Politik

Freiherr zu Guttenbergs handwerkliche Fehler

Hattingen (Korrespondenz), 23.02.11: Die Posse um die Doktorarbeit des Verteidigungsministers Freiherr zu Guttenberg ist jetzt schon ein Top-Thema im Karneval und beim Politischen Aschermittwoch. Die dreiste Art, wie er sich um Kopf und Kragen redet, zeigt die Rücksichtslosigkeit dieses Spitzenmonopolpolitikers.

Zuerst weist er jeden Vorwurf entrüstet zurück. "Ich habe die Arbeit nach besten Wissen und Gewissen angefertigt", sagte er am 15. Februar. "Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus", ergänzte er am Tag darauf. Dann räumt er - als die Nachweise immer erdrückender werden - "mögliche Unkorrektzeiten durch fehlende Zitatquellen" ein und zog erst mal "vorläufig" seinen Doktortitel zurück. Was er gegenüber anderen, wie unter anderem dem Kapitän von Gorch Fock, gemacht hat, sie nämlich vor einer Untersuchung gleich zu feuern, macht er sich selbst gegenüber natürlich nicht.

Auf über 3.000 Zeilen seiner Doktorarbeit wurde ihm inzwischen das Abkupfern nachgewiesen. Am 21. Februar startet er zum Befreiungsschlag: er hätte seine Arbeit noch mal durchgesehen. Reumütig erklärte er seinen endgültigen Verzicht auf den Doktortitel und dass er "zu dem Blödsinn stehe, den ich da geschrieben habe". Da er wohl das meiste nicht geschrieben hat, unterstellt er auch noch den Urverfassern diesen Blödsinn. Alles für ihn nur "gravierende handwerkliche Fehler".

Aus fast allen Fraktionen im Bundestag kommen Rücktrittforderungen. Dagmar Enkelmann von der Linkspartei: "Guttenberg ist als Minister nicht mehr tragbar." Was heißt "nicht mehr"? Schon von Beginn an, als er das Kundus-Massaker von 170 ermordeten Zivilisten gedeckt hat, war er für alle friedliebenden Menschen nicht mehr tragbar. Entsprechend der Denkweise dieses Ministers waren das aber wohl auch nur "handwerkliche Fehler" ...