Umwelt

Montagsdemonstrationen bündeln die Kräfte im Widerstand

30.03.11 - Auch an diesem Montag gingen bundesweit wieder zahlreiche Menschen im Rahmen der Montagsdemonstrationen gegen die unsoziale Politik der Bundesregierung und für die sofortige Stilllegung der Atomkraftwerke auf die Straße. Hier die bei "rf-news" dazu eingegangenen Berichte:

Albstadt/Balingen: Erneut demonstrierten in Balingen und Albstadt am 28. März jeweils um 18.00 Uhr insgesamt etwa 90 Menschen für den Ausstieg aus der Kernkraft. In Balingen standen bei der Kundgebung von Montagsaktion, AKW-Gegnern und "S21"-Gegnern die Ergebnisse der Landtagswahlen aber auch die katastrophale Entwicklung in Fukushima und die Desinformationspolitik im Mittelpunkt. Es waren etwas weniger als letzten Montag. Die Freude, dass Mappus weg ist, war allen gemeinsam. Es gibt teilweise Hoffnungen in die neue "grün-rote" Regierung, aber es scheint so, dass die Wachsamkeit und der Wille, selbst aktiv zu werden, nachhaltig gewachsen sind. Kritisiert wurde, das offensichtlich die Ankündigung der heutigen Aktion mit einer Pressezensur belegt wurde. Mehrere unterschrieben für den sofortigen Ausstieg aus der Atomkraft. Das Interesse, sich nächsten Montag wieder zu treffen und auch an weiteren Aktivitäten wie am 26. April, dem 25. Jahrestag der Tschernopyl-Katastrophe, ist da.

Aschaffenburg: An diesem dritten Montag hintereinander protestierten wieder über 350 Teilnehmer bei der Kundgebung in Aschaffenburg gegen die Atompolitik der Bundesregierung. 450 waren wir dann bei der anschließenden Demonstration durch die Innenstadt zum Rathaus. Die Losung "Aktiver Widerstand – keine AKWs im Land!" prägte die Stimmung. Sie wurde gleich zu Anfang eingeübt, dann auf der Demo lautstark gerufen und durch Trommelwirbel unterstützt, und schließlich auf der Abschlusskundgebung sogar gesungen! Großen Beifall erhielten vor allem kämpferische und kapitalismuskritische Beiträge. Die Redebeiträge waren geprägt von der Auseinandersetzung, ob wir nur für einen "möglichst schnellen" Ausstieg sind, wie es die Grünen und die SPD wollen, oder ob wir "Stilllegen jetzt!" für alle AKWs fordern. Diese Forderung leuchtete auf unserem neuen Fronttransparent, das von dem letzte Woche gegründeten Anti-Atom-Bündnis erstellt worden war. Diese Bündnis soll dazu beitragen, dass der Widerstand besser organisiert wird – sowohl zur Klärung politischer Fragen als auch für die Mobilisierung von noch mehr Mitstreitern. Das neue Flugblatt der MLPD wurde wieder in großer Menge verteilt und einige Jugendliche wollen in der Widerstandsgruppe des REBELL mitmachen.

Augsburg: Nach der anfänglichen Betroffenheit unter den Menschen, angesichts der schrecklichen Bilder aus Fukushima, die 1.000 Augsburger zur Mahnwache und zum offenen Mikro brachten, flaut der Straßenprotest etwas ab. Am gestrigen Montag trafen sich dennoch 300 Menschen zur Mahnwache und 150 demonstrierten zum Mikrophon, um weitere Schritte zu beraten. Ein im bisherigen Protest gestecktes Ziel, nämlich die Gründung eines Bündnisses zur Weiterentwicklung des Protestes, galt es zu verwirklichen. Dies ist der Bewegung mit dem anschließenden Gründungstreffen des "AntiAtomForum" (siehe "Facebook") gelungen. Ziel des Forums ist es, alle Protestierenden mit geeigneten Methoden überparteilich mit ins Boot zu holen. Dazu wird der Protest in Augsburg jeden Montag weitergeführt – bis das letzte AKW vom Netz ist - beginnend um 18 Uhr am Rathausplatz mit der Mahnwache, um ein stilles Gedenken an die Opfer mit einer bundesweiten Einheit zu ermöglichen. Anschließend findet eine Demonstration zu verschiedenen Zielen statt. Die Demonstration wird sich zum offenen Mikro begeben – um mit Kulturbeiträgen und kreativen Aktionen den Protest zu erweitern und für alle Gruppen zugänglich zu machen. Wichtig ist es nun auch wirklich, alle Beteiligten ins Boot auf gleiche Augenhöhe zu bringen, denn leider entwickelt sich die Situation in Augsburg so, dass die Mahnwache unter der Führung der Grünen, stark verbunden mit parteipolitischen Zielen, vom Bündnis des "AntiAtomForum" abgekoppelt wurde. Damit wird dem gesamten Protest eine gehörige Kraft genommen. Das "AntiAtomForum" arbeitet daran, eine Einheit im Protest gegen die AKW–Politik herzustellen.

