Umwelt

Berichte von Protestaktionen

Berichte von Protestaktionen
Menschenkette in Stuttgart. 60.000 auf der Straße (rf-foto)

12.03.11 - Wir veröffentlichen hier fortlaufend aktuelle Berichte und Korrespondenzen von Protestaktionen gegen die Atompolitik:

Stuttgart (14.45 Uhr): 60.000 sind auf der Straße

Kurz vor der Kundgebung heizt sich die Stimmung weiter auf. Die Empörung über die Reaktor-Katastrophe in Japan wächst,  sicher nicht zu unrecht befürchten manche, dass die Kundgebung für den Wahlkampf hier in Baden Württemberg missbraucht wird. Das ist angesichts der angereisten Politprominenz auch nicht von der Hand zu weisen. Viel Interesse auch am Gedanken eines internationalen Widerstands und über die Gründung der ICOR, aber auch Illusionen über die Wirkung der Menschenkette.

Zwei ältere Damen meinten, dass jetzt wegen der vielen Menschen heute doch die Politiker endlich mal beeindruckt sein müssen und sich in der Frage bewegen. Aber auch Verunsicherung und Furcht. Eine Schülerin wies auf die Auswirkungen auf die ganze Nahrungsmittelkette hin als Folge von radioaktiven Wolken und Verseuchung der Fische. Alle Kraftwerke jetzt abschalten - wie soll das gehen, es gibt doch weltweit so viele. Die Frage des Einsatzes regenerativer Energien erhält tragischerweise durch die Reaktorkatastrophe Aufwind.

Die Leute sind überwiegend sehr aufgeschlossen gegenüber unserer Überzeugungsarbeit, eine Frau aus der Menschenkette hat sogar spontan ausgeholfen beim Transparenttragen. Auch die Frage nach einer gesellschaftlichen Perspektive im echten Sozialismus, wo der Mensch und nicht der Profit im Mittelpunkt steht,  wird interessiert diskutiert. Die Flugblätter der MLPD gehen weg wie nix. Im Vorprogramm der Kundgebung sprechen die Veranstalter von 60.000 Menschen an der Menschenkette.

Stuttgart (15.45 Uhr):

Der Stuttgarter Schlossplatz füllt sich immer mehr zur Kundgebung. Noch sind längst nicht alle Teilnehmer der Menschenkette angekommen. Der Kundgebungsbeginn zögert sich noch hinaus. Die Empörung über die Vorgänge in Japan treffen immer mehr auch die Bundesregierung. So wurde mehrfach auch Umweltminister Röttgen für seine Verharmlosungen kritisiert. Viele Teilnehmer an der Menschenkette sind schon lange in der Anti-AKW-Bewegung aktiv.

So meinte eine Frau, dass sie jetzt schon 40 Jahre aktiv ist gegen die AKWs und schon fast resigniert hätte, aber die Aktion heute und die breite Beteiligung gibt ihr wieder Mut und Schwung. Immer mehr Stimmen sprechen sich für die Entwicklung eines weltweiten Widerstands aus. Viele Leute meinen auch, dass es notwendig ist, dass sich hier der Widerstand gegen "S 21" und die Anti-AKW-Bewegung verbinden müssen, da es gegen die gleiche volksfeindliche Politik geht.

Die Beteiligung und Zusammensetzung der Menschen hat eine sehr breite Palette, die sich auch in den unterschiedlichen Stimmungen niederschlägt. Da geht es von Entsetzen, Furcht und Betroffenheit bis zu Wut und Empörung. Es wird auch Kritik an den Grünen laut, die ja als Regierungspartei die lange Laufzeit der AKWs mit beschlossen haben. Zu Beginn der Kundgebung hat jetzt eine Schweigeminute stattgefunden

Oldenburg

Heute fand auch in der Oldenburger Innenstadt eine halbstündige Menschenkette mit vorheriger Kundgebung statt. Es waren ca. 600 Menschen beteiligt. außerdem wurde für ein Volksbegehren für eine Halbtagsschule gesammelt. Es gab viele Diskussionen der Menschen untereinander und es waren auch viele Menschen beteiligt, die sonst nicht so umweltbewegt sind. Es waren auch eine Menge Schüler dort. Die wirkliche Situation in Japan war zu diesem Zeitpunkt einer Menge Menschen noch nicht bekannt.

