Umwelt

"Geheimpapier" legt tatsächliche Gefährdung deutscher AKW offen

Duisburg (Korrespondenz), 19.03.11: Ein neuer Skandal bahnt sich um die bisherigen Behauptungen der Bundesregierung zur "Sicherheit" der deutschen AKWs an. Laut einem Papier des Bundesumweltministeriums sind alle Reaktoren, also auch die noch nicht abgeschalteten "neuen", Anfang der 1980er Jahre gebauten, weder gegen Erdbeben noch gegen Hochwasser oder gegen eventuelle militärische ("terroristische") Anschläge geschützt.

Das neu erarbeitete "Arbeitspapier" wird noch als Geheimpapier behandelt, wurde aber offensichtlich schon mehreren Medien zugespielt. Die weiteren und noch viel realistischeren Gefahren wie Materialschäden durch radioaktive Korrosion bei verlängerten Laufzeiten und dadurch entstehende Lecks in Reaktor und Primärkreislauf, Versagen von Ventilen, Kurzschlüsse und Kabelbrände mit Ausfall der Anlagen, werden dabei noch nicht einmal erwähnt.

Solche "Störfälle", die teilweise in den letzten Jahren nur knapp unterhalb eines GAU noch gestoppt werden konnten, hat es in den meisten AKWs bereits mehrfach gegeben! Der Fernsehsender "ntv" berichtete: Der langjährige Leiter der Abteilung für Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium, Wolfgang Renneberg, sprach von einer "unglaublichen Entwicklung". "Solch konsequente Forderungen sind bislang nicht bekannt geworden. Im Gegenteil, das Bundesumweltministerium hat bislang alles getan, um neueste Sicherheitsanforderungen nicht zu stellen." Renneberg war Leiter der Abteilung für Nuklearsicherheit im Bundesumweltministerium bis Anfang 2010, und wurde dann durch den Atomlobbyisten Gerald Hennenhöfer abgelöst.

Das Netzwerk "www.lobbypaedia.de" schreibt über ihn, er (verkörpere) "... wie kaum ein anderer in Deutschland das Prinzip Drehtür. In seiner Person verschmelzen Atomindustrie und Umweltministerium. Hennenhöfer ist seit Dezember 2009 erneut Leiter der Abteilung Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium unter Norbert Röttgen, ein Posten den er bereits in den 1990er Jahren unter der damaligen Umweltministerin Angela Merkel inne hatte. Gerald Hennenhöfers Wechsel vom Atomaufseher zum Atomlobbyisten (1998), dann zum Atomberater (2004) und schließlich erneut zum Atomaufseher (2009) sorgten zum Antritt der Regierung Merkel/Westerwelle für viel Wirbel in der Presse.

Die Bürgerinitiative Lüchow-Dannenberg kommentierte die erneute Berufung Hennenhöfers zum Atomaufseher mit folgenden Worten: 'Einen Atom-Lobbyisten, der skrupellos und bewusst alle Risiken ausblendet, an die Spitze der Atomaufsicht zu setzen, ist eine Unverschämtheit (...) Es darf nicht sein, dass sich die Atomindustrie quasi selbst kontrolliert' ." 

Sofortige Entlassung von Hennenhöfer und Rücktritt des Umweltministers Röttgen!