Bochum: In Bochum demonstrierten rund 250 Leute vor dem Hauptbahnhof gegen die Kernkraft. Zu dieser Kundgebung hatten unter anderem das Anti-Atom-Plenum, die GRÜNEN und mehrere Organisationen aufgerufen. An dieser Kundgebung nahm auch die Bochumer Montagsdemo teil. Obwohl diese Veranstaltung als Mahnwache gedacht war, gab es Redebeiträge von einigen Referenten. Der Tenor war, dass alle AKW`s sofort abgeschaltet werden müssen. Außerdem wurde zu weiterem Widerstand mobilisiert. Am 26. April soll es in Gronau, dem Sitz einer der unsichersten Atomanlagen in Deutschland, eine Großdemo geben. Außerdem wurde am kommenden Samstag, 2. April, zu einer Kundgebung in Essen aufgerufen. Nach der Kundgebung soll der Hauptsitz von RWE in Essen von den Demonstranten umzingelt werden. Im Gegensatz zur Bochumer Montagsdemo gab es bei der Kundgebung am Hauptbahnhof kein offenes Mikrofon, so dass es anschließend in einem Demozug durch die Huestraße und dem Dr.Ruer-Platz zu einer weiteren Kundgebung auf der Kortumstr. zwischen Citypoint und Drehscheibe ging, wo jeder - mit Ausnahme von Faschisten - seine Meinung äußern konnte. Es entwickelte sich eine lebhafte und längere Diskussion am offenen Mikrofon, zeitweise waren gut 60 Personen anwesend. "Fukushima ist überall", rief eine Rednerin, "wir müssen alles tun, damit sämtliche AKW`s sofort abgeschaltet werden!" Eine Demonstrantin, die aus den USA stammt, schilderte die Reaktion der amerikanischen Bevölkerung auf die Situation in Fukushima. "Bisher war sich ein Großteil der amerikanischen Bevölkerung noch nicht der Gefahren durch die Atomkraft bewusst. Jetzt wächst auch dort der Widerstand gegen die Kernkraft." Weiterhin wurden auf der Kundgebung zwei Delegierte für das Vorbereitungstreffen der bundesweiten Montagsdemo in Kassel gewählt. Auf diesem Treffen soll unter anderem der Termin für die nächste bundesweite Demo in Berlin gegen die Hartz-Gesetze festgelegt werden.

