Umwelt

Giftstoffe am Arbeitsplatz

Giftstoffe am Arbeitsplatz
Schweißrauch ist giftig, besonders wenn Chrom-Nickel-Legierungen geschweißt werden (arbeiterfoto)

25.01.11 - Die IG Metall geht in der Januar-Ausgabe ihrer Zeitung "metall" auf die erhebliche Belastung durch Giftstoffe am Arbeitsplatz ein. So bei der Dortmunder Recycling-Firma Envion, wo im größten Giftskandal des letzten Jahres in Nordrhein-Westfalen bei über 200 Arbeitern erhöhte PCB-Werte im Blut festgestellt wurden. Auch bei Arbeitern von Remondis in Lünen wurde letzte Woche bei der Hälfte von 42 untersuchten Kollegen PCB im Blut festgestellt. Remondis ist mit 18.000 Beschäftigten größter Entsorgerbetrieb in Deutschland und gehört zur Rethmann AG.

PCB (polychlorierte Biphenyle) gehört zu den zwölf Gefahrstoffen, die 2001 durch die "Stockholmer Konvention" verboten wurden. PCB führt durch die Anlagerung im Fettgewebe des Körpers zu schweren Leber- und Hauterkrankungen und verursacht Krebs. PCB ist nicht der einzige Giftstoff am Arbeitsplatz. Hunderttausende sind täglich Kühlschmierstoffen, PVC, giftigen Stäuben, Dämpfen, Formaldehyd, Lösungsmitteln oder Schweißrauch ausgesetzt, die nachweislich krank machen.

Quarzfeinstäube in Gießereien sind zusätzlich deshalb gefährlich, weil sie mit krebserzeugenden Pyrolyseprodukten behaftet sind, z.B. Phenol, Formaldehyd und viele andere. Bei Daimler in Mettingen werden die Emissionen nur alle drei Jahre nach Vorankündigung kontrolliert, obwohl sich die Bevölkerung ständig über die Geruchsbelästigung beschwert. Nicht von ungefähr ist eine ständig wachsende Zunahme von Krebserkrankungen gerade bei Arbeitern in Industrie und Handwerk festzustellen. 

Es ist heute technisch kein Problem, ungiftige Arbeitsstoffe einzusetzen oder mit Schutzvorrichtungen wie zum Beispiel wirksamen Absauganlagen bei der Zerspanung von Metall die Dämpfe von Kühlschmierstoffen von den Beschäftigten fernzuhalten. Internationale Monopole wie unter anderen Siemens oder MAN, schlüpfen gerne in die Rolle eines "grünen Technologieunternehmens", bei denen Arbeitssicherheit und Umweltschutz "groß geschrieben" würden.

Nach der Umweltkatastrophe im Golf von Mexiko, als nach der Explosion der Ölbohrplattform "Deepwater Horizon" Hunderte Millionen Liter Öl ins Meer flossen, achtet zum Beispiel die Erdölindustrie darauf, dass ihre Lieferanten von Maschinen und Anlagen "für Sicherheit zertifiziert" sind und wenig Arbeitsunfälle in ihrer Fertigung vorweisen. Allerdings in erster Linie, um solche horrenden Kosten zu sparen, die BP bei der Ölkatastrophe entstanden sind.

In der EU bestehen zwar zum Teil verschärfte Arbeitsschutz-Bestimmungen, die Bundesregierung baut jedoch auf Druck der Kapitalisten das "Amt für Arbeitsschutz" ständig ab. In Nordrhein-Westfalen ist zur Überwachung der Arbeitssicherheit für 20.000 Beschäftigte nur ein einziger Angestellter zuständig. "In vielen Abteilungen ist die Wachsamkeit der Belegschaften für den Arbeitsschutz stark angewachsen, Einrichtungen zum Schutz der Beschäftigten werden auf Kosten der Profite durchgesetzt, der Kampf gegen den Einsatz giftiger oder gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe steht nahezu täglich im Mittelpunkt vieler Auseinandersetzungen im Betrieb", berichtete uns eine Betriebsrat aus einem Großbetrieb in NRW.

Ist man erstmal erkrankt, dauert es zum Teil Jahre, bis überhaupt gegenüber der Berufsgenossenschaft nachgewiesen werden kann, dass die Erkrankung am Arbeitsplatz entstanden ist. So, wenn Asbeststaub eingeatmet wurde. Obwohl seit 1993 in der BRD verboten, ist Asbest in vielen Bereichen in Industrie und Handwerk noch vorhanden. Nach 25 bis 40 Jahren kann Asbestbelastung zu einem aggressiven Tumor führen, dem Pleuramesotheliom. Diese Erkrankung führt nach wenigen Monaten zum Tod. Nach Feststellungen des Arbeitsschutzes bei MAN Diesel&Turbo in Oberhausen sind dort alleine seit Mitte der 1990er Jahre über 150 Kollegen an den Folgen einer Asbesterkrankung gestorben. Im täglichen Kleinkrieg in den Betrieben gehört der Kampf gegen Giftstoffe am Arbeitsplatz mit zu den wichtigsten Themen.