Umwelt

Weitere Berichte von Montagsdemos und Protesten gegen die Atompolitik

Weitere Berichte von Montagsdemos und Protesten gegen die Atompolitik
Kundgebung in Hagen am 21. März

24.03.11 - "rf-news" erhielt weitere Berichte über Demonstrationen und Kundgebungen für die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen, die meist in Verbindung mit den Montagsdemonstrationen statt fanden (hier die ersten Berichte von Montag Abend und das "Thema des Tages" vom Dienstag). Die MLPD ruft ebenfalls zur Teilnahme an den Großdemonstrationen am kommenden Samstag, den 26. März, in Berlin, Hamburg, Köln und München auf (alle Informationen zu den Demonstrationen hier). Hier weitere Berichte von dieser Woche:

Ahaus: Am 20. März fand in Ahaus eine Demonstration gegen Atomkraft statt. Eltern waren mit ihren Kindern gekommen, ebenso auch Jugendliche, jüngere und ältere Erwachsene. Insgesamt waren es ca. 250 Teilnehmer. Neben dem Organisator, der Bürgerinitiative Ahaus, waren auch weitere Organisationen und Parteien vertreten, darunter auch die Linkspartei, die MLPD und die Grünen. Gemeinsam forderten sie den sofortigen Atomausstieg und gedachten der Opfer in Japan, kritisierten aber auch die Bundesregierung für ihre Laufzeitverlängerung und ihrem Täuschungsversuch durch die zeitweilige Aussetzung der Laufzeit der Atomkraftwerke. Die MLPD verkaufte die "Rote Fahne" und verteilte die aktuellen Flugblätter zum sofortigen Atomausstieg. Eine Vertreterin der MLPD hielt einen sehr kämpferischen Beitrag, forderte zum aktiven Widerstand auf und zur Solidarität durch direkte Spenden an die Bevölkerung von Japan, betonte aber auch, dass die japanische Bevölkerung mit unserer Unterstützung einen Widerstand selbst entwickeln muss. Nach ca. zwei Stunden wurde die Veranstaltung beendet. Eine Teilnehmerin der Proteste in Ahaus berichtete, dass in ihrer Heimatstadt Coesfeld auch eine Kundgebung von ca. 60 Leuten stattgefunden hatte. Eine weitere Demonstration gab es auch in der Ortschaft Havixbeck bei Münster. Weitere Demonstrationen im Münsterland sind in der nächsten Woche geplant, näheres auch unter der Seite www.sofa-ms.de.

Aschaffenburg: "Stilllegen - jetzt!" So hallte es durch die Straßen, als in Aschaffenburg am Montag 500 Leute durch die Innenstadt zogen, um gegen die Atompolitik der Bundesregierung zu protestieren. "Aktiver Widerstand - keine AKWs im Land!" und "Rettet die Umwelt vor der Profitgier!" wurde ebenfalls gerufen. Trommeln und Pfeifen bestärkten das. Zuvor führten wir unsere "aktive" Mahnwache durch, auf der zunächst das Mitgefühl und die Solidarität mit den Betroffenen in Japan ausgedrückt wurde. Zwei Protestlieder, mehrere Transparente und Plakate gaben der Kundgebung einen bunten Rahmen. Verschiedene Redner von der MLPD, den Friedenstrommlern, der SPD, den Grünen, der Linkspartei und auch von nicht organisierten Teilnehmern bekräftigten die Forderung nach der sofortigen Stilllegung aller AKWs. Der Redner der MLPD widerlegte die wichtigsten Lügen, mit denen der Weiterbetrieb der AKWs begründet werden soll, z.B. dass die Regierung jetzt mit ihrem Moratorium ernsthafte Lehren aus Fukushima ziehen will, oder die Atomanlegen in Deutschland sicher seien bzw. gemacht werden könnten. Er stellt das kapitalistische Profitsystem grundsätzlich infrage, das heute ohne rücksichtslos Zerstörung der natürlichen Umwelt nicht mehr existieren kann. Ein Redner von den Friedenstrommlern ermutigte die Menschen zum Widerstand. Er wies unter anderem auf Erfolge wie die Verhinderung der Wiederaufbereitungsanlage in Wackersdorf hin, aber auch auf den erst vor kurzem siegreichen Widerstand dagegen, aus dem nahe gelegenen Naturschutzgebiet Hafenlohrtal ein großes Staubecken zu machen. Auf der Abschlusskundgebung erklärten sich verschiedene Organisationen und Teilnehmer bereit, in einer Koordinierungsgruppe mitzuarbeiten, um diese montäglichen Proteste weiter zu organisieren, bis alle AKWs stillgelegt sind. Es soll auch überlegt werden, wie neue Mitstreiter gewonnen werden, z.B. unter der Jugend und aus den Betrieben.