Bremen: Nach den riesigen Anti-AKW-Demos am Samstag (aus Bremen waren Tausende nach Hamburg gefahren – dort fand mit ca. 50.000 Teilnehmern die größte Demonstration seit Jahrzehnten statt) waren am Montag nicht so viele auf den Marktplatz gekommen wie die beiden Wochen zuvor. Außerdem erschienen weder Grüne noch SPD – entgegen ihrer Ankündigung von der Vorwoche. Ob sie meinten, mit der Abwahl von Mappus in Baden-Württemberg sei das Ziel schon erreicht? Auch ohne sie waren aber über 1.000 Menschen auf dem Marktplatz, hörten zu oder beteiligten sich am Offenen Mikrofon der Montagsdemo. Im Mittelpunkt dabei stand häufig der Zusammenhang von Anti-AKW- und sozialer Protestbewegung und die Notwendigkeit eines weltweiten aktiven Widerstands gegen die Umweltverbrecher in Regierung und Konzernen. Viel Beifall gab es, als berichtet wurde, dass in Stuttgart am Abend vorher das Ende der Mappus-Regierung gefeiert wurde und der Bauzaun am Bahnhof für "S21" gleich umgerissen wurde. Viel Beifall auch dafür, dass der Widerstand in Betrieben und auf der Straße jetzt erst recht wichtig ist – die Wahl allein noch nichts entscheidet. An der anschließenden Demo beteiligten sich anfangs etwa 1.000 Leute. Schade war, dass es wieder keinen gemeinsamen Abschluss der Demo gab: Der vorneweg gehende Block ließ die Demonstranten im Unklaren über die Demoroute und entgegen Absprachen zog er am Bahnhof vorbei. Am Bahnhof wurde dann vom kleineren Teil eine Abschlusskundgebung gehalten und ein "Schwabenstreich" durchgeführt, während ein immer kleiner werdender anderer Teil weiter ins "Viertel" zog. Die Notwendigkeit des weltweiten Widerstands gegen die Atomverbrecher erfordert große Solidarität – deshalb sollten unbedingt persönliche oder Gruppeninteressen zurückgestellt werden, so und gemeinsam und gleichberechtigt das weitere Vorgehen geplant werden. Die Kräfte müssen gebündelt und nicht zersplittert werden.

Esslingen: Die Protestbewegung gegen die Atomkraftwerke wurde bisher vom BUND getragen. Da sich die bisherigen Organisatoren nicht in der Lage sehen, diese Proteste so weiterzuführen, kamen bei einer Besprechung in der vergangenen Woche Teilnehmer der Montagsdemo und Organisatoren aus den Reihen des BUND überein, die Möglichkeit einer gemeinsamen Veranstaltung zu prüfen. Heute wurde einstimmig zugestimmt, gemäß einem der Vorschläge zukünftig um 17.30 Uhr mit der Montagsdemo gegen Hartz IV zu beginnen und um 18 Uhr zum Protest für die Abschaltung aller Atomkraftwerke weltweit überzugehen. Beginnen wird die Kundgebung wie immer in der Fußgängerzone am Athleteneck. In dieser Sache werden wir auch mit einem gemeinsamen Aufruf auf andere Organisationen und Bewegungen in Esslingen zugehen.

Hagen: Rund 300 Menschen fanden sich am Montag abend vor der Volme-Galerie ein, zur dritten Mahnwache. Die schrecklichen Ereignisse in Japan haben sie hier zusammengebracht. Sie kommen aus allen Stadtteilen, Altersgruppen und sozialen Schichten. In der Mitte stehen Kerzen, Ausdruck des Mitgefühls mit den Opfern der Atomkatastrophe in Japan. Auf Schildern und Transparenten und einer auf dem Boden liegenden Tapetenbahn wird vor allem die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen gefordert. Miriam Kleemann-Adolphs, junge Mutter von zwei kleinen Kindern, ist Initiatorin der Hagener Mahnwache. Sie begrüßt die Anwesenden, zusammen mit dem Moderator des offenen Mikrofons, Thilo Krüger. Seit über sechs Jahren moderiert er die Hagener Montagsdemonstration gegen Hartz IV. Ein Jugendvertreter berichtet von einer im Betrieb beschlossenen Resolution für die sofortige Stilllegung aller AKWs. Natürlich waren auch die bundesweiten Demonstrationen vom letzten Samstag mit ihren 250.000 Teilnehmern Thema. Zum Ende bedankt sich Frau Kleemann-Adolphs bei allen Anwesenden: "Dass so viele Menschen gekommen sind, gibt mir ein gutes Gefühl." Die Teilnehmer rahmen den Platz vor der Volme-Galerie eng stehend mit einem großen Kreis ein. Und dann wird es richtig laut. Wie mit einer Stimme ertönt unüberhörbar: "Abschalten!"

