Wirtschaft

Portugal: Eurokrise verschärft sich weiter

Bochum (Korrespondenz), 10.01.11: Die Krise um den Euro bleibt akut und droht, sich erneut zu verschärfen. Am Mittwoch will die Regierung Portugals neue Staatskredite aufnehmen. Ungefähr für eine Milliarde Euro sollen neue Staatsschuldpapiere verkauft werden.

Was macht die Spekulation an den Finanzmärkten? Sie treibt den Zins für zehnjährige Staatskredite innerhalb eines Tages um einen halben Prozentpunkt auf über 7 Prozent, fast so hoch wie bei der Euro-Krise um die irischen Staatsschulden.

Ein halber Prozentpunkt - klingt wenig. Bei einer Milliarde Euro macht das 5 Millionen Euro aus. Und ein Zins von 7 Prozent bedeutet, dass die portugiesische Gesellschaft nach zehn Jahren das Doppelte, also 2 Milliarden Euro, zurückzahlen muss. Diese eine Milliarde Euro Zinsen fließen direkt aus der Arbeit der portugiesischen Werktätigen in die Taschen der internationalen Spekulanten. Der Anteil der Staatsschulden Portugals am Bruttoinlandsprodukt beträgt bereit 83 Prozent. Und die Staatsschulden sollen immer stärker steigen.

Die Großbanken wie die Deutsche Bank erwarten und fordern, dass Portugal Zahlungen aus dem so genannten Euro-Rettungsschirm beansprucht. Solche Zahlungen sind wie bei Irland mit vielen Auflagen verbunden. Diese Auflagen verschaffen den geldgebenden Großbanken aus Deutschland und Frankreich häufig noch mehr Einfluss und Vorteile gegenüber den portugiesischen und internationalen Konkurrenten. Der Zins solcher Kredite aus dem Rettungsschirm lag bei Irland bei 5,6 Prozent, gerade so hoch, dass die irische Gesellschaft wie eine Zitrone ausgepresst wird ohne finanziell zusammenzubrechen.

Also: Euro-Krise = noch höhere Zinsgewinne für die Spekulanten, noch mehr Macht und Einfluss für "rettende"Großbanken!

Angela Merkel ging in ihrer Neujahrsansprache auf die Euro-Krise ein:
"Europa steht in diesen Monaten inmitten einer großen Bewährungsprobe. Wir müssen den Euro stärken. Dabei geht es nicht allein um unser Geld. Der Euro ist ja weit mehr als eine Währung ... Der Euro ist die Grundlage unseres Wohlstandes."

Was passiert hier? "Wir" müssen den Euro stärken, "unser Geld", "unseren Wohlstand" - natürlich, die riesigen Zinsgewinne müssen ja erarbeitet werden von Millionen von Werktätigen, damit sich die internationale Spekulation und die Großbanken diese Zinsgewinne auch aneignen, darüber verfügen können. So funktioniert Kapitalismus und die Politiker des Kapitalismus stellen das Profit- und Machtinteresse als in unserem Interesse liegend dar. Durchschauen wir diese Manöver!