Betrieb und Gewerkschaft

Daimler-Kollegen wehren sich gegen Arbeitshetze

Bremen (Korrespondenz), 24.03.11: Seit Wochen schon rumort es unter den Kollegen. Das mörderische Arbeitstempo ist nicht mehr durchzuhalten. Es gibt keinerlei Ruhephasen, Springer schon lang nicht mehr - selbst die Meister stehen am Band. Denn es heißt: "Stückzahlen, Stückzahlen, Stückzahlen... ." In Sindelfingen haben zwei spontane selbstständige Streiks die Senkung der Bandgeschwindigkeit erzwungen. Das hat sich in Bremen rumgesprochen.

Seit zwei Wochen hat sich in Halle 3 (SL-Montage) die Situation noch verschärft. Die Nachtschicht, bisher nur mit halber Geschwindigkeit und halber Personalstärke, fährt jetzt voll - aber neue Kollegen dafür gibt es nicht. Die werden von Früh- und Spätschicht abgezogen. Und seit dieser Woche ist in Halle 9 (C-Klassenmontage) dasselbe Spiel. "Jetzt reichts!" fanden die Kollegen und beschlossen, am Mittwoch, 23. März, zu Beginn der Spätschicht die Bänder anzuhalten.

Das taten dann die Abteilungsleiter! Aus purer Angst, dass sich hier ein selbstständiger Streik entwickelt, ergriffen sie im Auftrag der Werkleitung die Initiative und beriefen eine Versammlung aller Vertrauensleute und Betriebsräte der Halle 9 ein. Für 35 Minuten standen die Bänder. Auf "Flipcharts" notierten sie, was den Kollegen stinkt. Dabei wiederholten sie wie tibetanische Gebetsmühlen, sie könnten nichts machen, der Krankenstand sei zu hoch (Ja warum ist er wohl so hoch?), sie hätten keine Befugnisse, Personal einzustellen oder die Bandgeschwindigkeit zu senken ...

Als ein Vertrauensmann vorschlug, "dann gehen wir eben gleich zum Werkleiter", versuchte ihn ein Abteilungsleiter einzuschüchtern: "Ich besorge Ihnen gern ein Vier-Augen-Gespräch mit dem Werkleiter." Da die Drohung nicht wirkte, schob er nach, dass der Werkleiter "gar nicht im Hause" sei. Um weiter "Druck aus dem Kessel" zu nehmen, wurde nach diesen 35 Minuten Bandstillstand die Bandgeschwindigkeit eine weitere Stunde um 10 Prozent abgesenkt. Geht doch!

Heute trifft sich um 14.00 Uhr der Betriebsausschuss des Betriebsrats mit der Werkleitung. Wie man hört, soll es dabei darum gehen, dass die Werkleitung weitere Sonderschichten vereinbaren will und Schichtverlängerungen - im "Gegenzug" dann ein paar Festeinstellungen zusagen will. Das ist das altbekannte Erpressungsszenarium, auf das sich die Kollegen nicht mehr einlassen wollen. Deshalb ist für heute eine größere Aktion vor dem Krawattenbunker geplant.

Und für Freitag wurde bereits dieselbe Aktion wie am Mittwoch vereinbart. Da sollen die Abteilungsleiter dann berichten, ob und wie die Forderungen der Kollegen nach Festeinstellungen, Übernahme der Zeitarbeiter, Senkung der Bandgeschwindigkeit und mehr Erholungspausen umgesetzt werden. Bei all dem keimt immer mehr der Gedanke auf: Wenn wir wirkungsvoll etwas erreichen wollen, müssen wir einen konzernweiten Kampf führen!