Hamburg: Ca. 20 Teilnehmer trafen sich auf der 346. Hamburger Montagsdemo, um darüber abzustimmen, ob wir an der Anti-AKW-Mahnwache vor dem Vattenfall-Büro teilnehmen. Das Ergebnis war einstimmig dafür. Dann gab es eine Abstimmung darüber, ob die Hamburger Montagsdemo sich in Zukunft um 18 Uhr vor dem Vattenfall-Büro auf der Anti-AKW-Mahnwache trifft und im Anschluss zum Saturn läuft. Das Ergebnis war bis auf eine Enthaltung einstimmig dafür. Ab nächsten Montag ist die Hamburger Montagsdemo von Anfang an bei der Kundgebung dabei und läuft dann zum Saturn, wo bis 19.30 Uhr am offenen Mikrofon diskutiert werden kann. Mit lauten Anti-AKW-Rufparolen ging es nach den Abstimmungen zum Vattenfall-Büro, wo wir mit großem Interesse von ca. 400 Teilnehmern empfangen wurden. Die Hamburger Montagsdemo wurde aufgefordert, einen Redebeitrag zu geben. Da das Megafon der Kundgebung nicht so deutlich war, stellte die Hamburger Montagsdemo ihre Anlage zur Verfügung, was dankbar genutzt wurde. Unsere Band "Pepperoni" leistete Musikbeiträge und sorgte deutlich für Stimmung und Aufmerksamkeit. Das offene Mikrofon wurde auch angenommen. Allerdings wurde es noch etwas zögerlich genutzt. Viele Teilnehmer hörten sehr interessiert den Beiträgen zu. Im Anschluss ging es mit lauten Rufparolen zum Saturn. Dort ging die Diskussion dann weiter. Ein Redner sagte: "In Tschernobyl explodierte das AKW und radioaktive Strahlen gelangten gleich in die Atmosphäre. In Fukushima sickert es langsam in die Erde." Eine Rednerin sagte: "Die Regierung behauptet die alten Kernkraftwerke (Baujahr vor 1980) abschalten zu wollen. Stellt sie aber nach drei Monaten wieder an. Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen!"

Heilbronn: Neue Ideen und neue Gesichter prägten die Montagsaktion. Zunächst wurden die drei Heilbronner Teilnehmerinnen an der Weltfrauenkonferenz nach ihrer Rückkehr aus Venezuela herzlich begrüßt. Für die bundesweite Delegiertenkonferenz der Montagsdemo wurden zwei Delegierte gewählt. Ein Teilnehmer berichtete von seiner Reise nach London und der Massendemonstration gegen die "cuts" (sozialen Einschnitte) in England. Dann wurde am Offenen Mikrofon über Fukushima und die Verharmlosung der Atomkatastrophe in den Medien diskutiert. Die Forderung nach Stilllegung aller Atomkraftwerke weltweit fand viel Unterstützung. Eine Rebellin forderte die Jugendlichen auf, sich in einer örtlichen Widerstandsgruppe zusammenzuschließen. Obwohl die "Energiewende" und die Bürgerinitiativen dieses Mal nicht aufgerufen hatten, waren einige Umweltschützer, Mitstreiter vom "Schwabenstreich" gegen "Stuttgart 21", Stadtbahn Nord und von der Bewegung "mehr Demokratie" auf dem Platz. Einig war man sich darin, nach Abwahl der Mappus-Regierung jetzt selbst aktiv zu bleiben. Unter dem Motto "Empört Euch" machten ein Teilnehmer von attac und ein Stadtrat der Grünen den Vorschlag, nach dem Vorbild der Ägypter auf dem Tahrir-Platz ein Netzwerk des kreativen Widerstands aufzubauen. Dies wurde in der Diskussion sofort aufgegriffen und ein gemeinsam organisierter, regelmäßiger "Tag des Widerstands" gegen die Regierungspolitik ins Gespräch gebracht. Zustimmung von allen Seiten – aber in welcher Form? Eine Courage-Frau unterstrich, diese Aktionsform sollte auf der Straße entwickelt werden, damit immer neue Leute angesprochen werden und am Offenen Mikrofon selbst zu Wort kommen. Neben der Umweltpolitik war auch der gemeinsame Widerstand gegen den angekündigten Nazi-Aufmarsch am 1.Mai ein brennendes Thema. Der Vorschlag wird nun in Initiativen, Gruppen und Parteien breiter diskutiert – es bleibt spannend, was sich daraus entwickelt!

