Betrieb und Gewerkschaft

Erfolg der breiten Solidarität: Zabit Cumcu bleibt im Betrieb!

Erfolg der breiten Solidarität: Zabit Cumcu bleibt im Betrieb!
Zabit Cumcu mit seiner Frau Sümeyye (links)

Oberhausen (Korrespondenz), 22.02.11: Beim gestrigen Kammertermin vor dem Arbeitsgericht Oberhausen sah sich die Geschäftsleitung von MAN Diesel&Turbo gezwungen, die Klage gegen Zabit Cumcu zurückzuziehen und sich "gütlich zu einigen". Fast sechs Stunden dauerte die Verhandlung, und jedem Besucher im Gerichtssaal wurde deutlich, dass die Geschäftsleitung Schritt um Schritt zurück ruderte, um vor den Medien den Eindruck einer politischen Kündigung zu vermeiden.

Noch am Freitag letzte Woche versuchte MAN völlig rechtswidrig, das Verteilen der  Kollegenzeitung "Knippstange" durch Polizei unterbinden zu lassen, obwohl die Verteiler auf öffentlichem Gelände standen. Am Samstag demonstrierten in Oberhausen-Sterkrade über 150 Kollegen gegen die politisch motivierte Kündigung des kämpferischen Betriebsrats Zabit Cumcu sowie gegen politische Kündigungen und Massregelungen.

In einer Stunde wurden auf dem gleichzeitig stattfindenen Wochenmarkt 130 Unterschriften gegen die politische Kündigung gesammelt. Auch der Solikreis "Mutige Marie" für die Jugendvertreterin Marie Bauer bei BP in Gelsenkirchen nahm teil, Kollegen aus anderen Betrieben wie Opel Bochum, dem Autozulieferer Johnson Controlls, RAG und Hoesch Spundwand in Dortmund erklärten sich ebenso solidarisch, wie Vertreter der Linkspartei und der MLPD.

Seit dem 3. Dezember, als der Kündigungsantrag bekannt wurde, der Gründung des Solikreises zwei Tage später mit rund 60 Kollegen aus dem Werk, der Protestaktion von 120 Kollegen am nächsten Tag vor der Betriebsratssitzung, haben die Kollegen Schritt um Schritt zugelegt. Der Fall wurde bundesweit und über türkische Medien auch in der Türkei bekannt, die Solidarität wurde immer breiter.

MAN, in Schmiergeldaffären verwickelt und um sein soziales Mäntelchen bemüht, steht in der Öffentlichkeit am Pranger, mit fristlosen Kündigungen kämpferische Kollegen mundtot machen zu wollen. Dass MAN, immerhin Europas größter Maschinenbaukonzern, die Klage zurückziehen musste, ist die größte politische Niederlage, die er in den letzten 20 Jahren eingesteckt hat.

Die Konzernspitze in Augsburg und München hatte sich eingeschaltet, um ein Exempel zu statuieren. Für eine bevorstehende Fusion der Nutzfahrzeugsparte mit VW und Scania und der zu erwartenden Vernichtung von Arbeitsplätzen um auf dem Weltmarkt die Nase vorn zu behalten, sollte die Belegschaft eingeschüchtert werden. Aber es zeigt sich, dass die Arbeitereinheit stärker ist.