Politik

Was gibt's denn da zu feiern?

07.03.11 - Seit Tagen geht das jetzt schon so. Trara, helau, Geschunkel, Gesang und Party auf den Straßen. Zu allem Überfluss scheint auch noch die Sonne dazu. Dieses Volk mag verstehen, wer will. Ich sage: Da gibt's doch wirklich nichts zu feiern! Wochenlang haben wir uns die Nächte um die Ohren geschlagen für die armen Kinder und haben es doch gestemmt, dass die Hartz-IV-Leute jetzt 5 Euro mehr kriegen. Die hätten doch wirklich was zu feiern. Stattdessen muss sich unsere - in aller Bescheidenheit: große - Reform verunglimpfen lassen von den feiernden Karnevalisten: In Hockenheim gab es "Hartz-IV-Frösche", die keine großen Sprünge machen konnten.

Lange haben wir auch gegrübelt, wie wir zu neuen Technologien kommen können für eine Energiegewinnung im Sinne der Umwelt. Meinen Titel als Umweltkanzlerin muss ich doch pflegen. Und dann haben wir sie endlich gefunden, die Brücke! Das sind unsere sauberen Atomkraftwerke, die lassen wir jetzt so lange laufen, bis sie kaputt sind. Wenn möglich, werden wir sie natürlich schon vor dem Kaputtgehen abschalten, da würden wir uns wirklich Mühe geben. Aber nein: Theater überall, die Berufsdemonstranten mal in Stuttgart, mal in Gorleben, mal in Neckarwestheim. Und dann die Motivwagen - warum muss ich mir gefallen lassen, dass z.B. in Braunschweig mit Bezug auf ASSE und "S21" unsre Politik als Marionette der Wirtschaft verunglimpft wurde?

Sogar Guido hat neulich zu mir gesagt: Angela, mit diesem Volk macht's einfach keinen Spaß. Dabei ist der ja normalerweise nicht so zart besaitet, aber es bedrückt ihn halt auch, dass einem buchstäblich jedes Wort im Mund rumgedreht wird. Da hat er wegen Gaddafi erklärt, es gebe in der internationalen Gemeinschaft keinen Platz für jemanden, der seine eigenen Leute umbringt. Und dann schreit da so ein vorlautes Wesen: "Aber andere Leute kann man z.B. in Afghanistan gerne umbringen???" Ist mir auch schon passiert, als ich die Gewalt gegen Demonstranten in Tunesien kritisiert habe - "Und was ist mit den Demonstranten gegen S21?" kriegte ich das sofort zurück. Ich sage: Mit so einem Volk macht's wirklich keinen Spaß.

Und dann KT. Ehrlich, den habe ich schon ganz gern um mich gehabt, er ist ja ausgesucht adlig im Umgang. Aber kaum hatte der mal einen Fehler gemacht, ging sofort das Geschrei los. Überall ist unser politisches Ausnahmetalent jetzt Lachnummer im Karneval! Aber was ich wirklich übel finde: Ich soll da mit reingezogen werden! In Düsseldorf haben sie der Frechheit die Krone aufgesetzt mit einem Motivwagen, auf dem Guttenberg in einem Flugzeug im Kanzleramt einschlägt unter dem Titel "Merkels 11. September". Und jetzt beschweren sich schon die ersten, KT sei zu schnell abgetreten, die "Tagesschau" hätte wieder richtig Spaß gemacht, als er noch jeden Tag neue Fehler erklärt habe. Schade, dass das am Wochenende mit den Demos der Jungen Union für unseren Baron nicht so richtig geklappt hat. Sie waren doch in 21 Städten angemeldet, Hunderttausende sollten da auf die Beine gebracht werden. Tatsächlich wurde KT aber zum Spaßobjekt der Straße! In Hamburg haben die doch tatsächlich am Samstag Schilder getragen wie "Haargel ist kein Verbrechen" und "Monarchie – jetzt oder nie!"

Es fehlt ja an nichts zurzeit: Zu allem Übel sind jetzt auch überall die Frauen losgelassen, richtige Flintenweiber sind das doch! Am Samstag waren schon Hunderte auf den Plätzen und morgen wollen noch viel mehr Theater machen. Was gibt's denn da zu feiern, wenn die jetzt auch noch schamlos die Straßen stürmen?

Und jetzt E10, man gönnt sich ja sonst nichts. Das Volk will den Sprit nicht haben ...

Ja, liebes Tagebuch, ich sage: Den Job habe ich mir auch mal anders vorgestellt. Jetzt feiern sie überall Karneval oder Fasching und verhöhnen die Regierung. In Hockenheim führten sie beim Fasnachtszug einen "Merkelschen Zirkus" auf, in dessen Käfig steppende Bären und Löwen tanzten! Ich soll mir doch ein anderes Volk beschaffen, musste ich mir anhören. Das haben schon verschiedene Freunde versucht, Ben Ali oder Mubarak, auch Gaddafi will das jetzt. Hat leider noch nie geklappt. Sieht ganz so aus, als ob es auch am Aschermittwoch kein bisschen vorbei sei ...

Anm. von "rf-news":
In der Tat: Am Aschermittwoch lädt die MLPD in Gelsenkirchen, München, Nürnberg, Saarbrücken und Stuttgart zum "Politischen Aschermittwoch" - herzlich willkommen! Genaueres hier.