Karlsruhe: Am Tag nach der Niederlage von Mappus war die Stimmung bei der Montagsdemonstration sehr gut. Das war ein Ziel: "Mappus muss weg!" Gleichzeitig wurde immer wieder betont: Wir machen uns keine Illusionen. SPD und Grüne haben Hartz IV zementiert. Das bleibt unvergessen. Wir wollen jeden Schritt der neuen Landesregierung kritisch verfolgen. Wir lassen uns kein U für ein X vormachen. Ein weiteres wichtiges Thema waren die Ereignisse in Japan. Eine bodenlos unverschämte Verharmlosung und Desinformation geht durch die Medien. Aber die Menschen sind nicht so dumm und können "1 und 1" zusammenzählen. So kam eine ältere Frau ans Mikrofon und sagte: "Ich finde das ungeheuerlich, wie mit der Zukunft der Menschen umgegangen wird. Diese Kernkraftwerke müssen alle abgeschaltet und entsorgt werden. Das hätte schon längst passieren müssen." Abschalten, aber nicht den Kopf! Viele Teilnehmer hatten Fakten und Einschätzungen zu dem Reaktorunglück. Es ergab ein lebendiges Bild über die Zusammenhänge. Das Thema wird uns noch lange beschäftigen, da sind wir uns einig.

Köln: Am dritten Montag nach dem Beginn der Atomkatastrophe in Japan, am Montag nach der Massendemonstration für das Abschalten, am Tag nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg versammelten sich 120 Atomkraftgegner in Köln am Dom zur Mahnwache mit offenem Mikro. Es entfaltete sich eine interessante Diskussion, die vor allem die Frage berührte, wie man den Ausstieg erreichen kann. Zunächst zeigte ein Redner auf, wie katastrophal die Desinformation der japanischen Regierung und der Presse ist, und was es für die Welt bedeutet, wenn Plutonium austritt und eine Kernschmelze stattfindet. Gewarnt wurde davor, jetzt darauf zu hoffen, dass SPD und Grüne "es richten". Kretschmann, der zukünftige Ministerpräsident in Baden-Württemberg, meinte gestern im ZDF, der Atomausstieg sei Bundessache. Der Atomausstieg á la SPD bedeutet, die Schrottreaktoren weitere 20 Jahre laufen zu lassen! Einige Redner schlugen vor, den Stromanbieter zu wechseln. Im letzten Jahr hat "Lichtblick" an drei Tagen (Atom-)Strom zukaufen müssen, eine "lässliche Sünde" - meinte ein Redner. Eine Montagsdemonstrantin meinte: Bei Hartz IV haben sie sich nicht um die Menschen geschert, beim Super-GAU in Japan scheren sie sich nicht um die Menschen - es geht immer nur um den Profit - und das dürfen wir einfach nicht mehr hinnehmen! Wir müssen im Widerstand eher eine Schüppe drauf legen - auch diese Meinung kam. Verabredet wurde, sich am Tschernobyl-Tag in Gronau an Ostern aktiv zu beteiligen, ggfs. auch an einer Blockade der RWE-Aktionärsversammlung am 20. April in Essen. Für viele Teilnehmer war das "offene Mikrofon" eine neue Erfahrung - man müsste in der Presse viel besser deutlicher machen, dass man sich hier austauschen kann, meinte eine Rednerin.

Leipzig: Am 28. März fand die dritte Montagsdemo mit rund 250 bis 300 Teilnehmern durch die Leipziger Innenstadt zur "Abschaltung aller AKWs - Rettung der Umwelt vor der Profitgier" statt. Es war eine sehr kämpferische Stimmung, die Parolen wurden immer wieder von verschiedenen Teilnehmern aufgegriffen und angestimmt. Parteifahnen der Linkspartei, FAU, Grünen, MLPD/ICOR waren zu sehen. Schüler nahmen teil, die das Thema zu ihr Projektwoche gemacht hatten, Frauen mit Kindern und natürlich die Leipziger Montagsdemo. Ausgangspunkt und Abschluss war der Augustusplatz. Es wurde vom Bündnis zur "Großdemo" zum 25. Jahrestag von Tschernobyl für den 26. April aufgerufen, sowie zu den weiteren Montagsdemonstrationen.