Düsseldorf

Auf Anregung der MLPD versammelten sich heute um 18 Uhr vor dem Düsseldorfer Hauptbahnhof ca. 50 Personen zum Protest gegen die weltweiten Atomkraftwerke und aus Sorge über die Ereignisse in Japan. Spontan hinzugekommene Jugendliche stimmten der Forderung nach sofortiger Stilllegung aller AKWs zu, wollten aber wissen, ob und wie das finanziert werden kann bzw. welche Folgen eine sofortige Abschaltung hätte. Ebenso kam die Frage nach den Folgen einer Kernschmelze. Die Nutzung der Kernenergie ist besonders teuer und kostet in der Vergangenheit und in Zukunft Menschenleben.

Es ist fatal, wenn im Hinblick auf die gegenwärtige Windrichtung gesagt wird, dass die Radioaktivität ja auf's Meer treibt - damit wird doch gerade eine Verteilung über die weltweiten Meereströmungen begünstigt. Ein Baugutachter bekräftigte die Forderung "Schaltet sie sofort ab!" mit seinen Hinweisen darauf, wie aus Profitgier bis in Regierungsspitzen hinein vertuscht wird, dass die Bausubstanz alt, ungeeignet, und den eigenen Richtlinien widersprechend ist.

Ein Sprecher der MLPD wies daraufhin, dass die Profitgier auch dazu führt, dass Weizen im "Biosprit" verfeuert wird und Hungernden das Leben kostet. Die Zeit ist reif für ein Ende dieser kapitalistischen Profitwirtschaft. Diese Gedanken sind gerade heute nötig - auch in unserer Trauer um die Opfer der Katastrophe in Japan!

Duisburg

Die Ereignisse in Japan bewegen die Menschen auch in Duisburg. Spontan versammelten sich deshalb am Samstagabend, 18 Uhr, rund 40 Demonstranten vor dem Hauptbahnhof. Die Duisburger Linke hatte am Nachmittag über das Internetportal Facebook zu dem Protest aufgerufen und viele geübte Demonstranten, etwa von der MLPD, Teilnehmer der Montagsdemos, aber auch politisch interessierte Studenten fanden sich ein. Teilweise haben sie auch über eine klassische Telefonkette von der Aktion erfahren.

Die spontan gemalten Plakate zeigten Kreuze und verglichen die Tragödie von Fukushima schon mit Tschernobyl. Auch Flaggen mit der Sonne, dem Markenzeichen der Anti-Atom-Bewegung, wehten im lauen Frühlingswind. Druck von der Straße soll Politiker aufrütteln. "Wir haben heute den ganzen Nachmittag vor dem Fernseher gesessen und die Ereignisse verfolgt. Es ist schlimm genug, dass wir für Japan nichts tun können, aber die Katastrophe zeigt, dass wir uns in Deutschland ebenso mit der Frage der Atomkraftwerke beschäftigen müssen", betont  ein ThyssenKrupp-Mitarbeiter. Er ist sich sicher, dass sich auf politischer Ebene nichts ändern wird. "Das geht nur über den Druck der Straße", sagt er kämpferisch.

Davon ist auch ein Politik-Student überzeugt: "Das ist das einzige Mittel, sich individuell zu solidarisieren." Eskortiert von der Polizei zogen die Protestler friedlich zur Königstraße. Dabei appellierten sie an die Politik und insbesondere an Bundesumweltminister Röttgen, in Deutschland die Atomkraftwerke abzuschalten. Am Montagabend wollen die Teilnehmer der Montagsdemo das Thema wieder auf die Tagesordnung setzen.