Umwelt

Panikmache über Anstieg der Atomstromimporte

05.04.11 - Die Atomlobby hat eine Kampagne gestartet, wonach Deutschland jetzt abhängig von importiertem Atomstrom aus Frankreich und Tschechien geworden sei. Der RWE-Manager und ehemalige Hamburger Umweltsenator Fritz Vahrenholt (SPD) spricht von einem möglichen "Blackout in Süddeutschland".

Der Anteil des Atomstroms an der deutschen Energieversorgung beträgt rund 20 Prozent. Da Deutschlands Stromerzeugung aber insgesamt über Überkapazitäten bis zu 40 Prozent verfügt, droht durch die Abschaltung überhaupt keine Unterversorgung.

Andree Böhling, Energieexperte von Greenpeace, wirft der Atomlobby vor, eine "rein künstliche Debatte zu führen". Es sei nämlich nicht so, dass in Deutschland die Kapazitäten ohne den Strom der abgeschalteten Alt-Meiler nicht mehr reichen würden. "Die gestiegenen Importe erklären sich vielmehr mit der Reaktion der Strommärkte, die sich immer mit dem günstigsten Strom versorgen - und der kann zeitweise auch verstärkt von Atomkraftwerken aus Frankreich kommen", sagte Böhling gegenüber "spiegel-online".

Welcher Strom aus welchen Quellen vermehrt zugeschaltet wird, entscheidet sich an den vier europäischen Strombörsen wesentlich auf spekulativer Basis. So hat zeitweilig die Einspeisung von Atomstrom zugenommen. Die Elektrizitätswerke und -versorger können dann aus der Differenz zwischen Einkaufspreis und Verbraucherpreis ihre Gewinne zusätzlich steigern.

Das Argument, wenn in Deutschland die AKWs stillgelegt werden, würde das Ausland mehr Atomstrom produzieren und nach Deutschland exportieren, soll den berechtigten Widerstand gegen die Atompolitik der deutschen Regierung untergraben. Es ist aber umgekehrt so: Gerade die Durchsetzung der Stilllegung aller Atomkraftwerke in Deutschland würde eine wichtige Vorreiterrolle spielen, die Kritik an der Kernenergie in anderen Ländern zu fördern und hier wie dort zum aktiven Widerstand ermutigen.