Betrieb und Gewerkschaft

Arbeiterkundgebung bei Shell in Hamburg-Harburg

Hamburg (Korrespondenz), 22.02.11: Über 400 Kolleginnen und Kollegen, zum Teil mit ihren Familien, beteiligten sich letzte Woche an einer Protestkundgebung vor dem Shell-Werksgelände. Shell will die Raffinerie – seit 80 Jahren im Hamburger Hafen und seit 60 Jahren in Besitz des Shell-Konzerns – dicht machen. Über 350 Arbeitsplätze wären davon direkt betroffen, im ganzen Shell-Konzern sollen 1.200 Arbeitsplätze vernichtet werden! Die MLPD Hamburg unterstützte die Kundgebung und hob in ihrer Solidaritätserklärung hervor: 

"Eure Proteste und Euer Kampf um den Erhalt der Arbeitsplätze bei Shell ist vollkommen berechtigt. 'Shell schwimmt im Geld und hat gerade ein Rekordergebnis erzielt. Der Nettogewinn legte um 61 Prozent auf 20,13 Milliarden Dollar zu, wie das niederländisch-britische Unternehmen am Donnerstag mitteilte', heißt es in einer Erklärung der Deutschen Presse Agentur (dpa) vom 3.2.2011. Die Hamburger Raffinerie soll nicht geschlossen werden, weil sie Verluste einfährt, sondern weil mit ihr kein Maximalprofit mehr zu erzielen ist...

Ihr steht in Eurem Anliegen auch nicht allein. In Wilhelmshaven beabsichtigt der Konzern Conoco/Phillips seine Raffinerie zu verkaufen oder die Anlagen stillzulegen. Auch dieser Konzern hat 11,4 Mrd. Dollar Gewinn gemacht. (...) Es gibt gar keine andere Antwort, als um jeden Arbeitsplatz zu kämpfen - auf Kosten der Profite. Wer kämpft und seinen Protest auf die Straße bringt, bekommt die Solidarität und kann gewinnen."

In den Diskussionen zeigte sich, dass die Kollegen wirklich um jeden Arbeitsplatz kämpfen wollen. Es bedarf aber eines Klärungsprozesses: konsequent von den Interessen der Kollegen, der Familien auszugehen – oder auf die "Vernunft und Einsicht" der Konzernspitze zu hoffen, in einem Gesamtverkauf das kleinere Übel zu sehen.