Betrieb und Gewerkschaft

1.500 auf Kundgebung zur Chemie-Tarifrunde - Atomkatastrophe berührt alle

Marl (Korrespondenz), 26.03.11: Die kämpferische Stimmung der Kolleginnen und Kollegen, die am 18. März auch aus den umliegenden Bezirken angereist waren, stand im Widerspruch zur klassenversöhnlerischen Losung der IGBCE-Führung "Wir wollen jetzt vom Aufschwung profitieren! Das ist unser Aufschwung. Wir wollen jetzt daran beteiligt werden". Die geforderten 7 Prozent Lohnerhöhung sind vom Arbeiterstandpunkt aus berechtigt und nötig.

Es geht nicht darum, Brosamen vom Tisch der Maximalprofite der Chemiekonzerne zu erhalten - abgesehen davon, dass die Belebung beim Export der deutschen Chemieindustrie keinen allgemeinen Aufschwung bedeutet. Kräftigen Beifall gab es auf der Kundgebung vor dem Chemiepark Marl nur, wenn die Chemiebosse mit klaren Worten angegriffen wurden.

Still war es am Anfang, als der Bezirksleiter der IGBCE,, Auerhahn zur Schweigeminute für die Opfer der dreifachen Katastrophe in Japan aufríef. Er behauptet dann, dass die IGBCE schon immer für Abschaltung aller Atomkraftwerke gewesen wäre und die Kohlekraftwerke als "Brückentechnologie" ansehen werden müsse. Die Frage, wie das Abschalten sofort durchgesetzt werden kann, war für uns der Ansatzpunkt, das neue Buch von Stefan Engel, "Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution", zum Verkauf anzubieten.

Es entwickelten sich tiefgehende, interessante und auch kontroverse Diskussionen. Abschalten ja, aber sofort - da gab es viele Einwände und Zweifel. Der Gedanke der Arbeiterklasse als Kern des aktiven Widerstands bekam spürbar Rückenwind durch die 1.500 Gewerkschaftsfahnen schwingenden Kolleginnen und Kollegen. Auf Zustimmung stieß die Aussage, dass die Arbeiterklasse heute sich als internationale Kraft formieren muss.

Strittig, aber ernsthaft diskutierten wir die Fragen von Sozialismus und Revolution, wenn die Menschheit nicht in der kapitalistischen Barbarei untergehen will. Auch wenn wir kein Buch verkaufen konnten, sondern nur die "Rote Fahne" den Besitzer wechselte, so nahmen doch eine Reihe Kollegen nach den Diskussionen den neuen Werbeflyer zu dem Buch, um sich darüber noch weiter zu informieren.