Umwelt

Weltweiter aktiver Widerstand bricht sich gegen alle Hindernisse Bahn

Weltweiter aktiver Widerstand bricht sich gegen alle Hindernisse Bahn
Das Bild stammt vom Beginn der Demonstration in Tokio am 20. März

21.03.11 - Ein besonders ermutigendes Zeichen für den weltweiten aktiven Widerstand ist die gestrige Demonstration in Tokio mit einigen tausend Menschen. Sie widerlegen nicht nur die Behauptung, dass die Japaner angeblich alle Schicksalsschläge stoisch hinnehmen würden. Dazu heißt es in einem Bericht:

"Eine zentrale Losung war die nach sofortiger Stilllegung aller Atomanlagen. Immer wieder erinnert wurde an den Atombombenabwurf 1945: 'Was im Nordosten, in Fukushima geschieht, ist eine Wiederholung von Hiroshima und Nagasaki.' Die Kan-Regierung wurde von den Demonstrantinnen und Demonstranten wegen ihrer verbrecherischen Politik angeklagt. Teilnehmer erklärten: 'Die Regierung hat keine Absicht, das Atomprogramm zu stoppen und sagt, das wird niemals wieder passieren.'

Sie warfen der Kan-Regierung vor, das Volk in Japan zu belügen und die notwendigen Maßnahmen zu unterlassen: 'Sie bewegen sich viel zu langsam und es ist offensichtlich, dass sie die Wahrheit verbergen. Sie bezeichnen dies nicht als eine große Gefahr. Wenn wir auf die Offiziellen hören, wird das Leben unserer Kinder in Gefahr sein.' Berichtet wurde, dass ein konkretes Beispiel für die menschenverachtende Vorgehensweise der japanischen Regierung ist, dass sie erst am 21. März entscheiden will, ob der Verzehr und die Verbreitung von Lebensmitteln aus der Gefahrenzone überhaupt reglementiert werden soll. Die Demonstration forderte 'Weg mit der Kan-Regierung!', wozu sich ein Beispiel am demokratischen Volksaufstand in Ägypten genommen werden soll.

Aktivisten erklärten gegenüber 'rf-news', es ist immer noch schwierig, die Menschen für den aktiven Widerstand zu mobilisieren. Es hat sich zwar eine große Bereitschaft der unmittelbaren Hilfe entwickelt, die sich auch in vielen Spenden ausdrückt, zugleich sind größere Teile der Bevölkerung immer noch in einer Art Schockzustand. Sie betonten, dass sie alles daran setzen werden, damit sich auch in Japan der Massenwiderstand entwickelt. Die internationale Solidarität und der Widerstand, der sich weltweit, besonders aber auch in Deutschland entwickelt, ist für sie ermutigend und beispielhaft."

Die Atomkatastrophe in Japan bringt die jahrzehntelange Propaganda der Atomlobby zum Scheitern, dass die Atomenergie beherrschbar sei. Obwohl es Indizien für eine mögliche eingetretene Kernschmelze gibt, verkündete Japans Ministerpräsident Naoto Kan heute einen "langsamen, aber stetigen Fortschritt" in der Bewältigung der Atomkrise. Nur Stunden später wurden wieder Rauch aus dem Reaktor 3, eine erhöhte Strahlenbelastung und Rückzug der Helfer gemeldet. Der Gedanke drängt sich auf, dass die Massenmedien weltweit angehalten sind, die Dimension der Katastrophe möglichst klein zu reden. Soll hier ein von der Profitgier heraufbeschworener möglicher Massenmord vertuscht werden?

Die USA, Großbritannien und Frankreich haben mit aller Hektik ihren aggressiven Militärschlag gegen Libyen begonnen. Angeblich um militärische Ziele zu treffen. Bomben auf Tripolis sprechen eine andere Sprache. Wolfgang Münchau überschreibt seine Kolumne in der "Financial Times Deutschland" mit dem interessanten Titel "Die Kernschmelze des Kapitalismus" und weist auf die ganze Hilflosigkeit der Herrschenden hin: "Die gesamte Finanzkrisenpolitik verläuft ähnlich wie der verzweifelte Versuch des japanischen Energiekonzerns Tepco, mit Meerwasser die Brennstäbe unter Kontrolle zu halten. Man fummelt an den Symptomen, kann aber das eigentliche Problem nicht lösen. Solche Strategien fliegen am Ende auf."

