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Wie das Volk die "humanitäre Hilfe" in Libyen und Tunesien selbst in die Hand nimmt

02.03.11 - In Libyen entfalten sich erbitterte Kämpfe zwischen den Regierungstruppen Gaddafis und den Aufständischen. Gaddafis Armee versucht, von den Rebellen eingenommene Städte und Industrieanlagen wieder zurück zu erobern. Das gelang unter anderem bei zwei Orten in der Nähe der Hauptstadt Tripolis. Dort wurde sofort mit der Verhaftung von Regimegegnern und übergelaufenen Offizieren begonnen. Andere Städte wie Brega wurden nach zwischenzeitlicher Eroberung durch Gaddafis Truppen bereits wieder befreit.

Die konterrevolutionäre Gewalt trifft auch die zahlreichen ägyptischen und tunesischen Arbeitsmigranten in Libyen. Allein 1,5 Millionen Ägypter arbeiten in Libyen, die meisten davon im östlichen Landesteil Cyreneika. Viele von ihnen sind schon in ihre Heimat geflüchtet. Den Migranten im westlichen Teil Libyens ist dieser Weg abgeschnitten und sie müssen deshalb versuchen, über Tunesien zu flüchten.

Abdelkalim Mantawi berichtet einem Reporter der "Frankfurter Rundschau", dass Söldner Gaddafis regelrecht Jagd auf Ägypter und Tunesier machten. Schon bei der ersten Kontrolle an der Stadtgrenze hätten ihm dann Polizisten sämtliche Koffer und sein ganzes Geld abgenommen. Solche Berichte werden von den imperialistischen Politikern der USA und EU begierig zum Anlass genommen, die Trommel für ein als "humanitäre Hilfe" getarntes militärisches Eingreifen zu rühren.

Dabei nehmen die Aktivisten der revolutionären Erhebungen in der Region diese Hilfe längst selbst in die Hand. Rührend kümmern sich Tunesier um die Flüchtlinge aus Libyen. Ein Schuldirektor aus einer 100 Kilometer von der Grenze entfernten Stadt hat laut "Frankfurter Rundschau" zusammen mit Lehrern und Schülern Geld gesammelt, 400 Brote sowie Eimer mit Thunfisch-Paste gekauft und ist losgefahren, um mit ihnen zusammen die Ankommenden zu verpflegen. Über die Organisierung der Flüchtlingshilfe in der Grenzstadt Ben Guerdane berichtet die "Frankfurter Rundschau" (Ausgabe vom 1.3.11) weiter:

"Für den Transport ... nach Ben Guerdane sorgt das lokale Revolutionskomitee der Stadt, das sich nach der Flucht des Präsidenten Zine el Abidine Ben Ali gebildet hat. ... Das Komitee verteilt die Flüchtlinge an sechs weitere Orte: das Jugendzentrum, den Sportpalast und Schulen. ... Private Busgesellschaften stellen ihre Fahrzeuge zur Verfügung. Ärzte und Krankenschwestern kümmern sich um Kranke. Auf der Bühne des Theaters werden Sandwichs verteilt. Alles kostenlos. Die Einwohner der Stadt bringen Mineralwasser, Milch, Brote, Käse, Harissa vorbei. Nur 4.000 Seelen zählt Ben Guerdane. Plus 2.000 Flüchtlinge. Etwa 10.000 weitere warten an der Grenze. 'Jeder hilft, wie er kann', sagt Bechir, 'die ganze Stadt zeigt ihre Solidarität.'"