Lüdenscheid: 100 feste Teilnehmer beteiligten sich an der zweiten Kundgebung gegen Kernkraft auf dem Sternplatz. Neben verschiedenen Einzelrednern am offenen Mikrofon gab es diesmal auch eine gelungene Performance einer Gruppe Jugendlicher, die in weißen Schutzanzügen ans Mikro kamen und zahlreiche fundierte Argumente gegen Atomkraftwerke vorbrachten. Auch am Rande der Kundgebung gab es zahlreiche interessante Gespräche, vor allem auch um die Frage, wie die Kundgebungen in Zukunft noch lebendiger und kämpferischer gestaltet werden können. In den kommenden Wochen soll ein Aktionsbündnis ins Leben gerufen werden, als Plattform auf der noch viele weitere Mitstreiter in die aktive Arbeit einbezogen werden können. Bereits am vergangenen Samstag war ein Bus mit über 60 Atomkraftgegnern zur Großdemonstration nach Köln gefahren.

Münster: Im Münsterland fanden am Montag, den 28. März, erneut Anti-Atom-Proteste statt. In Emsdetten waren es 300, in Rheine 100 und in Warendorf 150. In Münster waren ca. 1.200 Leute jeden Alters um 18 Uhr zur Kundgebung auf dem Domplatz, darunter auch Vertreter der Grünen, der ÖDP, der Linkspartei und ihrer Jugendorganisation Solid sowie auch einige Leute von der SPD, der MLPD und der DKP. Die MLPD bot das aktuelle Flugblatt zur Lage in Japan vom 25. März an, sowie die Zeitung "Rote Fahne". Ebenso auch das neue Buch "Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution". Auf der Kundgebung sprach neben den Veranstaltern und einem Vertreter von Greenpeace auch eine junge Frau aus Fukushima. Sie berichtete zunächst unter Tränen von der Situation ihrer Familie in Fukushima. Die Demonstrationsteilnehmer ermutigten sie jedoch mit Beifall, dazu weiter zu sprechen. Die Japanerin dankte den Demonstrationsteilnehmern für ihren Protest und hob auch die anderen Anti-Atom-Proteste positiv hervorhob. Sie forderte den Ausstieg aus der Atomenergie, klagte die Regierung in Japan an sowie auch die Chefs der Atomenergie-Konzernen. Wenn sie immer noch für die Atomenergie wären und meinten sie wäre sicher, sollten sie selbst nach Fukushima ziehen und dort leben. Nach der Kundgebung kam es zu einer Demonstration durch die Innenstadt von Münster.

Recklinghausen: Die Teilnehmer diskutierten folgende Themen am offenen Mikrophon: Die Wählerinnen und Wähler in Rheinland-Pfalz und vor allem in Baden-Württemberg haben mit ihrer Stimme klar zum Ausdruck gebracht, was sie von der Atompolitik der Bundesregierung und den durchsichtigen Manövern nach der Katastrophe von Fukushima halten. Die bürgerlichen Parteien wurden mit Ausnahme der Grünen abgestraft; die starken Stimmenzuwächse bei den Grünen drücken vor allem aus, dass die Menschen große Hoffnung in den Atomausstieg setzen; man muss sich allerdings schon fragen, ob diese Hoffnung nicht trügerisch ist. Erinnern wir uns: Waren es nicht grüne Politiker, die den sogenannten ersten Atomkonsens mit den Betreibern einfädelten, der Laufzeiten von bis zu 35 Jahren garantierte? Noch schlimmer ist da die Rolle, die die SPD spielt. Im Anschluss an unsere Kundgebung hielten sie zusammen mit den Grünen und der Linkspartei eine Mahnwache auf dem Altstadtmarkt ab. Dabei verbreitete die Partei eine Unterschriftenliste, auf der die Bürger allen Ernstes einen beabsichtigten Atomausstieg für das Jahr 2020 unterzeichnen sollten. Die einzige konsequente Forderung zum Thema Atompolitik kann nur lauten: Sofortige Stilllegung aller Atomkraftwerke weltweit auf Kosten der Betreiber!

