Umwelt

Fukushima: Nur noch eine Frage der Stromversorgung?

19.03.11 - Mit einer weltweit über die bürgerlichen Medien verbreiteten Desinformations- und Verharmlosungskampagne wird versucht, die Zuspitzung in dem außer Kontrolle geratenen AKW Fukushima auf das Problem zu reduzieren, dass es nur noch um die "Operation Stromversorgung" gehe, um die offensichtlich begonnene Kernschmelze in den Reaktoren durch eine Wiederinbetriebnahme der Kühlsysteme beherrschen zu können.

Es wird herunter gespielt, dass Millionen Menschen atomar verstrahlt werden. Es wird die verbrecherische Lüge verbreitet, dass "nur noch" die sechs Reaktorblöcke durch einen Sarkophag aus Sand und Beton wie nach der Atomkatastrophe 1986 in Tschernobyl abgedeckt werden müssten. Mit dieser gezielten Irreführung soll einem weltweiten Aufschwung der Front des aktiven Widerstands und einer politischen Weltkrise entgegen gewirkt werden.

Insbesondere die Demonstration am 20. März in Tokio hat weltweite Bedeutung für einen internationalen Kampf. Wenn die Kernschmelze einmal begonnen hat, weil die Hüllen um die Brennelemente im Reaktor verbrannt sind, lässt sich diese nicht mehr aufhalten. Das ist in Tschernobyl passiert. Im zerstörten Reaktor unter der Hülle aus Beton, die wegen der harten, radioaktiven Strahlung ständig erneuert werden muss, strahlen circa 40 Tonnen radioaktives Material, das erst in 24.000 Jahren die Hälfte seiner Radioaktivität verloren hat. Niemand weiß, was hinter der meterdicken alten Hülle schlummert, die Radioaktivität lässt keine Untersuchungen zu. Die in sich verschmolzene Masse zu bergen, ist unmöglich.

Die Hinweise, dass in Fukoshima die Kernschmelze eingesetzt hat, verdichten sich. Aktuelle Werte der radioaktiven Strahlenbelastung im Umkreis von 300 Metern um einen Reaktorblock liegen so hoch, dass Menschen nach ca. 10 Minuten eine tödliche Dosis abbekommen. Diese extrem hohe Strahlenbelastung ist ein Hinweis darauf, dass in mindestens einem Reaktorblock die Kernschmelze eingesetzt haben könnte.

Kritische Atom-Wissenschaftler stellen in einem von der "Bürgerbewegung für Kryorecycling..." veröffentlichten aktuellen Dossier fest, dass in Fukushima die Radionukliddichte in bodennahen Bereich sehr hoch sei. Dies hat die Folge, dass die Strahlenbelastung lokal und am Boden sehr stark ansteigt. Es sind vier Reaktorblöcke und ein Abklingbecken außer Kontrolle geraten und stark beschädigt. Dies kann im schlimmsten Fall zur Folge haben, dass das bis zu 120-fache der Menge an radioaktiven Stoffen wie in Tschernobyl freigesetzt wird.  

Die jetzt für Fukushima ins Spiel gebrachte Sandabdeckung brachte in Tschernobyl keinerlei Strahlenminderung, und es bestand danach die Gefahr, dass die Schmelze in das unter dem Reaktor geführte Löschwasser gelangen könnte, was eine Explosion mit der Kraft einer Fünf-Megatonnen-Atombombe zur Folge gehabt hätte. Dann wäre Europa weitgehend unbewohnbar gewesen. Deswegen mussten nach Ablassen des Löschwassers 2.500 Bergleute den Reaktor untergraben und von unten wurde der Reaktor mit dem Einbringen enormer Mengen an Blei in die Sandschicht versiegelt. Mindestens 1.500 dieser Bergleute starben in den folgenden zehn Jahren.

Nach Angaben der "Russischen Akademie der Wissenschaften" waren in Tschernobyl bis zu 800.000 Menschen, so genannte "Liquidatoren", im Einsatz, die trotz Schutzanzügen wegen der starken radioaktiven Strahlung oftmals nur wenige Minuten am Tag eingesetzt werden durften. Mindestens 50.000 von ihnen haben nachweislich Gesundheitsschäden erlitten oder sind bereits gestorben. Es ist vielleicht technisch möglich, die zerstörten Reaktoren mit einer Betonhülle wie in Tschernobyl zu versehen, aber das dauert wegen der starken "Nachzerfallswärme" zwei bis drei Jahre, erfordert Hunderttausende von Arbeitskräften und erfolgt in einem dicht besiedelten Gebiet in unmittelbarer Nähe des Ballungsgebietes um Tokio mit 36 Millionen Menschen.

Während von der japanischen Regierung und der Betreibergesellschaft immer neue Lügen verbreitet werden, dass die Kühlungsaktionen Erfolg hätten, nimmt die Strahlung am Reaktor und in der Umgebung ständig zu. Die japanische Regierung hat ein Fischfangverbot erlassen. Durch die Spülung der Reaktoren mit Meerwasser gelangten große Mengen radioaktiver Nuklide ins Meer. Fisch ist das Hauptnahrungsmittel in Japan. Die Verseuchung verschärft die Lebensmittelknappheit nach dem Tsunami. Das US-Militär hat für seine eingesetzten Soldaten einen Sicherheitsabstand von 80 Kilometern um Fukushima festgelegt. Notwendig ist, sofort mit der Massenevakuierung von Millionen Menschen zu beginnen, bevor sie radioaktiv verstrahlt werden. 

Im oben zitierten Dossier schreiben die Atomwissenschaftler: "Schon jetzt lässt sich absehen, dass diese nukleare Katastrophe weltweite Auswirkungen haben wird. An der Westküste der USA werden Vorbereitungen gegen eine radioaktive Verseuchung getroffen. Über das Meer gelangen radioaktive Substanzen in die Nahrungskette und verbreiten sich weltweit. Ebenso werden radioaktive Stoffe über die Aerosole weltweit verteilt. Wir können heute, 25 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl erst die vollen Auswirkungen beispielsweise in dem Anstieg der Krebserkrankungen in Ost- und Mitteleuropa sehen. Schätzungen ergeben, dass Tschernobyl bis heute ca. 100.000 Todesopfer gekostet hat Die weltweiten Auswirkungen der japanischen Nuklearkatastrophe werden über die nächsten Wochen und Monate sichtbar werden. Sie müssen Anlass sein, jetzt das sofortige Ende des 'Atomzeitalters' über einen aktiven Massenwiderstand einzuläuten."

Die Stärkung der weltweiten Front des aktiven Widerstands erfordert eine Überwindung der Verharmlosung dieser atomaren Katastrophe und Entlarvung der verbrecherischen Lügen.

Das Dossier kann hier als PDF-Datei herunter geladen werden.