Bochum: Am letzten Montag beschlossen Kernkraftgegner, auch diesen Montag eine Kundgebung gegen die Atomkraft auf dem Rathausvorplatz durchzuführen. Die Bochumer Montagsdemo beteiligte sich erneut und die reguläre Montagsdemo am Husemannplatz fiel aus. Gleichzeitig fand eine Mahnwache der Anti-Atom-Bewegung vor dem Hauptbahnhof statt. Auf Wunsch der Demoteilnehmer gab es auch auf dem Rathausvorplatz zunächst eine halbstündige Mahnwache, danach ging es mit einer Diskussion am offenen Mikrofon weiter. "Die Atomkraft ist unbeherrschbar. Durch die Presse geht, dass die zerstörten Atomblöcke des Atomkraftwerkes Fukushima an das Stromnetz angeschlossen wurden und die Kühlung angeblich wieder in Gang kommt. Wenig später lautete die Meldung, dass aus dem Block wieder eine Rauchwolke ausgetreten ist und die Temperatur im Reaktorinneren stetig angestiegen ist", leitete einer der Moderatoren die Debatte ein. "Das dreimonatige Abschalten der deutschen AKW`s und die Stillegung der sieben ältesten Kernkraftwerke ist nur Augenwischerei, um das Volk zu beruhigen. In Wirklichkeit wird die Laufzeitverlängerung der AKW`s nicht angetastet, da es ja um die Profite der Atomkonzerne geht", lautete eine Wortmeldung. Ein Beschäftigter von Opel berichtete: "Obwohl in unserem Werk in Kürze 1200 Arbeitsplätze auf der Kippe stehen, ist der Widerstand gegen die Atomkraft ein wichtiges Thema. Die meisten Beschäftigten unterstützen die Protestdemos gegen die Atomkraftwerke und forderten die sofortige Abschaltung aller AKW`s." Zum Abschluss der Kundgebung wurde einstimmig beschlossen: Am kommenden Montag, 28. März, beteiligen sich die heutigen Teilnehmer der Kundgebung auf dem Rathausvorplatz an der wiederholt angekündigten Mahnwache vor dem Bochumer Hauptbahnhof, anschließend gibt es um 18.45 Uhr auf der Kortumstr. zwischen Citipoint und Drehscheibe Gelegenheit, am offenen Mikrofon zu diskutieren.

Dresden: Etwa 450 Leute demonstrierten ab 18 Uhr durch die Innenstadt ausdrücklich und lautstark für "Abschalten" aller Atomkraftwerke. An der Spitze des Zuges liefen Montagsdemonstranten mit ihrem Transparent "Um uns selber müssen wir uns selber kümmern". Der Zug endete an der "Flutwelle" - einem symbolhaften Gedenkort an das katastrophale Hochwasser 2002, aber auch einem Zeichen der Solidarität - mit einer Gedenkminute für die Opfer von Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe in Japan.

Esslingen: Bei sonnigem Wetter versammelten sich etwa 20 interessierte Teilnehmer zur 300. Montagsdemo in Esslingen. Heute begrüßten wir als Gast die Landtagskandidatin der Partei "Bündnis 90/Die Grünen", Andrea Lindlohr. Sie stellte kurz einige Gedanken zum Wahlkampfprogramm ihrer Partei vor, so zur Atompolitik, zur Bildungspolitik und zu Hartz IV. Zum Atomausstieg setzt sie nach wie vor auf einen stufenweisen Rückzug aus dieser Technologie bis zum Jahr 2017. Die Lage im japanischen Kraftwerk Fukushima beschäftigte uns anschließend. Wir konnten für den heutigen Tag keine Einigung erzielen, werden aber in der nächsten Woche um 17 Uhr mit der Kundgebung beginnen, so dass wir insbesondere die Delegierten nach Kassel wählen und ab 18 Uhr an der Mahnwache für die Abschaltung aller Atomkraftwerke teilnehmen können.

Hagen: Es waren am Montag ca. 300 Teilnehmer da, d.h. sie haben sich vom 14. auf den 21. März verdreifacht. Das wollen wir für den 28. März auch wieder schaffen. Im Vorfeld hatten sich verschiedenste Teilenehmer und Organsionen aus der Umwelt- und Friedensbewegung sowie politische Organisationen getroffen und sich auf ein Motto, Ablauf und die weitere Zusammenarbeit vereinheitlicht. Die Montagsdemo-Bewegung gegen Hartz IV hat ihre Kundgebung um eine halbe Stunde vorverlegt und war mit ihrem offenen Mikrophon bei der Protestaktion eine Bereicherung. Das offene Mikrophon wurde sehr engagiert aufgenommen und viel genutzt. Zahlreiche Argumente wurden in den verschiedenen Beiträgen zur sofortigen Abschaltung der Atomkraftwerke vorgebracht. Vor allem Frauen waren gefühlsmäßig von der Situation aufgewühlt. Eine Mutter brachte es so zum Ausdruck, dass sie nicht irgendwann von ihren Kindern den Vorwurf hören wolle, aus Angst nicht aktiv geworden zu sein.

