Betrieb und Gewerkschaft

Zehntausende bei DGB-Aktionen zur Leiharbeit

Zehntausende bei DGB-Aktionen zur Leiharbeit
Transparent von Daimler-Kollegen in Sindelfingen

24.02.11 - "rf-news" erhielt zahlreiche Berichte von verschiedenen Protestaktionen im Rahmen des DGB-Aktionstags zur Leiharbeit, von denen wir Auszüge veröffentlichen.

In Duisburg nahmen rund 800 bis 1.000 Kolleginnen und Kollegen aus den Stahlbetrieben von Krefeld über Duisburg bis Dinslaken an der Auftaktkundgebung zum Aktionstag teil. Ein Korrespondent berichtet: "Obwohl die IG Metall ausdrücklich nicht die Frühschicht zur Teilnahme - und damit Arbeitsniederlegung - aufgerufen hatte, hatten es sich einige Kollegen nicht nehmen lassen, ihre Frühschicht erst mit gut einer Stunde Verspätung anzutreten. In den gut eineinhalb Stunden, die die Kundgebung dauerte, machten viele Kollegen deutlich, dass es ihnen ernst ist mit ihrer Kampfansage an Regierung und Unternehmen, dass sie Lohndrückerei und Spaltung durch Leiharbeit, Zeitarbeit und Werksverträge nicht hinnehmen wollen."

In Stuttgart fanden heute vor mehreren Großbetrieben wie Porsche, Bosch und Daimler Untertürkheim Kundgebungen im Rahmen des IG-Metall-Aktionstags gegen die Leiharbeit statt. Im Bericht dazu heißt es: "An der Kundgebung vor Bosch Feuerbach nahmen rund 800 Kollegen teil, bei Daimler Untertürkheim waren es nach Schätzung des Betriebsratsvorsitzenden Wolfgang Nieke etwa 700. Dies zeigt jedoch auch, dass von einer wirklichen Mobilisierung der Belegschaften nicht die Rede sein konnte. Überall stand die Jugend in der ersten Reihe und war der Kampf um ihre Zukunft Thema (auf einem Transparent war 'Che' Guevara zu sehen)."

Von der Kundgebung beim Bosch-Werk wird noch berichtet: "Verschiedene Kollegen haben die Dortmunder Erklärung mitgenommen und wollen sich überlegen, in ihrer Abteilung zu sammeln. Im Sinne von starken und kämpferischen Gewerkschaften haben auch Behr-Kollegen vom geschlossenen Werk 8 mit einem Flugblatt dazu aufgerufen, die gegen ihre Kündigung klagenden Kollegen am 2. März um 10 Uhr vor dem Arbeitsgericht in Stuttgart zu unterstützen."

Und im Bericht über die Aktion bei Audi in Neckarsulm heißt es: "Fünf vor Zwölf strömten hunderte von Jugendlichen aus dem Werk. Rote IGM-Kappen und -Fahnen, ein die Kundgebung begleitendes hundertfaches Pfeifen sowie selbst gemalte Schilder wie 'Leiharbeiter übernehmen – wenn nicht jetzt wann dann?' oder 'Leiharbeit abschaffen! Weg mit den Hartz-Gesetzen!' waren zu sehen. Heute früh wie bereits am Vortag auf der Spätschicht und Nachtschicht organisierten die Vertrauensleute der IG Metall während der Arbeitszeit eine Abstimmung zur Leiharbeit. So wurde die Themen 'Leiharbeit', 'Übernahme nach der Lehre' oder 'Werkverträge' breit debattiert. Einig waren sich viele, dass es nicht bei dem Aktionstag bleiben kann. Warum nicht einen richtigen Warnstreik machen?"

150 Teilnehmer aus verschiedenen Metallbetrieben, hauptsächlich von Widia und Kolektor, folgten in Essen dem Aufruf der IGM-Ortsverwaltung zu einer Kundgebung. Ein Korrespondent berichtet: "Aus den Betrieben Widia und Kolektor wurde die Kundgebung mit viel Phantasie vorbereitet, und die Kollegen traten mit Plaketten, Mützen, Schals und Fahnen und Plakattafeln auf. In den Diskussionen darüber wurden 36 Unterschriften für die Dortmunder Erklärung gesammelt."

300 bis 400 Beschäftigte aus verschiedenen Metallbetrieben, aber auch Delegationen der IGBCE und IGBAU, waren zur Kundgebung in Gelsenkirchen vor TRW gekommen. Eine Telefonkorrespondentin teilte mit: "Von TRW waren rund 100 Kollegen gekommen, darunter auch zahlreiche Leiharbeiter, die sich das nicht nehmen ließen. Von mehreren Betrieben wurde berichtet, dass Druck ausgeübt wurde, nicht zu der Aktion zu gehen. Es wurden Unterschriften für die 'Dortmunder Erklärung' gesammelt und Einladungen zum Solikreis 'Mutige Marie' verteilt."

Die komplette Frühschicht der ZF in Saarbrücken, an die 2.000 Kollegen, nahm heute an der Aktion zum Protest gegen Leiharbeit, befristete Arbeitsverträge und Rente mit 67 teil. Auch von dort kam ein Bericht: "Die Saarbrücker Montagsdemo, bewaffnet mit Flugblättern und Transparent, wartete bereits vorm Tor, um den Kollegen ihre Solidarität zu überbringen. Die Montagsdemo wollte ein Grußwort halten, in dem sie insbesondere die Beseitigung von Hartz IV und die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich forderte. Das wurde ihr aber verwehrt, angeblich aus rechtlichen Gründen. Nun gut, das Transparent war weithin sichtbar, die Kollegen konnten die Stellungnahme auf dem Flugblatt lesen."