Umwelt

Dramatische Entwicklung beim havarierten Atommeiler Fukushima

04.04.11 - Nach wie vor gelingt es nicht, die atomare Katastrophe in Japan unter Kontrolle zu bringen. Heute erklärte der Betreiber Tepco laut einem Agenturbericht, 11.500 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser ins Meer leiten zu wollen. Es handele sich um Wasser, das sich in den schwer beschädigten Anlagen des Atomkraftwerks angesammelt habe, berichtet die Nachrichtenagentur Jiji. Diese Maßnahme sei nötig, um für noch wesentlich stärker verstrahlte Wassermengen Platz zu machen.

Jetzt droht mit der aktuellen Großwetterlage eine rasche Verbreitung der Strahlenwolke in den Süden. Dadurch könnten küstennahe Gebiete südlich des Reaktors beeinträchtigt und die Hauptstadt Tokio noch stärker betroffen werden. In weiterer Folge zieht eine potentielle Strahlungswolke erstmals Richtung Süd-Japan und ins Chinesische Meer. Dennoch wird das Ausmaß der Katastrophe von den weltweiten Nachrichtenagenturen weiter heruntergespielt.

Dagegen warnte der Greenpeace-Kernphysiker Heinz Smital in Hamburg bereits am Wochenende: "Die höchste Stufe der Unfallskala der IAEA (Internationale Atomenergie Agentur) ist jetzt erreicht. ... Es sind derart große Mengen an Radioaktivität freigesetzt worden, dass die derzeitige Katastrophe im Akw Fukushima 1 jeden Vergleich sprengt." Er berief sich dabei auf eine Studie für Greenpeace, die Daten des französischen Instituts für Atomsicherheit (IRSN) und der österreichischen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) auswertete. Demnach sei die Menge von freigesetzten radioaktiven Substanzen wie Cäsium 137 und Jod 131 so groß, dass eine Einstufung auf der INES-Stufe 7 nötig sei.

Stufe 7 der international einheitlichen sogenannten INES-Skala der IAEA war bislang erst einmal bei der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl 1986 ausgerufen worden.