Hamburg: Ca. 17 Teilnehmer trafen sich auf der Hamburger Montagsdemo, um die Delegierten für das Delegiertentreffen der Bundesweiten Koordinierungsgruppe und Kandidaten für die Kandidatur der Bundesweiten Koordinierungsgruppe, auf offener Straße zu wählen. Danach gab es eine Abstimmung darüber, ob die Hamburger Montagsdemo sich mit der Anti-AKW-Demo vor dem Vattenfall-Büro zusammenschließen soll. Auch hier war das Ergebnis einstimmig dafür. Mit neuen Anti-AKW-Rufparolen liefen wir zum Vattenfall-Büro, wo ca. 500 Leute, darunter weitere 20 Teilnehmer der Hamburger Montagsdemo, standen. Es gab neben Redebeiträgen von Mitgliedern verschiedener Organisationen noch eine Musikband, die spielte. Gegen Ende der Kundgebung spielte unsere Band "Pepperoni" und sorgte so für Aufmerksamkeit. Zahlreiche Passanten blieben stehen und hörten aufmerksam zu. Die Hamburger Montagsdemo ruft alle auf, am Samstag, den 25. März, um 12 Uhr bei der nächsten Anti-AKW-Demo in der Innenstadt mit dabei zu sein!

Herne: Gut fünfzig Menschen hatten sich zusammengefunden zu einer Gedenk- und Protestkundgebung unter der Forderung: Sofortige Abschaltung aller Atomanlagen - weltweit. Die Herner Montagsdemo und der Frauenverband Courage hatten dazu aufgerufen und führten gemeinsam mit der MLPD eine Kundgebung in der Fußgängerzone durch, die das Mitgefühl der Hernerinnen und Herner mit den Menschen in Japan und auch die Wut auf die Betreiber der Atomanlagen und die Regierungen zum Ausdruck brachte. Einig waren sich die Teilnehmer auch darin, dass Kohlekraftwerke keine Alternative sind, sondern auf erneuerbare Energien gesetzt werden muss. Die Herner Montagsdemo wird sich in den nächsten Wochen weiter mit der Atomkatastrophe in Japan und Forderungen zum Erhalt der natürlichen Umwelt beschäftigen. Kritisiert wurde, dass die Grünen am kommenden Montag genau um 18 Uhr eine separate Mahnwache durchführen wollen. Nur im aktiven Widerstand mit einer breiten Basis kann die Abschaltung der Atomanlagen durchgesetzt werden!

Kempten: Am Montag Abend um 18.00 Uhr fand auch in Kempten eine Anti-Atom-Demo statt. Ca. 300 bis 400 Menschen, darunter viele Jugendliche, bildeten eine Menschenkette durch die gesamte Füßgängerzone und forderten die Abschaltung der Atomkraftwerke. Am nächsten Montag soll erneut ein Demo stattfinden.

Köln: Als eine von über 700 Mahnwachen in Deutschland versammelten sich in Köln vor dem Dom um 18 Uhr etwa 300 Menschen, obwohl am Samstag bereits eine Demonstration mit ca. 2000 Leuten stattgefunden hatte. "Abschalten jetzt" – das war glasklar die immer wieder lautstark skandierte Forderung. Das Regierungsmoratorium erntete Spott und Verachtung. Am von der Montagsdemo organisierten "offenen Mikrofon" wurde diskutiert - verschiedene Redner zeigten, dass eine Energiewende sofort möglich ist, und die so genannte Brückentechnologie Atomkraft ein Betrug. Ins Zentrum rückte das kapitalistische Profitstreben, das mit der Atomenergie über Leichen geht. Der Fukushima-Betreiber Tepco soll seine Leiharbeiter bewusst aus den Ärmsten der Gesellschaft rekrutiert haben und diese als "Wegwerfarbeiter" bezeichnet haben – so ein Schlaglicht, das die ganze Denkweise offenbart. Zu den Glocken des Doms wurde eine Schweigeminute abgehalten – für die Opfer des Tsunami, für die Arbeiter, die unter Einsatz ihres Lebens versuchen, der Katastrophe im Interesse der ganzen Menschheit Herr zu werden. Eine türkische Kollegin verband das Newroz-Fest - das am gleichen Tag statt fand und mit dem Symbol des Feuers arbeitet – mit dem Widerstand gegen die Atompolitik – auch hier muss (symbolisch) Feuer gelegt werden! Überhaupt waren diesmal auch Migranten mit von der Partie – die SPD-Fahnen hingegen fehlten diesmal. Am Samstag wird in Köln eine der vier Großdemos stattfinden – die Teilnehmer der Mahnwache heute werden sicher alle dabei sein.

