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"Marsch der Millionen" in Ägypten

01.02.11: Heute, am 8. Tag des Aufruhrs, gibt es einen "Marsch der Millionen" in Ägypten für den Rücktritt des Mubarak-Regimes. Es ist der größte Massenprotest in der Geschichte des Landes. Bereits am frühen Morgen hatten sich in Kairo auf dem zentralen Tahrir-Platz, wo die Demonstration losging, Zehntausende versammelt. Eine Korrespondentin von "Aljazeera" berichtete: "Der Platz ist absolut voll, es gibt kaum noch Platz zum Stehen für die Leute. Zehntausende strömen weiterhin in Richtung auf den Platz. Die Atmosphäre ist unglaublich."

Ein weiterer "Millionen-Marsch" ist geplant in Alexandria, da das Regime seit gestern abend den Zugverkehr lahmgelegt hat, um die die Leute daran zu hindern, nach Kairo zu fahren. Inzwischen sind allein in Kairo bis zu zwei Millionen Menschen auf den Straßen, Massenproteste werden gemeldet aus allen größeren Städten, aus Ismailiya, Mansoura, Damietta, und Mahalla. Gleichzeitig wurde ausgehend von den Arbeitern in der Hafenstadt Suez zu einem unbefristeten, landesweiten Streik mobilisiert, um das Regime in die Knie zu zwingen. 

Soldaten haben rings um den Tahrir-Platz Ketten gebildet, Panzer wurden in der Nähe des Platzes in Stellung gebracht, Demonstranten werden von der Armee überprüft und durchsucht. Nach Angaben von "Aljazeera" gab es lange Schlangen von Leuten, die aber extrem diszipliniert waren. Gestern hat die Armee-Führung erklärt, keine Gewalt gegen das Volk anwenden zu wollen, wenn die Proteste "friedlich" blieben.

Allerdings sind in der Nähe des Präsidentenpalastes, wo die Demonstranten hinziehen wollen, große Armeeeinheiten aufgefahren. Berichtet wird auch, dass Demonstranten an verschiedenen Stellen der Stadt daran gehindert wurden, ins Zentrum Kairos zu fahren und dass offensichtlich wachsende Gruppen von "Pro-Regierungs-Demonstranten" in der Stadt aufgetaucht sind. Das Staatsfernsehen fordert die Leute auf, zu Hause zu bleiben und warnt vor Gewalt. 

Der ägyptische Journalist Hossam el-Hamalawy betonte in einem Interview vom 27. Januar: "Der Mut des Volkes ist definitiv größer geworden." Revolutionen würden nicht aus heiterem Himmel kommen. "Die objektiven Bedingungen für einen Aufstand existierten in Ägypten und die Revolte lag in den letzten paar Jahren in der Luft."

Auf der ganzen Welt gibt es Solidarität mit den Aufständischen in Tunesien, Ägypten usw. Korrespondenten aus Essen berichten z.B. von einer Solidaritätskundgebung von 60 bis 70 vorwiegend jungen Leuten mit dem Kampf des tunesischen Volkes am letzten Samstag. "Solidarität International" Duisburg lädt ein zu einer Veranstaltung: "Die Flammen des Volkszorns lodern in Nordafrika", Vortrag und Diskussion am Donnerstag, den 3. Februar, 19 Uhr in Duisburg (Neudorf) , Flurstraße 31, Eintritt 2 Euro / ermäßigt 1 Euro.