Unkontrollierbar ist die Welt für das allein herrschende internationale Finanzkapital geworden, und wo immer es ein Buschfeuer zu löschen versucht, flammen wieder weitere, neue auf. Die internationale sozialistische Revolution ist die einzige positive und notwendige Alternative. Der Tatsache setzt Kanzlerin Angela Merkel seit Monaten stereotyp ihren Standardbegriff "alternativlos" entgegen. Also ihre Alternative ist, im Atomtod umzukommen, den Hunger von Millionen Menschen hinzunehmen und ohnmächtig zuzusehen, die Welt in einem Kriegsbrandherd vernichten zu lassen?

Gestern bei Anne Will stellte diese die Frage, ob "die Welt außer Kontrolle" geraten ist. Das ist tatsächlich eine gute Frage, die allerdings nicht beantwortet wurde. Der reaktionäre Historiker Arnulf Baring, von Will als "letzter Konservativer Deutschlands" vorgestellt, hatte die Stirn, nach Fukushima offen für die Weiterführung der Atomenergie zu plädieren. Seine Mitgäste beschimpfte er als Idealisten, die nicht bereit seien, die Welt anzuerkennen wie sie ist. Die Menschheit würde heute noch auf den Bäumen sitzen, wenn die Welt so wäre, wie sie Herr Baring sieht.

Die Hunderttausende, die letzte Woche in Deutschland für die Abschaltung aller Atomanlage auf die Straße gingen, denken anders. In der aktuellen bundesweiten Abstimmung "ausgestrahlt" haben sich in wenigen Tagen bis heute Mittag 269.049 für die sofortige Abschaltung aller 17 deutschen Reaktoren ausgesprochen.

Das aktuelle Buch von Stefan Engel "Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution" bringt auf den Punkt, was sich vor unseren Augen aktuell entfaltet:

"Die allgemeine Krisenhaftigkeit des Imperialismus hat sich universell entwickelt, sie bildet heute seine charakteristische Daseinsweise. Die chronische Strukturkrise auf der Basis der Neuorganisation der internationalen Produktion, die in tendenziell kürzeren Abständen und mit größerer Wucht ausbrechenden Finanz- und Wirtschaftskrisen, latente oder offene politische Krisen, die allgemeine Kriegsgefahr, die sich dramatisch zuspitzende Umweltkrise und die drohende menschheitsgefährdende Klimakatastrophe, die Krise des Neokolonialismus, die Krise der bürgerlichen Familienordnung und nicht zuletzt die Krise der bürgerlichen Wissenschaft und Weltanschauung sind heute internationale Erscheinungen. Sie bilden die allgemeine materielle Grundlage der Entstehung einer revolutionären Weltkrise, der objektiven und subjektiven Bedingung des Ausreifens der internationalen sozialistischen Revolution."

Heute sind in rund 700 Städten in Deutschland zum gleichen Zeitpunkt um 18 Uhr Mahnwachen, Kundgebungen und Demonstrationen mit den Opfern in Japan und für den sofortigen Atomausstieg geplant.

Großdemonstrationen am 26. März: Fukushima mahnt: alle AKWs abschalten!

Berlin: 12.00 Uhr, Potsdamer Platz (mit Teilnehmern aus Berlin, Branden- burg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen)

Hamburg: 12.00 Uhr, Moorweide/Dammtor (mit Teilnehmern aus Bremen, Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein)

Köln: 14.00 Uhr, Deutzer Werft (mit Teilnehmern aus Hessen, NRW, Rheinland-Pfalz und dem Saarland)

München: 14.00 Uhr, Odeonsplatz (mit Teilnehmern aus Baden-Württemberg und Bayern)