Umwelt

Japans Regierung stuft Fukushima wie Super-GAU von Tschernobyl ein

12.04.11 - Aufgrund der wachsenden Proteste weltweit und im eigenen Land war die japanische Atombehörde heute gezwungen, die Atomkatastrophe von Fukushima in die höchste Stufe 7 der internationalen Störfallskala einzustufen, die bisher nur einmal - für die Katastrophe von Tschernobyl - vergeben wurde. Dabei wird das Ausmaß der radioaktiven Verseuchung mit Sicherheit nicht geringer, sondern noch erheblich zunehmen. Dafür spricht auch, was die ARD-Sendung "Monitor" am 7. April unter Berufung auf ein internes Papier des Atomkonzerns Areva enthüllte, in dem die Atomkatastrophe von Fukushima minutiös analysiert wird:

"Nach innen spricht AREVA von einem - Zitat: ‘Desaster’. ... Autor der Studie: der Reaktorphysiker Matthias Braun. Im Papier wird nicht drum rumgeredet: Es gab Kernschmelzen bei Temperaturen von bis zu 2.700° Celsius im Reaktor." Das Hauptproblem sei das Abklingbecken von Reaktor 4 mit 1.331 abgebrannten Brennstäben, das durch eine Explosion schwer beschädigt wurde: "Die Kernschmelze unter freiem Himmel hat längst begonnen, erklärt Arnold Gundersen. Der Atomingenieur hat über Jahrzehnte in leitender Position in der Nuklearindustrie gearbeitet."

Über die Folgen der Reaktorkatastrophe 1986 in Tschernobyl haben die "Internationalen Ärzte zur Verhütung eines Atomkrieges" (IPPNW) am 8. April eine Studie über die Langzeitwirkungen veröffentlicht. Sie weist nach, dass ein Großteil der gesundheitlichen Folgen sich erst nach Jahren und Generationen auswirkt und von 1986 bis heute 600 Millionen Menschen in ganz Europa betroffen sind. Neben Krebserkrankungen seien andere Krankheiten wie Immunerkrankungen, Zeugungsunfähigkeit, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, psychische Krankheiten und genetische Defekte ein noch viel größeres gesundheitliches Risiko.

Bei niedrigen Strahlenbelastungen, wie sie nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl in Europa gemessen wurden, ist den Experten des IPPNW zufolge lediglich die Zeit bis zum sichtbaren Auftreten von Krankheiten länger. Akute und schwere, radioaktive Verstrahlungen, wie sie die sogenannten Liquidatoren (Aufräumarbeiter) erfahren haben, zeigen ihre Folgen viel früher. So sind von den etwa 830.000 Liquidatoren bis heute über 112.000 bereits verstorben, rund 90 Prozent sind erkrankt.

Die radioaktiven Substanzen, die seit Beginn der Atomkatastrophe in Japan am 11. März 2011 aus den beschädigten Reaktoren entweichen, haben sich in der nördlichen Erdhalbkugel bereits innerhalb von zwei Wochen nach der Atomkatastrophe durch kleinste Schwebeteilchen in der Luft (Aerosole) verteilt. Das wurde durch Messungen nachgewiesen. Dieser Prozess wird über Jahrzehnte andauern und betrifft die gesamte Weltbevölkerung. Auch über die zunehmende radioaktive Verseuchung des Pazifik reichern sich radioaktive Partikel in der Nahrungskette an.

Weltweit laufen die Vorbereitungen des Aktionstags für die sofortige Stilllegung aller Atomanlagen am 26. April, dem 25. Jahrestag der Tschernobyl-Katastrophe. Gemeinsam mit der ICOR ("Internationale Koordinierung revolutionärer Parteien und Organisationen") ruft inzwischen auch die ILPS ("Internationaler Bund des Kampfes der Völker") dazu auf (siehe "rf-news" vom 11. April). An vielen Orten Deutschlands wird dazu der "Tag des Widerstands" ausnahmsweise nicht am Montag, sondern am Dienstag, 26. April, mit kämpferischen Aktionen und betrieblichen Protesten durchgeführt werden. Auch in den Betrieben wird über die Vorbereitung kämpferischer Aktionen beraten. Darüber hinaus werden in Deutschland bereits am Ostermontag von der Anti-AKW-Bewegung und der Friedensbewegung geplante Aktivitäten zu "25 Jahre Tschernobyl" statt finden. Der Protest gegen die Atompolitik wird ein Bestandteil der gesamten Ostermarsch-Aktivitäten sein.