Umwelt

Auch in Japan Demonstrationen für Stilllegung aller Atomanlagen

18.03.11 - In einer weltweit abgestimmten Medienkampagne wird derzeit der Eindruck erweckt, als ob in der Atomkatastrophe in Japan noch eine Wende möglich sei, weil mit Hochdruck an den verschiedensten Rettungsmaßnahmen gearbeitet würde. Auch jetzt sind die Folgen der Katastrophe aber schon dramatisch. Natürlich hoffen die Menschen weltweit, dass es gelingt, noch Schlimmeres zu verhindern. Umso größer ist der Respekt vor den Katastrophenhelfern, die mit dem Einsatz ihres Lebens im Kraftwerk Fukushima I darum kämpfen.

Dass die Betreiberfirma Tepco jetzt erstmals öffentlich erwägt, das zerstörte Kraftwerk wie in Tschernobyl unter einer Schicht aus Sand und Beton zu begraben, spricht eher dafür, dass sich die Kernschmelze in mehreren Blöcken nicht mehr aufhalten lässt. Auch in Tschernobyl konnte dies weder den Prozess der Kernschmelze stoppen noch das Austreten von radioaktiver Strahlung. Auch würde eine Bedeckung des großen Komplexes mit Sand und Zement Wochen, wenn nicht gar Monate dauern, während denen riesige Mengen von Radioaktivität freigesetzt würden.

Umso wichtiger ist es angesichts der Desinformation der bürgerlichen Medien, die internationalen Proteste zu verstärken und eine globale Widerstandsfront für die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen aufzubauen. Außer in Deutschland kam es in den letzten Tagen unter anderem in Spanien, Frankreich und der Schweiz zu Protesten. In den USA sehen in aktuellen Umfragen bereits 70 Prozent die Nutzung der Atomenergie mit Sorge. Vor zwei Wochen waren es noch 57 Prozent.

Auch in Japan selbst entwickelt sich der Widerstand. In Tokio demonstrierten gestern hunderte meist junger Menschen für die Stilllegung der Atomkraftwerke. "Wir protestieren gegen die Kan-Regierung, die Menschen in Nordjapan umbringt. Wir fordern von der Regierung, die Atomkraftwerke stillzulegen und Nahrungsmittel in die von Katastrophen heimgesuchte Gegend zu bringen. Aber letztlich demonstrieren wir dafür, die Kan-Regierung zum Rücktritt zu bewegen", sagte eine Demonstrantin gegenüber einem Fernsehteam (hier ein Video dazu).

Auf Initiative der Gewerkschaft Doro-Chiba (Nationale Gewerkschaft der Eisenbahner) wird von verschiedensten Organisationen zu einer Großdemonstration am 20. März 2011 in Shibuya/Tokio aufgerufen. Sie beginnt um 13 Uhr im Yoyogi Park (Openair stage, B-Area, fünf Minuten entfernt von der JR Harajuku Station). Die Hauptlosungen des Aufrufs der Gewerkschaft sind: "Stilllegung aller Atomfabriken! Organisiert die Arbeiterhilfe! Folgt der ägyptischen Revolution!" Weiter heißt es darin:

"Der 'Mythos der Sicherheit' endete in wiederholten Explosionen der sechs Atomanlagen, die vollständig außer Kontrolle geraten sind. Genau in dieser Situation, in der sich die Lage so drastisch verschlimmert, hält die Regierung, die Atom- und Industrie-Sicherheitsagentur und die Tokio Electric Power Company (TEPCO) daran fest, zu verbergen, was tatsächlich passiert. ... Wir fordern von der Regierung, alle Informationen über die gegenwärtige Entwicklung zu veröffentlichen und jede mögliche und effektive Hilfe von allen kompetenten Experten anzunehmen, einschließlich derjenigen, die Atomanlagen ablehnen. Es müssen sofortige Vorkehrungen ergriffen werden, um sichere Zufluchtsorte für alle Einwohner zu schaffen!

Zehn- und Hunderttausende von Menschen, die von dem riesigen Erdbeben betroffen sind, werden von der Kan-Regierung ihrem Schicksal und dem Tod überlassen, die ihre völlige Unfähigkeit bewiesen hat, mit der ernsthaften Situation fertig zu werden. Die Politik der Regierung ist am Boden zerstört. Fünf Tage nach dem Erdbeben gibt es keine Vorkehrungen für die absolut notwendigen Dinge: Wasser, Verpflegung, Medikamente, Heizung, Decken usw. in der Region des Erdbebens. Die Kan-Regierung behindert jedoch den Transport und die Verteilung von Hilfsmaterial unter dem Vorwand, Verwirrung zu verhindern. ... Es ist absolut erforderlich, die unabhängige Hilfe durch die Arbeiterinnen und Arbeiter selbst zu organisieren. ...

Bringt Hilfsgüter und Spenden zu folgender Adresse: People’s Earthquake Relief Center, c/o National Coordinating Center of Labor Unions, Gohodo-Ito Building, 5th Floor, 2-4-10 Moto-Asakusa, Daito-ku, Tokyo, Zip Code 111-0041, Japan, Tel.: +81-03-3845-7461, Fax: +81-03-3845-7463, Email: doro-chiba@doro-chiba.org, Web: http://www.doro-chiba.org/"