Wirtschaft

Neue Arbeitslosenzahlen: "Aufwärtstrend" bei Niedriglohn und Leiharbeit

02.03.11 - Von "herrlichen Zahlen" schwärmt unter anderem der Volkswirt der Deka-Bank angesichts der gerade veröffentlichten Arbeitsmarktzahlen der Bundesagentur für Arbeit für den Monat Februar. Nach Ansicht von Arbeitsmarktexperten belegen sie, dass der "Aufwärtstrend" der deutschen Wirtschaft "stabil" sei. Nach den offiziellen Zahlen waren im letzten Monat 3,317 Millionen Menschen ohne Arbeit. Das sind 33.000 Arbeitslose weniger als im Monat Januar und 326.000 weniger als im vergangenen Jahr zu dieser Zeit. Tatsächlich kommt die relative Belebung der Wirtschaft aufgrund des starken Exportwachstums auch in verstärkten Neueinstellungen zum Ausdruck. Für die bisher Arbeitslosen bedeutet das aber oft nur, dass sie "vom Regen in die Traufe" kommen.

Viele von ihnen müssen nun in Stellen arbeiten, bei denen zwar die Ausbeutung massiv verschärft wird, deren Bezahlung aber nicht zum täglichen Leben reicht. Laut einer aktuellen Studie der Bundesagentur für Arbeit mussten im Jahr 2009 bereits rund 22 Prozent der Vollzeitbeschäftigten mit monatlich weniger als 1.800 Euro auskommen, doppelt so viele wie 2006. Damals wurde dieser Anteil vom Statistischen Bundesamt noch mit 11 Prozent angegeben.

Entsprechend müssen immer mehr Menschen als so genannte "Aufstocker" zusätzlich Hartz IV beantragen. Bereits für 355.000 Vollzeitbeschäftigte trifft dies zu. Fast jeder achte Leiharbeiter mit einem Vollzeitjob war im vergangenen Jahr zusätzlich auf Hartz IV angewiesen. Von Mitte 2009 bis Mitte 2010 ist ihre Zahl einer DGB-Studie zufolge um fast 60 Prozent auf 92.000 gestiegen.

Insgesamt nahm die Zahl der gemeldeten Leiharbeiter um 34 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat zu. Laut Institut der Deutschen Wirtschaft ist die Zahl der Leiharbeiter seit Juni 2010 von rund 800.000 auf mittlerweile über 900.000 gewachsen. Mehr als die Hälfte aller Leiharbeitsverhältnisse dauert laut Agentur für Arbeit weniger als drei Monate an.

Bei genauerer Betrachtung hat auch die wachsende Zahl gemeldeter offener Stellen mit Tricks von Leiharbeitsfirmen zu tun, die bis in jüngste Zeit Stellen bei der Agentur für Arbeit gemeldet haben, die es gar nicht gab. Das resultiert aus einer engen Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit, auf deren Jobbörse die Zeitarbeitsfirmen Zugang haben, die dann möglichst viele Jobangebote melden, auch wenn diese schon nicht mehr existieren. Gleichzeitig verdienen diese Firmen am Zugang zur Jobbörse, indem sie Angebote aufgreifen und als ihre eigenen Angebote einstellen. Erhält das Angebot der Zeitarbeitsfirma den Zuschlag, muss derjenige der das Angebot ursprünglich eingestellt hat, an die Zeitarbeitsfirma zahlen.

Der Abbau der Massenarbeitslosigkeit entpuppt sich also als eine Verschiebung hin zu wachsender Unterbeschäftigung. Während Millionen von Menschen nur "geringfügig beschäftigt" sind, wird gleichzeitig die Ausbeutung der Masse der Arbeiter und Angestellten in den Betrieben verschärft. Im Verhältnis zu den wachsenden Auftragszahlen werden gegenwärtig nur wenig neue Arbeitskräfte eingestellt. Das unterstreicht, dass der Kampf für Forderungen wie die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, einen Mindestlohn von 10 Euro und höhere Löhne und Gehälter eng zusammen gehört. Eine Abschaffung von Massenarbeitslosigkeit und Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft wird erst im Sozialismus möglich sein.