Umwelt

Große Fischfanggebiete von dauerhafter radioaktiver Verseuchung bedroht

06.04.11 - Die Ausweitung der radioaktiven Verstrahlung durch den Supergau von Fukushima hat dramatische Ausmaße erreicht. Es ist nach wie vor eine bewusste Irreführung der Weltöffentlichkeit, wenn heute morgen von der Betreiberfirma Tepco gemeldet wurde, dass es gelungen sei, auslaufendes Wasser aus Reaktor 2 zu verhindern. Was ist denn mit Reaktor 3, aus dem bis vor kurzem ebenso das Austreten von hoch kontaminiertem Wasser gemeldet wurde?

Es ist auch eine Irreführung, wenn vor allem die Belastung durch das radioaktive Jod 131 von den japanischen Behörden betont wird und die Tatsache in den Hintergrund gestellt wird, dass auch der Anteil von Caesium 137 steigt und bereits Plutonium 239 in Spuren gemessen wurde? Das besagte Jodisotop hat eine Halbwertszeit von rund acht Tagen, radioaktives Caesium 137 dagegen bereits von 30 Jahren. Das  weit giftigere Plutonium 239 hat eine Halbwertszeit von 24.110 Jahren.

Das Wasser in Küstennähe hat laut amtlicher Bekanntgabe einen Strahlenwert von mehr als 1.000 Millisievert. Wenn ein Mensch in kurzer Zeit konzentriert einer Strahlung in dieser Größenordnung ausgesetzt ist, entsteht bei ihm eine Strahlenkrankheit beginnend mit Kopfschmerzen, Übelkeit mit akuter Gefahr von Blutarmut und Leukämie. Gegenüber dieser Entwicklung ist das drohende Tsutsugamushi-Fieber durch Verbreitung von Milben in den vom Tsunami betroffenen Gebieten, das wir gestern auch gemeldet hatten, eine völlig untergeordnete Gefahr.

Der Chemiker Manfred Santen von Greenpeace Deutschland hat heute in einem Interview mit "faz.net" die Einleitung von radioaktiv belastetem Reaktorwasser ins Meer als unverantwortlich verurteilt. Damit wird die Verseuchung von einigen der fischreichsten Gewässer der Welt bewusst in Kauf genommen:

"... in der Küstenregion ist die Radioaktivität schon sehr angereichert. Sie wird massiv kontaminiert, und auch wenn der Fischfang in der Zone verboten ist, so werden die Lebensräume dort doch in Mitleidenschaft gezogen. Es laufen zwei Meeresströme an der Küste vorbei, ein kalter aus Norden und ein warmer aus Süden. Die treffen sich vor Fukushima. Das führt dazu, dass hier ein nährstoffreiches und ein sehr artenreiches Fischbiotop entstanden ist... Wie sich die radioaktiven Stoffe verdünnen und wie sie sich verteilen werden, das kann noch niemand vorher sagen. Die beiden Ströme, die sich hier vereinen, fließen gen Osten Richtung Hawaii und Nordamerika. Dieser Strom teilt sich dann aber noch mal Richtung Alaska und Beringsee, und das ist ein wichtiges Fischfanggebiet, das auch Europa mit Fischen beliefert."

Ganz im Gegensatz zu der Beschwichtigung steht das heute erlassene Einfuhrverbot sämtlicher in Japan produzierter Lebensmittel durch die indische Regierung. Es kommt umso mehr darauf an, dass die zunehmend weltweiten Proteste, in Japan selbst, in Indien und derzeit anwachsend in Lateinamerika und Mitteleuropa, wo übrigens auch in Frankreich sich die Stimmung gegen die Atomenergie entwickelt,  zu einer gemeinsamen Widerstandsfront für die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen bündeln.

(siehe auch die am Freitag erscheinende Ausgabe 14/2011 der "Roten Fahne" - sie kann hier bestellt werden)