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Hintergründe für den Mord an dem Friedensaktivisten Vittorio Arrigoni sind rätselhaft

19.04.11 - Nur wenige Stunden nachdem Vittorio Arrigoni im Gaza-Streifen entführt wurde, ist er ermordet worden ("rf-news" berichtete). Der italienische Friedensaktivist war vor knapp drei Jahren in den Gazastreifen gekommen. Er war an Bord eines Bootes der Free-Gaza-Bewegung dabei, als es erstmals nach Jahren gelang, die israelische Blockade zu durchbrechen und Hilfsgüter in den Hafen von Gaza zu bringen. Seitdem lebte er fast ständig dort.

In und für Palästina war er seit fast zehn Jahren aktiv. Er hatte sich schon oft in Gefahr begeben, eine Gefahr, der die Menschen im Gaza täglich ins Auge sehen. So konnte er authentisch über die harten Lebensbedingungen und die ständigen Menschenrechtsverletzungen der israelischen Besatzungsmacht aufklären. Er war vor zwei Jahren Gast bei Solidaritätsveranstaltungen der MLPD, unter anderem in Recklinghausen, und Genossinnen und Genossen erinnern sich gut an sein engagiertes Auftreten dort.

Während des israelischen Terrorangriffs 2008/2009 war er im Gazastreifen. Er begleitete Ambulanzen und berichtete als Augenzeuge für internationale Medien. Mehrfach wurde er für sein mutiges Eintreten für den palästinensischen Widerstand in der Westbank und im Gazastreifen von der israelischen Polizei verhaftet. 

Alle palästinensischen Parteien verurteilten den Mord an Vittorio Arrigoni. Die anfangs verbreitete Meldung, dass er von einer salafitischen islamistischen Gruppe ermordet wurde, wird inzwischen von den Aktivisten der Friedensbewegung bezweifelt. Dazu sind einig Details nicht stimmig. Inge Höger von der Linkspartei, die eine Kennerin der Lage in Gaza ist, schreibt:

"Auch dass innerhalb von zwei Wochen erst Juliano Mer Khamis, einer der bekanntesten Aktivisten in der Westbank, und nun Vittorio, der bekannteste Aktivist in Gaza umgebracht wurden, während nichts dergleichen vorher je geschah, ist zumindest fragwürdig. Die Frage, die man sich stellen muss, ist: Wer profitiert von diesen furchtbaren Verbrechen?

Zum einen sind nun zwei der für Israel 'gefährlichsten', weil engagiertesten, bekanntesten und renommiertesten Aktivisten ausgeschaltet. Die Morde an Vittorio und Juliano könnten außerdem ein Mittel sein, um der internationalen Solidaritätsbewegung einen empfindlichen Schlag zu versetzen - gerade angesichts der bevorstehenden zweiten Flotilla und der Tatsache, dass sich internationale Aktivisten noch immer nicht davon abbringen lassen, nach Palästina zu fahren."

Vittorio Arrigoni bleibt uns allen in Erinnerung als ein engagierter mutiger Kämpfer für das Recht des palästinensischen Volkes auf nationale und soziale Befreiung.

Arrigoni ist Autor des Buches "Gaza - Mensch bleiben". Dieses kann über den Verlag Neuer Weg bestellt werden.