Betrieb und Gewerkschaft

Chemie-Tarifabschluss bindet Inkrafttreten der Lohnerhöhung an "wirtschaftlichen Erfolg"

Düsseldorf (Korrespondenz), 08.04.11: Der Verhandlungsführer der IGBCE, Peter Hausmann, nannte den Abschluss der Lohntarifrunde in der chemischen Industrie zum 31. März eine "Marke, die es in diesem Jahr in der Tariflandschaft noch nicht gegeben hat". 4,1 Prozent bei 15 Monaten Laufzeit ab dem 1. April, verbunden mit einem Nullmonat, ergeben auf zwölf Monate gerechnet eine Tariferhöhung um 3,3 Prozent. Abschlüsse um die 3 Prozent hat es in diesem Jahr auch in anderen Branchen durchaus schon gegeben.

Dennoch drückt die Höhe des Chemie-Abschlusses aus, dass weder die Konzernspitzen noch die IGBCE–Führung es angesichts der teils brodelnden Stimmung in den Betrieben zu tariflichen Streiks kommen lassen wollten. Während die Chemiemonopole saftige Gewinnsteigerungen feiern – allein Henkel zahlt seinen Managern 80 Millionen Euro Erfolgsprämie aus – nehmen Druck und Arbeitshetze in den Werken enorm zu, werden weiter wie bei Bayer massiv Arbeitsplätze abgebaut. Auf 15 Tarifkundgebungen bundesweit mit über 30.000 Beteiligten machten die Kolleginnen und Kollegen deutlich, dass sie bereit sind, für ihre Tarifforderung zu kämpfen.

Der Abschluss ist deshalb auch ein fauler Kompromiss, weil er ohne den vollen Einsatz der gewerkschaftlichen Kampfkraft hinter verschlossenen Türen verhandelt wurde. Er bindet die Lohnerhöhungen der Arbeiter und Angestellten an die wirtschaftliche Situation "ihrer" Unternehmen. So kann bei "wirtschaftlichem Erfolg" die Erhöhung bereits auf den 1. März vorgezogen werden, die Konzerne können aus wirtschaftlichen Gründen aber auch bis zu zwei Nullmonate nachschieben, womit die prozentuale Steigerung umgerechnet auf zwölf Monate sogar auf 2,6 Prozent sinkt.

Es muss auch innerhalb der IGBCE die Kritik daran geführt werden, dass die Gewerkschaftsführung 15 Monate Laufzeit verbunden mit einem flexiblen Tarifkorridor vereinbart, während die Basis sich in den gewerkschaftlichen Versammlungen klar für eine Forderung von 7 Prozent bei 12 Monaten Laufzeit ausgesprochen hat.