Jugend

Skandalurteil von Hamm - Auseinandersetzung um frühere Opel-Jugendvertreterin geht in nächste Runde

19.01.11 - Annegret Gärtner Leymann, Betriebsrätin bei Opel Bochum, teilt zum Ergebnis der Verhandlung über den Fall der früheren Jugendvertreterin Sara Willner (ehem. Beisenkamp) mit:

Nach einer erneuten Verhandlungsrunde hat das Landesarbeitsgericht Hamm am Freitag gegen das Mitglied der IG-Metall-Vertrauenskörperleitung und ehemaligen Jugendvertreterin Sara Willner (ehem. Beisenkamp) entschieden und damit einer weitgehenden Aushöhlung des Schutzparagraphen 78a zugestimmt. Opel hatte argumentiert, dass Leiharbeiter nur in der Produktion, nicht an einem "ausbildungsadäquaten" Arbeitsplatz eingesetzt würden.

Obwohl jeder im Werk weiß, dass Opel seit mehr als 20 Jahren alle Azubis in die Produktion (und damit nicht an einem herkömmlichen Mechatroniker-Arbeitsplatz) übernimmt und obwohl Sara Willner und ihr Anwalt nachweisen konnten, dass Opel im fraglichen Zeitraum in ausgelagerten Betriebsteilen Leiharbeiter als Mechatroniker eingestellt hatte, gab das Gericht Opel Recht.

Damit hat das Gericht die "unternehmerische Freiheit" wieder einmal höher bewertet als den Schutzparagraphen 78a und die Zukunft der Jugend. Auf Empörung stieß insbesondere die Tatsache, dass Opel sich selbst gegenüber dem Betriebsrat als auch dem Gericht weigerte, die entsprechenden Unterlagen (z.B. Übernahmelisten) zur Verfügung zu stellen.

Es geht bei dem Rechtsstreit um den besonderen Kündigungsschutz für Jugendvertreter ebenso wie die Übernahme aller Auszubildenden, für die sich Sara immer eingesetzt hat. Opel wollte um jeden Preis eine kämpferische Kollegin los werden, gerade weil ein weiterer Abbau der Ausbildungszahlen und der Übernahme zu befürchten ist. ...

Bevor der Prozess begann, gab es wie schon traditionell eine Kundgebung zur Unterstützung von Sara Willner vor dem Gericht. Es waren Betriebsräte, Kollegen aus dem Werk und aus der Lehrwerkstatt, Azubis, Freunde und Familie da. Auch Opel-Kollegen aus Eisenach und Rüsselsheim sendeten solidarische Grüße. Von etlichen anderen Betrieben kamen Jugendvertreter und berichteten von ihrem Kampf um die Übernahme der Auszubildenden, von einer überbetrieblichen Lehrwerkstatt kam gar fast ein ganzes Lehrjahr und auch der Jugendverband REBELL schickte Vertreter.

Noch ohne dass das Urteil bekannt war, bekam Sara Willner nach dem Prozess einen Blumenstrauß überreicht. Eine Kollegin: "Egal wie es ausgeht – moralische Siegerin bist du auf jeden Fall! Sara hat mit ihrem jahrelangen Kampf ein wichtiges Zeichen für den Kampf um die Zukunft der Jugend gesetzt." Aber auch Sara Willners Kampf um ihre Übernahme wird in eine weitere Runde gehen, so ihr Anwalt M. Dornieden (DGB-Rechtsschutz): "Ich habe so viele rechtliche Argumente, dass mindestens eines am Bundesarbeitsgericht ziehen müsste."