Politik

Ostermärsche 2011: Widerstand gegen Atomtod und imperialistische Kriege

23.04.11 - „Bundeswehr raus aus Afghanistan“, „Atomwaffen abschaffen“ und „AKWs abschalten“ waren die zentralen Forderungen der Ostermärsche, die nach dem gestrigen Auftakt heute in zahlreichen deutschen Städten – darunter Berlin, Hamburg, Kiel, München, Stuttgart, Duisburg, Düsseldorf, Augsburg, Nürnberg und andere mehr - fortgesetzt wurden. Überall fanden sich in diesem Jahr Friedens- und Umweltaktivisten zur gemeinsamen Aktion zusammen – gibt es doch hierfür mit der Atomkatastrophe in Fukushima, dem 25. Jahrestag des Super-GAU in Tschernobyl und dem imperialistischen Kriegsgebaren der Nato u.a. in Afghanistan und Nordafrika soviel Anlass wie selten zuvor.

Der Ostermarsch Rhein-Ruhr begann mit einer Auftaktkundgebung in Duisburg, er wird morgen mit einem Fahrrad- und Motorrad-Korso fortgesetzt und endet am Ostermontag in Dortmund. Nach Informationen des Veranstalters versammelten sich 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmern zur Kundgebung auf dem „Ostermarkt“. Getragen wurde die Aktion von  10 Organisationen, darunter Duisburger Friedensforum, Linkspartei, DIDEF, DKP, MLPD, Falken, Rote Hilfe, Duisburger Montagsdemo und einem GRÜNEN. Frank Baier und die Duisburger Band „Bandbreite“ sorgten mit kritischen Liedern für kämpferische Stimmung.

„Bei allen politischen und weltanschaulichen Unterschieden“, so unser Korrespondent aus Duisburg, „war doch die Einheit in den zentralen Anliegen Bundeswehr raus aus Afghanistan, Atomwaffen abschaffen, AKWs abschalten beeindruckend. Am Stand der MLPD hatten wir jede Menge lebhafte Gespräche, die sich vor allem an Titel und Inhalt des neuen Buchs von Stefan Engel, ‚Morgenröte der internationalen sozialistischen Revolution’ entzündeten. Wir hatten bald mehr Diskussionen darüber, wie man den Kapitalismus abschafft als über die Abschaltung der AKWs.“

Ähnlich erlebten dies unsere Berichterstatter vom Münchner Ostermarsch. Ca. 1.000 Menschen marschierten dort bei sommerlicher Hitze vom Orleansplatz zum Marienplatz, wo um 12.00 Uhr die Abschlusskundgebung stattfand. Die Broschüre der MLPD „Internationaler Aktiver Widerstand zur sofortigen Stillegung aller Atomkraftwerke“ fand guten Absatz und die Initiative zu dem weltweiten Aktionstag mit einer klaren antiimperialistischen Stoßrichtung am 26. April große Zustimmung. Denn ein "Politikwechsel für Frieden und eine gerechte Weltordnung", wie ihn das Münchner Friedensbüro im Ostermarschaufruf fordert, ist unter kapitalistischen Herrschaftsverhältnissen eine Illusion.

Die größten Kundgebungen bei den diesjährigen Ostermärschen werden am Ostermontag an den Standorten von Kernkraftwerken erwartet sowie eine grenzüberschreitende Demonstration auf der Rheinbrücke bei Kehl.

Etlichen Ostermarschierern war heute die Solidarität mit dem mutigen Kampf des syrischen Volkes gegen seine Unterdrücker ein Anliegen. Obwohl die Scharfschützen der syrischen Regierung selbst vor Schüssen auf Trauernde nicht zurückschreckten, demonstrierten in Damaskus und Israa zehntausende erneut für Freiheit und Demokratie. Am Freitag waren im Kugelhagel des reaktionären Assad-Regimes mindestens 112 Menschen getötet worden, obwohl am Donnerstag offiziell der seit 1963 währende Ausnahmezustand aufgehoben worden war.

Die Ostermarschbewegung wurzelt im Protest gegen die Atombewaffnung. Am 7. April 1958 marschierten 1.000 Menschen von London zur Atomforschungsanlage Aldermaston, eine Strecke von 80 Kilometern. Die Demonstranten wollten mit der überparteilichen britischen 'Campaign for Nuclear Disarmament' erreichen, dass radioaktive Waffen weder getestet noch hergestellt noch gelagert werden. Albert Schweitzer gehörte neben Lord Bertrand Russell zu den prominentesten Personen im Kampf gegen Nuklearwaffen. Bereits 1955 hatten sie mit dem berühmten Russell-Einstein-Manifest die Weltöffentlichkeit vor einer möglichen nuklearen Katastrophe gewarnt.