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Opel-Chef Nick Reilly droht den Bochumer Opelanern

14.01.11 - Von der Automesse in Detroit ließ der Opel-Vorstandsvorsitzende Nick Reilly gegenüber der Belegschaft von Opel Bochum in einem Interview vorgestern verlauten: "Wir haben ihnen Abfindungen angeboten. Wenn diese Pakete nicht angenommen werden, geht die Sache vor die Arbeitsgerichte." Das ist erstens ein Eingeständnis, dass die Opel-Belegschaft erfolgreich Widerstand gegen die Arbeitsplatzvernichtung über Abfindungen leistet und zweitens eine unverschämte Drohung. Wenn Reilly zur Durchsetzung der Arbeitsplatzvernichtung in Bochum (er spricht davon, dass dort die Kapazität um nahezu die Hälfte reduziert werden soll) bereit ist, vor die Arbeitsgerichte zu ziehen, ist das nichts anderes als die verklausulierte Drohung mit betriebsbedingten Kündigungen, also mit Massenentlassungen.

Das wäre eine neue Qualität der Angriffe des Opel-Vorstands, der seit dem selbständigen Streik im Oktober 2004 sehr darauf aus war, die Widersprüche zu dämpfen. Nachgeschoben wurde von Reilly auf die Frage, ob es die Werke Bochum und Eisenach in fünf oder zehn Jahren noch geben werde, die Bemerkung: "Es gibt keine Garantie!"

Die Opelaner konnten in Bochum erreichen, dass sich bisher nur wenige Kollegen mit Abfindungen aus dem Werk drängen lassen - was immer auch vernichtete Arbeitsplätze bedeutet, die der Jugend fehlen. Reilly hat das Problem, dass sich derzeit auch im Opel-Werk Rüsselsheim der Widerstand organisiert. Über eine kämpferische Aktion am 10.Januar informierte die Kollegenzeitung "Der Blitz" in einer Extra-Ausgabe vom 11. Januar die Belegschaften aller Werke:

"Die Auszubildenden waren geschlossen von der Lehrwerkstatt zur Versammlungshalle gezogen. Sie traten während der Rede ihres JAV-Vorsitzenden einheitlich auf und machten auf Schildern auf ihre Situation aufmerksam. Sie meldeten ihren Anspruch auf eine Zukunft an. Uneingeschränkte Unterstützung bekamen die jüngsten Belegschaftsmitglieder von den Kolegen aus der Produktion. Aus den Produktionsabteilungen kam ein Demonstrationszug mit Transparenten, Schildern (viele mit 'Es reicht!'), Trommeln und Sirene in die Versammlungshalle. Am Mikrofon forderten sie in einer von mehreren Kollegen gemeinsam vorgetragenen Rede:

  • Sofortiger Auftaktstop! Nachdem monatelang die Arbeitshetze auf bis derzeit 60 Autos pro Stunde gesteigert wurde.
  • Sofortige Übernahme aller Azubis! 
  • Sofortige Einstellung der Leiharbeiter!"

In Bochum sind aktuell unbefristete Zwangsversetzungen von Opel-Kollegen nach Rüsselheim vom Tisch. Allerdings stimmte die Betriebsratsmehrheit statt dessen auf drei Monate befristeten Zwangsversetzungen zu. So ist in einem Betriebsrats-Info von "temporären Einsätzen" die Rede, die auch angeordnet werden können, wenn "nicht ausreichend freiwillige Meldungen vorliegen". Auch wenn der Vorstand in der Durchführung eine Reihe von Zugeständnissen macht (so die Übernahme aller Fahrt- und Unterbringungskosten sowie sonstigen Spesen, ein "Rückkehrrecht" in den früheren Bereich usw.), ist das nicht zu akzeptieren.

Den gemeinsamen Kampf aller Opel-Belegschaften weiter vorzubereiten und zu organisieren, ist die richtige Antwort auf die Drohung von Nick Reilly. Allerdings nicht auf der Basis einer Politik der Klassenzusammenarbeit mit dem Ziel, die "Marke Opel" zu retten, wie es der Betriebsratsvorsitzende Rainer Einenkel vertritt. Er lässt sich im genannten Betriebsrats-Info sogar zu der Bemerkung hinreißen, die Forderung nach Festeinstellung der Leiharbeiter in Rüsselsheim sei falsch, weil sie sich gegen die Bochumer Opelaner richten würde. Damit schürt er einen Widerspruch Bochum gegen Rüsselsheim, statt die Spaltung zwischen "Stammbelegschaft" und Leiharbeitern in allen Werken zu überwinden.

Unter Kollegen in Bochum kursiert ein Sticker mit der Aufschrift: "Astra und Wir bleiben! Kein Psychoterror!" Auf einem anderen heißt es ebenfalls: "Wir bleiben!" - darunter ist das Wort "Zwangsversetzungen" mit einem dicken Balken durchgestrichen. Es ist völlig richtig, für die Übernahme der Auszubildenden und um jeden Arbeitsplatz zu kämpfen. Durch die Verbindung mit der Forderung nach der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich als Konzernvereinbarung erhält dies eine wichtige offensive Stoßrichtung. Mit Spannung erwartet werden auch die Ergebnisse des heutigen Prozesses von Sara Beisenkamp gegen Opel (siehe "rf-news"-Bericht vom 28.12.). "rf-news" wird darüber berichten.