Betrieb und Gewerkschaft

"Die Zeit für einen neuen Kampf der Automobilarbeiter reift heran"

05.03.11 - Die selbständige Aktion von ca. 40 Kollegen aus der C-Klasse im Daimler-Werk Sindelfingen, die am 2. März zum Betriebsrat marschierten und gegenüber der Werksleitung in kürzester Zeit eine Taktzeitverlängerung von 72 auf 82 Sekunden durchsetzten, wirft ein Schlaglicht auf die brodelnde Stimmung angesichts der ständig steigenden Arbeitshetze im Gesamtkonzern. In allen Autokonzernen wird die Ausbeutung ins Unerträgliche verschärft. Ob Daimler, VW, Opel, Ford - jeder will als Sieger in der Konkurrenz hervorgehen. Derzeit regt sich besonders der Unmut in verschiedenen Daimler-Werken.

In Wörth will die Geschäftsleitung den Samstag als Regelarbeitstag in Früh- und Spätschicht, 20 Prozent der Beschäftigten als "flexible Mitarbeiter". Das Ganze verbunden mit Spaltungsmanövern und Erpressung: "Geboten" würden dafür Festeinstellungen und die Übernahme der Azubis. Gedroht wird mit Verlagerung ins Ausland. Die Vertrauensleute haben am 12. Februar unter anderem eindeutig gefordert: Schluss mit Leiharbeit! Festeinstellungen - jetzt! Schluss mit Samstagsarbeit und Schichtverlängerung! Unbefristete Übernahme aller Azubis!

Auch in Bremen unerträgliche Arbeitshetze. Das Leiharbeiterkontingent ist mit 8 Prozent der Produktionsarbeiter ausgeschöpft. Für die zweite Jahreshälfte sind Sonderschichten angesagt, was den Unmut noch verschärft.

In einem Hintergrundartikel für die "Rote Fahne" (erscheint in der nächsten Ausgabe) schreibt der Landesvorsitzende der MLPD Baden-Württemberg, Peter Borgwardt: 

"Der Daimler-Vorstand ist gegenwärtig dabei, eine beispiellose Weltmarktoffensive auf dem Rücken der Beschäftigten zu organisieren. Dabei fürchtet er 'Unruhe-Herde' wie in Sindelfingen und versucht sie so schnell wie möglich zu löschen, sowohl durch schnelle Zugeständnisse, aber auch durch Repressionsmaßnahmen gegen kämpferische und klassenkämpferische Kräfte. (...) 

Daimler stellte bereits 2010 einen neuen Produktionsrekord gegenüber dem Vorjahr auf mit weltweit 1,2 Millionen produzierten PKW. Mit dieser Strategie versucht er, aus der Wirtschaftskrise zu kommen, und hat den Vorkrisenstand fast erreicht. 2011 soll nun ein weiterer Produktionsrekord aufgestellt werden, wobei sich der Hauptzuwachs des PKW-Absatzes in China abspielt: Nach ca. 70.000 dort verkauften PKW im Jahre 2009 waren es 2010 bereits 147.000 und sie sollen bis 2014 auf 300.000 nochmal verdoppelt werden. (...)

Eine verstärkte Fertigung in China und anderen Ländern wird aber mittelfristig zahlreiche Produktionsstandorte in Deutschland infrage stellen, wie im Stamm- und Motorenwerk Stuttgart-Untertürkheim. (...) Gerade im Dezember 2009 hatte der Daimler-Vorstand ja bereits erfahren, auf welche explosionsartigen selbständigen Streikausbrüche seine Pläne zur Verlagerung der C-Klasse aus Sindelfingen stießen. (...)

Die Daimler-Pläne haben aber auch eine reaktionäre politische Seite, die in den kommenden Klassenauseinandersetzungen eine große Rolle spielen und entsprechend offensiv aufgedeckt und attackiert werden muss. Dazu gehören die Angriffe auf die kämpferischen und klassenkämpferischen Kräfte, wie in Stuttgart-Untertürkheim die 'Offensiven Metaller' um den Betriebsrat und Schwerbehinderten-Vertrauensmann Volker Kraft. (...) 

Von Seiten des Vorstands, unterstützt vom Co-Management der reformistischen IGM-Führer, handelt es sich um politische Aufrüstungsmaßnahmen für kommende Angriffe auf die Belegschaften. Die Belegschaften wiederum stehen vor der neuen Anforderung, ihre politischen Rechte und Freiheiten mit voller Kraft zu verteidigen und zu erweitern und sich solidarisch und schützend vor ihre kämpferischen Vertreter zu stellen. Die Belegschaften müssen also ihrerseits rüsten, denn die Zeit für einen neuen Kampf der Automobilarbeiter reift heran. (...)"