 

Saarbrücken: Wie bereits letzte Woche fanden sich mehr Montagsdemonstrierer als gewohnt bei der Europagalerie ein, machten sich auf den Weg, und führten dann das offene Mikro in kämpferischer Atmosphäre durch. Aber zunächst wurde den drei Leuten aus Saarbrücken für die Bundesdelegiertenversammlung am kommenden Samstag in Kassel das Votum der Montagsdemo erteilt. Sie sollen dort als Delegierte die Position und die Erfahrungen von uns Saarbrückern einbringen – und natürlich auch einiges an Erfahrung wieder mit nach Hause nehmen. Ganz vorn steht die Anklage gegen die Hartz-Gesetze und ihre praktischen Auswirkungen auf alle Betroffenen. "Es muss klar sein, dass nur die einfachen Leute – wenn überhaupt – etwas bewegen in der Politik, das fände ich wichtig, sich daran zu orientieren", gab ein Redner den Dreien mit. Dann gab’s eine Fülle fundierter und nachdenklich stimmender Beiträge zur Reaktorkatastrophe in Fukushima, zu den europaweiten Protesten gegen den Sozialabbau und die Verabredungen der G8, zu den Ergebnissen der Luftangriffe über Libyen. Ein starkes Mitgefühl mit den Menschen in Japan wurde auf der Montagsdemo lebendig. Die Montagsdemo schloss sich dann auch heute wieder dem "Montagsspaziergang" an. "Abschalten – Jetzt!" schallte es durch die Bahnhofstraße. Lieder wurden bei der kurzen Schlusskundgebung vorgetragen. Gegen Ende verwies der Versammlungsleiter zur Überraschung der Montagsdemo auf das "Offene Mikrofon", das im Anschluss an die Kundgebung gegen die Atomkraftwerke stattfinden würde. Nun gut – die Montagsdemo nahm die Herausforderung an und gab den vielen verbliebenen Protestierern die Möglichkeit, am offenen Mikro die ganze Dimension der Katastrophe in Fukushima zu verarbeiten und Schlussfolgerungen für das eigene Handeln zu ziehen.

Witten: Konkret wurde gefordert, dass angesichts des eingetretenen Super-GAU’s sofort alle Schwangeren und Kinder in Japan außer Landes gebracht werden und dass sich dazu alle Regierungen der Erde mit Japan verständigen müssen. Das wäre das mindeste, was sofort zu passieren hätte, denn in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten sind die Gefahren von Schädigungen besonders hoch und auch das kindliche Immunsystem ist besonders anfällig. Den Zusammenhang zur Montagsdemonstration sehen wir folgendermaßen: wer mit seiner Atompolitik sich so skrupellos über die damit verbundenen Risiken für den Bestand des gesamten Lebens hinwegsetzt, von dem kann man auch keine menschenwürdige Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik erwarten. Der gemeinsame Nenner bei beiden ist die Unterordnung der Politik unter die Profitinteressen der Großindustrie und Banken. Bezeichnenderweise wurden und werden in Fukushima Arbeitslose als "Wegwerfarbeiter" eingesetzt. Die Montagsdemo beteiligte sich deshalb nunmehr zum dritten Mal praktisch geschlossen an der anschließenden Kundgebung gegen die Atompolitik am Rathausplatz. Jetzt geht es darum, sich vom "grünen" Wahlergebnis nicht einlullen zu lassen, sondern weiterhin den Protest auf der Straße zu organisieren, damit die Atomkraftwerke wirklich komplett und auf Dauer vom Netz gehen. Die nächste Montagsdemo findet wie gewohnt am Berliner Platz um 17 Uhr in einer Woche statt und wird sich weiterhin mit dem Widerstand gegen die Atompolitik beschäftigen.