Krefeld: Am Samstag, 19. März, demonstrierten in Krefeld ca. 1.000 Menschen für das Abschalten aller Atomkraftwerke. Es sprachen Bürgermeister von SPD und Grünen, Vertreter vom Niederrheinischen Umwelt Verein (NUV), Attac, Altkatholischer Gemeinde, ein IGM-Jugendvertreter, ein Vertrauensmann von Siemens und der Hauptorganisator von der DKP.

Mannheim: Ein Bündnis aus Umweltforum, Gewerkschaften und "100 pro Energiewende" hatten zur gestrigen Mahnwache aufgerufen und ca. 1.500 Menschen nahmen daran teil - mehr als vor einer Woche. Das Bündnis hatte ausdrücklich Parteienvertreter ausgeschlossen, so dass nur je ein Vertreter von drei Bündnissen auf der groß eingerichteten Bühne sprach. Aber die Forderung von allen war klar: "Abschalten sofort!" Nach der Kundgebung gab es eine spontane Demo, die am Wasserturm endete; anschließend zogen noch etwa 150 Jugendliche vor den Rosengarten, um gegen Westerwelle zu protestieren, der dort drinnen auftrat. Die Mahnwache war auf 18 Uhr festgelegt worden und nicht dort, wo immer die Montagsdemo steht, wie noch vor einer Woche, sondern am Marktplatz. Daraufhin hatte die Montagsdemo in einer kurzen Auftaktveranstaltung beschlossen, sofort ebenfalls zur Mahnwache zu gehen und ab dem kommenden Montag die Montagsdemo-Veranstaltung um eine Stunde vorzuverlegen (17 Uhr).

Münster: In Münster fand am 21. März erneut eine Kundgebung mit anschließender Demonstration statt. Mindestens 2.000 Leute hatten sich auf dem Domplatz versammelt. Organisator war das Bündnis SofA-Münster (sofortiger Atomausstieg) Neben den Organisationen NABU und BUND waren auch Vertreter von ÖDP, Grüne, MLPD und Linkspartei bzw. deren Jugendorganisation Solid vertreten. Die MLPD verteilte ihr Flugblatt für den sofortigen Atomausstieg und bot den Teilnehmern auch das Buch "Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution" an. Viele fanden dieses Buch interessant und diskutierten auch über eine sozialistische Gesellschaft.

Schweinfurt: Es fanden sich ca. 700 Schweinfurter Bürger, mehr als am Vormontag ein. Teilweise nahmen an diesen Veranstaltungen auch Schichtarbeiter aus einem Großbetrieb teil, nachdem sie die Ausfall-Zeit gestochen haben. Unterstützung fanden auch die Hinweise, dass die Profitgier durch das Kapital immer wieder auch keine Rücksicht auf die Natur nimmt. So wird auch die Verschwendung der Energie nicht angegangen. Warum werden so viele Güter einfach hin und her transportiert und nicht vor Ort fertig gestellt.

Witten: Die Montagsdemonstration in Witten befasste sich ausschließlich mit der Natur- und Atomkatastrophe in Japan. Betroffen zeigten sich viele Redner von dem über die Menschen hereingebrochenen Unglück durch Erdbeben und Tsunami. Doch die verheerende nukleare Verseuchung hat mit Schicksal nichts zu tun, sondern ist Ergebnis einer auf Profitmaximierung basierenden Energiepolitik. Doch dies kann nach Japan nicht länger hingenommen werden. Statt den Atomkraftgegnern den Vorwurf der Instrumentalisierung des Elends der japanischen Bevölkerung zu machen, sollten jetzt ernsthafte und verantwortungsbewusste Konsequenzen gezogen und weltweit alle Atomanlagen sofort stillgelegt werden. Bei einem Stromanteil von weltweit unter 5 Prozent ist die Behauptung, dass dann die Lichter ausgehen würden, wenig glaubhaft. Die Montagsdemo wird das Thema weiter auf der Tagesordnung lassen. Der Schutz vor atomarer Verseuchung ist zwar nicht alles, doch ohne lebenswerte Umwelt verlieren alle anderen wichtigen Fragen der Menschheit an Bedeutung. Deshalb ging die Montagsdemo im Anschluss zur Kundgebung und Demonstration am Rathausplatz und wird den Aufbau einer aktiven Widerstandsbewegung für eine sofortige Stilllegung aller Atomkaftanlagen unterstützen.