International

Hungerunruhen in Tunesien und Algerien

12.01.11 - Über 70 Tote, erschossen von Polizei und Militär, Hunderte verletzt von Tränengas und Schüssen in den Krankenhäusern. Tunesiens Diktator Ben Ali will die Hungerproteste der Bevölkerung seines Landes in Blut ersticken. Es begann mit der Selbstverbrennung eines Hochschulabsolventen Mitte Dezember. Die Polizei hatte ihm den Obststand, von dem er lebte, konfisziert.

Solidaritäts- und Protestkundgebungen breiteten sich nun von Stadt zu Stadt aus, erreichten auch die Hauptstadt Tunis, wurden unterstützt selbst von den offiziellen Gewerkschaften, von der Masse der Bevölkerung. Ihre Hauptlosungen sind "Schluss mit der Unterdrückung! Freiheit!" und "Verteilt den Wohlstand!"

In Algerien sind die Revolten bisher auf die Hauptstadt konzentriert. Auch hier gibt es Hunderte Verletzte und fünf Tote.  Drei von vier der 34 Millionen Einwohner sind unter 30 Jahre alt. Von diesen sind 25 Prozent arbeitslos. Die algerische Regierung hat nun aus Angst vor landesweiten Unruhen die ausgesprochenen Preiserhöhungen für Zucker und Öl zeitweilig zurückgenommen.

In beiden Ländern entladen sich Empörung über Hunger, über  Arbeitslosigkeit und fehlende Zukunftsperspektive für die Jugend, als auch der aufgestaute Hass gegen die diktatorischen Regimes. Führende Regierungsvertreter der USA und EU, insbesondere die französische Regierung, die wirtschaftlich eng mit den Maghreb-Staaten verbunden ist, befürchten ein Überspringen der Revolten auf Libyen, Mauretanien und Marokko. Die Hungerunruhen sind die ersten Vorboten einer möglichen Welle von Revolten, die noch weit mehr Länder umfassen könnte. Schon wird von  Hunderten von Millionen Hungernden in Indien gesprochen, trotz dem dort aktuellen wirtschaftlichen Aufschwung. 

Der Hintergrund sind weltweit explodierende Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise. Der Weizenpreis stieg allein seit Juli 2010 um 60 Prozent, der Preis für Soja seit 2010 um 30 Prozent, der für Zucker um 77 und für Öl um 20 Prozent. Und es wird mit weiter steigenden Preisen gerechnet. Das hat drei wesentliche Ursachen: 

Erstens: Der bereits eingeleitete Übergang in die weltweite Klimakatastrophe wirkt sich in der Vernichtung ganzer Ernten aus. So jetzt mit der Überschwemmung großer Teile Australiens. In Russland haben im Sommer die Riesenbrände einen Teil der Ernte vernichtet. In Argentinien war es die ungeheure Dürre. 

Zweitens: Auch die Zweckentfremdung von Agrarland für die Brennstoff-Herstellung bedeutet Nahrungsmittelverknappung und zudem langfristig Verödung weiter Gegenden durch einseitige Bewirtschaftung bei gleichzeitiger Verschärfung der Faktoren für die Klimakatastrophe, weil diese  Brennstoffe ebenfalls verbrannt werden.

Drittens: Das internationale Finanz- und Agrarkapital nutzt die Nahrungsmittelverknappung zur verstärkten Spekulation und Preistreiberei aus. Auch in Deutschland beginnen die Preise für Grundnahrungsmittel wieder stark anzusteigen. 

Diese Ursachen zeigen die ungeheure Verkommenheit des imperialistischen Weltsystems, das Lebensmittelknappheit und Notlagen rücksichtslos für seine Profitmacherei ausnützt. Die Hungerrevolten werfen ein Schlaglicht auf die Destabilisierung des imperialistischen Weltsystems. Umso mehr unterstreichen sie auch die Notwendigkeit der gegenseitigen Koordinierung und Revolutionierung der Kämpfe und Unterstützung im marxistisch-leninistischen Parteiaufbau weltweit.