweine und anderer Masttiere zugesetzt werden.

Im akuten Fall hat der Schleswig-holsteinische Futtermittelhersteller Harles & Jentzsch dem Tierfutter Mischfettsäuren zugesetzt, die stark mit Dioxin belastet sind. Die mit Dioxin verseuchte Fettsäure stammte von einer Biodiesel-Anlage der Petrotec AG im niedersächsischen Emden. Petrotec stellt Biodiesel aus Altspeisefetten her. Bei der Herstellung von Biodiesel aus Palm-, Soja- und Rapsöl entsteht eine pflanzliche Mischfettsäure. Diese hat Harles & Jentzsch dem Futter zugesetzt. Nach Angaben des deutschen Amts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit ist diese Mischfettsäure für die technische Industrie, etwa für die Herstellung von Schmiermitteln, geeignet. Allein im akuten Fall waren jedoch insgesamt 527 Tonnen in Tierfutter gelangt.  

Inzwischen wurden über Tausend Mastbetriebe unter anderem in Niedersachsen, NRW, Sachsen, Brandenburg und Thüringen geschlossen. Das Bundeslandwirtschaftsministerium spielt die Katastrophe herunter und erklärt: "Entscheidend ist, dass verunreinigtes Futter sichergestellt wird und belastete Produkte nicht in den Handel gelangen." Sofort wird Spurenverwischung betrieben und auf "menschliches Versagen" spekuliert, es sei unerklärlich, wie Dioxin in die Mischfettsäure gelangt sei, da bei der Herstellung von Biodiesel kein Dioxin gebildet werden könne. Aber warum werden überhaupt Abfallprodukte aus der Spritproduktion an Tiere verfüttert? Die großindustrielle Tiermast der internationalen Agrarmonopole ist Auslöser immer neuer Skandale und Katastrophen.

Aus Profitgründen werden Rinder, Schweine, Hühner und Puten in der Intensivtierhaltung in dunklen Ställen zusammengepfercht. Degradiert zu Produktionseinheiten werden die Tiere durch betäubungsloses Kastrieren, Amputationen der Schwänze oder Kürzen der Schnäbel an die jeweiligen Haltungseinrichtungen angepasst. In Deutschland werden allein 50 Millionen Legehennen in Großbetrieben mit über 100.000 Tieren gehalten. Ein Huhn lebt ca. ein Jahr, legt in dieser Zeit 250 bis 300 Eier und wird anschließend als Suppenhuhn verkauft.

Haltungsbedingte Krankheiten und Verletzungen sind an der Tagesordnung und verursachen einen hohen Medikamenteneinsatz, unter anderem mit Antibiotika. Durch die Massentierhaltung wird die Ausbreitung von Tierseuchen wie Schweinepest, Maul- und Klauenseuche oder Vogelgrippe begünstigt. Aus Proftgründen werden alle möglichen Abfallstoffe an die Millionen Tiere verfüttert. Die Ursache des Giftskandals liegt im Diktat der Agrarmonopole über die Nutztierhaltung. Sie müssen zur Verantwortung gezogen und der Skandal muss vollständig aufgeklärt werden.