Betrieb und Gewerkschaft

Tarifabschluss bei VW – die Trümpfe ausspielen, die man hat!

10.02.11 - Am Dienstag, den 8. Februar haben sich die IG Metall und der Vorstand des VW Konzerns auf einen Tarifabschluss geeinigt. Der Abschluss umfasst bei 16 Monaten Laufzeit eine Einmalzahlung von 1 Prozent des Jahresentgeltes, mindestens aber 500 Euro für die Monate Februar bis April, ab 1. Mai 2011 eine Lohnerhöhung von 3,2 Prozent, die Gesamtlaufzeit beträgt 16 Monate. Da die Einmalzahlung nicht in die Tariflöhne eingeht ist die tatsächliche Erhöhung auf 12 Monate umgerechnet natürlich geringer als 3,2 Prozent, nämlich 2,4 Prozent.

Die offizielle Inflationsrate ist im Augenblick niedrig, jedoch gerade Lebensmittel und Energiekosten (Benzin, Heizung) steigen erheblich, dazu müssen auch die höheren Abzüge seit Jahresbeginn in Rechnung gestellt werden (Krankenversicherung, Zusatzbeiträge und dergleichen). VW hat in den letzten Monaten die Ausbeutung sprunghaft erhöht: VW meldete 4 Milliarden Euro Gewinn in den ersten neun Monaten des Jahres 2010. Der Absatzes stieg auf 7 Millionen Autos in 2010,insbesondere durch eine erhebliche Steigerung des Exports. VW investiert Milliarden in den Aufkauf von Suzuki, die Fusion von MAN und Scania, in neue Werke in China und in  Rationalisierungsinvestitionen in Deutschland. Z.B. im VW - Werk in Kassel wurde laut Werksleiter Becker seit 5 Jahren jährlich die Produktivität um je 10 Prozent gesteigert.

Die Arbeitskraft der VW-Belegschaften ist deshalb voll angespannt
Der VW Konzern tritt derzeit sehr aggressiv auf und will mit seiner „Strategie 2018“ Toyota als Nummer 1 angreifen. 2009 war Toyota der weltgrößte Investor mit 6,8 Milliarden Euro (VW: 5,8 Milliarden Euro). Jetzt will VW bis 2015 insgesamt 52 Milliarden Euro investieren (dazu kommen zehn Milliarden Euro mit Partnern in China), um Toyota zu verdrängen (WAZ, 20.11.2010).

Unter diesen Bedingungen war das oberste Ziel des VW-Vorstandes in der Tarifrunde, dass es nicht zu Streiks kommt. Bereits in den letzten Monaten kam es besonders in den Werken Kassel und Hannover zu energischen Aktionen von VW-Kollegen gegen die Flexibilisierung der Arbeitszeit, Einführung des Samstag als Regelarbeitstag und dergleichen.

In einer solchen Situation haben die VW-Belegschaften alle Trümpfe in der Hand, die nicht ausgespielt wurden. Stattdessen hält Hartmund Meine, IG Metall den Abschluss für „wirtschaftlich angemessen“, Jochen Schumm vom VW Vorstand erklärt, der Abschluss sei ein „fairer Abschluss, der eine ordentliche Lohnerhöhung mit dem Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit verbindet“.

Statt auf den „VW Weg“ des Vorstandes Rücksicht zu nehmen wie es der IG Metall Vorstand tut müssen die VW-Belegschaften ihre eigenen und die Interessen der ganzen Arbeiterklasse im Auge haben. Wenn Regierung und Vorstand so in der Defensive sind müssen die Arbeiter die Situation erst recht nutzen statt sie zu schonen. Die VW-Belegschaften haben noch nicht mal mit den Muskeln gespielt um dieses Ergebnis zu erzielen. Was wenn sie die ganze gewerkschaftliche Kampfkraft einsetzen!

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